Euro-Krise
Ifo-Chef Sinn attackiert die Europäische Zentralbank

„Die Euro-Krise ist längst nicht überwunden,“ sagt Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Er erwartet, dass die Anpassungen in Südeuropa noch etwa 15 Jahre dauern. Solange müsse der reiche Norden den armen Süden über Wasser halten.
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DüsseldorfDer Chef des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, kritisiert das Zusammenspiel von Europäische Zentralbank (EZB) und Politik bei der Rettung des Euros mit scharfen Worten. „Die Parlamente stehen vor alternativlosen Entscheidungssituationen und werden zu bloßen Erfüllungsgehilfen des EZB-Rates degradiert“, sagte Sinn im Interview mit der Digitalzeitung "Handelsblatt Live" (Dienstagausgabe). Auch die Debatte über die niedrigen Inflationsraten und eine drohende Deflation in Europa hält Sinn für vorgeschoben. „Die EZB sucht nach Rechtfertigungen für eine Politik des billigen Geldes, die den überschuldeten Ländern fiskalisch unter die Arme greift“, sagte Sinn.

Die Argumentation der EZB, dass sie gegen eine zunehmende Fragmentierung der Kreditmärkte, also gegen die stark unterschiedlichen Zinsniveaus vorgehen müsse, hält Sinn für nicht schlüssig. „Die Differenzierung der Zinsen nach der Bonität der Schuldner ist das Lebenselexier der Marktwirtschaft. Wer sich zu stark verschuldet, muss höhere Zinsen zahlen, und begrenzt daraufhin seine Verschuldung. Ohne die „Fragmentierung“ der Kreditmärkte nach der Bonität würde ein jedes marktwirtschaftliches System kollabieren“, so Sinn.

Die Euro-Krise hält der Ifo-Chef für keinesfalls für überwunden: „Die Anpassungsprozesse, die in Südeuropa notwendig sind, werden zehn bis 15 Jahre dauern, wenn sie überhaupt je zum Ziel führen. Solange wird der reiche Norden gezwungen sein, den armen Süden über Wasser zu halten“, sagte Sinn. Seine Prognose: „Wenn wir so weiter machen wie bisher, werden wir einen quälend langsamen Anpassungsprozess erleben, der in einem langfristigen Siechtum und einer Transferunion mündet.“

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  • "„Die Parlamente stehen vor alternativlosen Entscheidungssituationen und werden zu bloßen Erfüllungsgehilfen des EZB-Rates degradiert“, sagte Sinn im Interview mit der Digitalzeitung "Handelsblatt Live" (Dienstagausgabe)"

    So ist es leider! Wo kann man die Petition gegen diesen staatsfeindlichen Terrorismus unterzeichnen?

    @mehrdemokratie
    "Und wer hält uns über Wasser, Herr Sinn?"
    Das kommt darauf an, wo Sie sitzen. Im Ruderboot oder auf den Wasserskiern dahinter.

    Es liegt immer sehr im Interesse dessen, der hinter dem Ruderboot Wasserski laufen möchte und er deshalb diejenigen im Ruderboot zu immer neuen Höchstleistungen motivieren will.

    In Ihrem Kommentar greifen Sie Herrn Schäuble und Frau Merkel kräftig an. Ist Ihnen denn nicht klar, dass die Bürger, wenn sie nicht immer wieder neu eingepeitscht werden, anfangen zu denken und sich ihrer Lage bewusst(er) werden?

    Herr Schäuble hat gestern den Vergleich Hitler/Putin gebracht. Der Vergleich war nicht so schlecht wie es ankam. Die Rede war von ihm lediglich nicht zu Ende gedacht. Dahinter steckte nämlich das Stresssymptom. Man muss die Leute nur beschäftigen, sie im Stress halten. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit bis die Leute im Kopf umschalten und nur noch das machen, was ihnen "alternativlos" vorgeblabbert wird. Die Leute wollen nämlich nicht zugeben, dass sie nichts verstanden haben und verstehen - sie wollen nicht Schuld sein!

    Schauen Sie sich nur die große Zahl der Nichtwähler, schauen Sie sich die große Zustimmung im Bundestag zum ESM an, schauen Sie sich die Urteile des Bundesverfassungsgerichts im Zusammenhang mit dem ESM und der EU an. Alles das gleiche Muster.

    Der Vergleich Hitler/Putin war ansonsten dumm, diente er doch nur dazu ein Feindbild aufzubauen und Putin den berühmten "Schweineschwanz" anzukleben. Das gehört sich nicht.

    Andererseits sei angemerkt, dass weder Hitler noch Putin es sich erlaubt haben dem Volk einen vergleichbaren Vertrag unterzujubeln wie dies der ESM-Vertrag darstellt

  • „Die EZB sucht nach Rechtfertigungen für eine Politik des billigen Geldes, die den überschuldeten Ländern fiskalisch unter die Arme greift“, sagte Sinn."

    Wieder mal billige Polemik gegen den EUR... Sinn sollte eigentlich wissen, dass die Zinsen in allen wichtigen Industrielaendern niedrig sind und eine Massnahme der Zentralbanken, um Investitionen und Wachstum zu foerdern. Die EUR-Zone befand sich 2013 in der Rezession und erholt sich jetzt langsam, langsam wieder. Eine Zinserhoehung wuerde den EUR staerken, den Export und die Wirtschaft schwaechen und nicht nur unseren Nachbarn, sondern auch D schaden - wir sind schliesslich der Schuldenkoenig in Europa...

  • Was heißt hier...der Reiche Norden muss den Armen Süden über Wasser halten....der Reiche Norden muss aufpassen, dass er nicht selbst, durch diese irrsinnige grünsozialistische Ideologie Energiewende (EEG) im schwarzen Gewandt zum wirtschaftlichen und finanzellen-sozialen Sanierungsfall wird.
    ESM und EEG sind Gesetze der Selbstsabotage an der europäischen und deutschen Gesellschaft!
    Die Marktwirtschaft wird mit dem "Masstricher Vertragsbruch" und der "Politisch Diktierten Ethik-Energiewende" durch Merkel, Schäuble und Co. missachtet und mit Füßen getreten. Die Folgen werden Armut, Mangel und Unruhen sein. In Europa und Deutschland!

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