Euro-Krise
Der einsame Kampf der Bundesbank

Bundesbank-Chef Weidmann hat eindringlich vor den Risiken im Eurosystem gewarnt. Er hält sofortige Schritte für notwendig, um die Sicherheit zu erhöhen. Doch in der EZB steht er mit seinen Forderungen ziemlich alleine.
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Unzufriedene Bundesbank-Präsidenten verleihen ihren Forderungen an die Europäische Zentralbank gerne über die Medien Nachdruck. Das war schon unter Axel Weber so. Nachdem dieser sich einst auf der Sitzung des EZB-Rats mit seiner Ablehnung von Staatsanleihekäufen nicht durchsetzen konnte, gab er am nächsten Tag einer Zeitung ein Interview. In diesem kritisierte er heftig den Anleihekauf-Beschluss des EZB-Rats.

Webers Nachfolger Jens Weidmann ist diplomatischer - aber auch er gibt Interviews und schreibt Briefe, die dann zufällig an die Öffentlichkeit gelangen. So wie jetzt zum Beispiel. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete jüngst ausführlich über den Inhalt eines Briefes von Weidmann an EZB-Präsident Mario Draghi. In dem Schreiben warnt Weidmann vor den wachsenden Risiken im Eurosystem.

Dass Weidmann genau wie Weber den Weg an die Öffentlichkeit einschlägt, hat einen guten Grund: Er hat das gleiche Problem wie Weber. Die Bundesbank steht mit ihren geldpolitischen Grundsätzen in der EZB ziemlich alleine da. Das zeigte sich zuletzt bei der Ernennung des neuen EZB-Chefvolkswirts. Das Rennen um den Schlüsselposten machte nicht der deutsche Kandidat Jörg Asmussen, sondern der Belgier Peter Praet.

Zudem sieht sich Weidmann wie Weber mit einer deutschen Bevölkerung konfrontiert, die dem Kurs der EZB äußerst kritisch gegenübersteht. In keinem anderen Euro-Land ist die Angst vor Inflation so ausgeprägt wie in Deutschland.

In seinem Brief an Draghi geht es um Sicherheitsvorgaben an Banken, die sich bei der EZB Geld besorgen. Weidmann fordert strengere Regeln. Sprich: Eine Rückkehr zu den Sicherheitsanforderungen, die vor der Finanzkrise galten.

Zuletzt hatte die EZB ihre Sicherheitsanforderungen für Notenbankkredite mehrfach gelockert. Im Dezember legte sie beispielsweise fest, dass die nationalen Notenbanken des Eurosystems selbst bestimmen können, welche Sicherheiten sie für Notenbankkredite akzeptieren.

Dass sich Weidmann mit seiner Forderung durchsetzen kann, ist trotz Brief eher unwahrscheinlich. Unter einer Verschärfung der Sicherheitsanforderungen würden vor allem die Banken in den Peripherieländern leiden. Ihr Problem ist, dass sie keine besseren Sicherheiten haben. Deshalb hätte eine Verschärfung der Sicherheitsanforderungen die Folge, dass sie weniger Notenbankgeld abrufen könnten.

Weidmann geht in seinem Brief auch auf die Forderungen der EZB aus dem Zahlungsverkehrssystem Target ein, berichtet die FAZ. Über das Target-System wickeln die Geschäftsbanken der Eurozone grenzüberschreitende Zahlungen ab. Kauft zum Beispiel eine griechische Firma Waren in Deutschland, leitet ihre Geschäftsbank den Kaufpreis über die griechische und die deutsche Zentralbank an die Bank des Exporteurs weiter. Bei der Bundesbank entsteht dabei eine Forderung gegenüber der EZB, bei der Notenbank in Athen eine Verbindlichkeit. Negative Target-Salden entstehen aber nicht nur durch Defizite im Außenhandel.

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Hohe Target-Forderungen der Bundesbank

Kommentare zu " Euro-Krise: Der einsame Kampf der Bundesbank"

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  • Ich finde es ungeheuerlich, wie die Bundesbank auf dem Rücken der kleinen Leute versucht, ihr Unvermögen zu kaschieren. Deutschland wäre nie in den Strudel der Finanzkrise, hätte die Bundesbank ihre Arbeit gemacht.

  • Das sehe ich auch so. Es wäre ganz einfach und auch möglich. Aber kennen Sie auch nur einen einzigen Politiker, der dazu den Mut hätte?
    Ich nicht!

  • • Er hat sich zur Falle gemausert. Ja. Das war so beabsichtigt. Duetschlnad soll zahlen. Bis zum St. Nimmerleinstag. Wir sollen zerstört werden. Das ist seit 1945 der Plan!!!!! Er wird aufgehen, dieser Plan. Allerdings ziehen wir alles mit in den Abgrund! Nicht nur wir gehen unter, sondern mir uns geht die gesamte westliche Welt unter!

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