Euro-Krise
Der listige Plan der EZB

Fast 500 Milliarden Euro leihen sich Banken für drei Jahre bei der Zentralbank. Der Geldregen ist aber nicht nur ein Banken-Rettungspaket. Tatsächlich geht es der EZB um die Schuldenstaaten. Und der Steuerzahler haftet.
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In der bürokratischen Sprache der Zentralbanker hört sich das, was am Mittwoch auf den europäischen Finanzmärkten stattgefunden hat, fast wie ein Routinegeschäft an: Um die Liquidität der europäischen Geldmärkte zu stützen, habe der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossen, zwei längerfristige Refinanzierungsgeschäfte mit einer Laufzeit von 36 Monaten aufzulegen, teilten die Notenbanker mit.

Tatsächlich aber ist das heutige Geldmarktgeschäft der EZB in seiner Form einmalig: 489 Milliarden Euro haben sich die Geschäftsbanken der Euro-Zone zu Niedrigzinsen von der Zentralbank gepumpt. Analysten hatten im Schnitt mit 310 Milliarden Euro gerechnet, in der Vorwoche waren noch 250 Milliarden Euro erwartet worden - der Geldhunger der Banken übertrifft alle Erwartungen.

Nie zuvor hat die Notenbank den Kreditinstituten über einen so langen Zeitraum Geld geliehen. Zwar gehören längerfristige Refinanzierungsgeschäfte zum Instrumentarium der EZB. Normalerweise hatten diese jedoch eine Laufzeit von drei Monaten. Seit der Lehmann-Pleite im Oktober 2008 hat die EZB jedoch auch schon mehrfach Geld über ein Jahr an die Banken vergeben. Das größte Geschäft war bislang im Juni 2009: Damals stellte die EZB 442 Milliarden über ein Jahr zur Verfügung.

Mit dem sogenannten Dreijahrestender legt die EZB nun ein weiteres gigantisches Stützungsprogramm auf. Es zielt nur vordergründig auf den Bankensektor. Denn in Wahrheit ist die beispiellose geldpolitische Aktion ein Rettungspaket für die Schuldenstaaten. Die EZB macht mit ihrer Geldschwemme über die Hintertür genau das, wogegen sie sich bislang öffentlich sträubt: Sie wirft die Notenpresse an, um indirekt Schulden der wackelnden Euro-Staaten zu finanzieren.

„Geldpolitik kann nicht alles machen“, hatte EZB-Chef Mario Draghi noch am Wochenende in einem Interview mit der britischen Financial Times Hoffnungen auf massive Anleihekäufe durch die Notenbank eine Absage erteilt. Der heutige Tag beweist, dass sie zwar nicht alles, aber einiges kann.

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  • Die akzeptierten "Sicherheiten" bei der EZB sind ja nicht nur Staatsanleihen der Pleitestaaten! Im Rahmen eines "quantitativen easings" wird kolportiert, dass auch schon gebrauchte Tempotaschentücher zur Sicherung ausreichen !

  • Es geht nicht um die Subventionierung der Banken. Es geht darum, daß es der EZB untersagt ist, mit der Notenpresse Staatsschulden zu finanzieren. Draghi tönt allerorten, daß er das auch nicht will und - genau das macht, wenn auch durch die Hintertür. Das ist bodenlose Bauernfängerei. Die EZB wird immer mehr zur bad Bank in Europa, für die wir zu 28% haften. Aber unser Publikum regt sich ja lieber über einen Bahnhof oder einen Privatkredit auf!

  • Es geht nicht um die Subventionierung der Banken. Es geht darum, daß es der EZB untersagt ist, mit der Notenpresse Staatsschulden zu finanzieren. Draghi tönt allerorten, daß er das auch nicht will und - genau das macht, wenn auch durch die Hintertür. Das ist bodenlose Bauernfängerei. Die EZB wird immer mehr zur bad Bank in Europa, für die wir zu 28% haften. Aber unser Publikum regt sich ja lieber über einen Bahnhof oder einen Privatkredit auf!

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