Euro-Krise
„Die Bazooka-Lösung ist ein Rohrkrepierer“

Nach EZB-Chef Draghi sperrt sich auch die Bundesbank-Spitze gegen massive Anleihekäufe der Euro-Zentralbanken. Auch bei den geplanten IWF-Krediten bleiben die Notenbanker hart: Die Politik soll die Krise selbst lösen.
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BerlinDer für Märkte zuständige Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel hat sich entschieden gegen groß angelegte Staatsanleihenaufkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) ausgesprochen. Diese Forderung wird von vielen Regierungschefs und Investoren an die Notenbank herangetragen, um die Euro-Krise zu beenden. „Die Märkte wollen gern den Scheck auf dem Tisch sehen“, sagte Nagel der Tageszeitung „Die Welt“ (Dienstagausgabe).

„Aber wenn die EZB sich dazu verleiten ließe, würden die Märkte kurz jubeln, um dann direkt viel unangenehmere Fragen zu stellen. Sie würden befürchten, dass diese Lösung Deutschland überfordern würde. Sie würden die Glaubwürdigkeit der EZB anzweifeln. Und sie würden auf die großen Risiken dieser Politik hinweisen. Die Bazooka-Lösung ist ein Rohrkrepierer.“   

Unbegrenzte Staatsanleihenaufkäufe wären zudem nicht mit dem Mandat der Bank vereinbar. „Es ist doch verrückt, mit welcher Selbstverständlichkeit wir aufgefordert werden, außerhalb unseres gesetzlichen Auftrags zu handeln. Die Bundesbank pflegt sich jedenfalls an Verträge zu halten“, betonte Nagel.   

Gelöst werden könne die Krise nur von der Politik, sagte der Banker. „Das wird sicher noch einige Zeit dauern. Die Finanzkrise wird 2012 nicht vorbei sein. Aber dieser beschwerliche Weg ist der einzige.“ So sei der jüngste EU-Gipfel richtungsweisend in dem Bestreben gewesen, die Währungsunion zu einer nachhaltigen Fiskalunion auszugestalten, sagte Nagel. „Das ist genau der Kurs, den die Bundesbank immer gewollt hat. Die Finanzmärkte werden die Fortschritte relativ zügig goutieren, da bin ich mir sicher.“

Nagel verteidigt zudem die Haltung der Bundesbank zu den geplanten Kreditlinien des Internationalen Währungsfonds (IWF) für Europa. „Ich halte es für wichtig, dass Europa das Signal an die Investoren sendet, dass es seine Probleme selbst lösen kann. Fakt ist aber auch, dass der IWF nur über eine breite internationale Beteiligung aufgestockt werden kann.“ Auf ihrem jüngsten Gipfel hatten die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union (EU) beschlossen, dass die nationalen Notenbanken dem IWF Kreditlinien bereitstellen sollen, um mit diesen Geldern kriselnden Euro-Staaten zu helfen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Euro-Krise: „Die Bazooka-Lösung ist ein Rohrkrepierer“"

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  • Die ganze derzeitige Situation ist doch ein lange geplanter Coup. Man sehe sich nur einige der jüngst in die Sessel gehobenen Figuren an:
    Papademos hatte die Lügen zum Euro-Beitritt GR's ausgeheckt - zusammen mit Goldman Sachs ...
    Mario Monti ein Goldman
    Mario Draghi ein Goldman ...


    David Rockefeller 1994 vor dem Wirtschafts-Ausschuss der Vereinten Nationen (UN Business Council) :
    (und wiederholt 2005 beinm Treffen der Bilderberger)
    «Wir stehen am Beginn eines weltweiten Umbruchs.
    Alles, was wir brauchen, ist die eine richtig große Krise,
    und die Nationen werden die Neue Weltordnung akzeptieren.»
    Wie man solche Krisen auslöst, dürfte mittlerweile jedermann klar sein.

  • Stabilitätsfanatiker müssen erkennen, dass Stabilität unter derzeitigen Bedingungen nicht erreichbar ist und zudem Stillstand bedeutet mit der Tendenz zum Zerfall. Wer Stabilität will, scheut Veränderungen und nimmt der Wirtschaft die notwendige Dynamik. Anpassung ist gefragt!

    Dies hat die Politik über 4 Jahrzehnte verpasst.

    Jeder Ökonom weiß, dass ein Produkt aus 3 Faktoren besteht. Doch reicht es nicht, wenn man erst in der Halle damit anfängt und den kürzesten Weg zwischen Materialannahme und Versandt will. So zeigt sich auch, dass die Herstellung einer Ware ein lokales Ereignis ist und kein globales. Lediglich Materialeinkauf und Vermarktung haben globale Bedeutung. Die Auslagerung von Arbeitsplätzen ist ein Scheingeschäft, so sie zur Unterbeschäftigung führt mit den Folgen von Zeitarbeit/Arbeitslosigkeit und öffentlichen Zuschüssen bei gleichzeitigem Mangel an Steuereinnahmen und Belastung der Sozialsysteme. Unsere Wirtschaft kommt mit diesen Hemmnissen noch relativ gut zurecht; andere Volkswirtschaften der Eurozone nicht. Sollen wir unseren letzten Gewinn maroden Volkswirtschaften opfern? Nein. Nie und nimmer!
    Es zählt der Wettbewerb, denn nur er macht Menschen kreativ und erzwingt Innovationen. Wesentliche Innovationen, bei denen der Staat gefragt ist, unterbleiben. Den Individualverkehr könnte man mittels der Magnetschwebetechnik revolutionieren. Weshalb macht man keinen Wettbewerb, an dem auch Tuner-Werkstätten teilnehmen können und Gewinner zu Multimillionären macht? Nein, lieber werden der Autoindustrie Milliarden hinterher geworfen mit dem Ergebnis eines batteriebetrieben Autos, das keiner will weil zu teuer.

    Wer Geldwäscher mehr bewundert als Tellerwäscher, zerstört unsere Gesellschaft.

    http://www.bps-niedenstein.de/

  • Was ist daran absurd? Schliesslich ist es noch gar nicht so lange her, dass z. B. Bayern und Brandenburg in einer Währungsunion waren, heute sind es auf Länderebene auch Deutschland und Griechenland. Wenn jeder nur das verbraucht, was er bezahlen kann (ohne Schulden aufzunehmen), ist alles in Ordnung, und da müssen sich alle (!) umstellen.

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