Euro-Krise und ELA-Kredite: Griechenlands letztes Rettungsseil

Euro-Krise und ELA-Kredite
Griechenlands letztes Rettungsseil

Die EZB akzeptiert griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheiten. Nun müssen sich die dortigen Banken mit Notfallkrediten über Wasser halten. Doch das ist keine Dauerlösung.
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DüsseldorfHeute wird es ernst für Griechenland – und das gleich in doppelter Hinsicht. Zum einen erwarten die Euro-Finanzminister auf ihrem Treffen in Brüssel von Griechenland verbindliche Vorschläge zur Überbrückung der Finanzengpässe in den nächsten Monaten. Zum anderen akzeptiert die EZB ab heute keine griechische Staatsanleihen mehr als Sicherheiten für ihre Refinanzierungsgeschäfte. Da die meisten griechischen Banken kaum andere Sicherheiten haben, die den EZB-Anforderungen entsprechen, bekommen sie deshalb auf dem normalen Weg kaum noch Geld von der Zentralbank.

Das ist zum derzeitigen Zeitpunkt besonders schmerzhaft. Denn immer mehr Griechen holen wegen der politischen Unsicherheit ihr Erspartes von der Bank. Im Dezember schmolzen die Einlagen um 5,4 Milliarden zusammen. Im Januar flossen weitere elf Milliarden ab. Kommen die griechischen Banken nun in Liquiditätsprobleme, bleibt ihnen nur noch ein Ausweg: Notfallkredite – die so genannte „Emergency Liquidity Assistance“ (kurz: ELA).

Sie sind das letzte Rettungsseil für den griechischen Finanzsektor, die Zahlungsfähigkeit zu gewährleisten und den Zahlungsverkehr aufrechtzuerhalten. Einen durch Panik verursachten Bank-Run will Griechenland in jedem Fall vermeiden. Doch als Dauerlösung sind ELA-Kredite nicht vorgesehen. „ELA ist nur als kurzfristige Überbrückung gedacht“, sagt EZB-Analyst Michael Schubert von der Commerzbank.

In der Euro-Krise ist das Instrument allerdings auch anders verwendet worden. So beliefen sich zum Beispiel die ELA-Kredite in Irland in den Jahren 2011 und 2012 auf bis zu 50 Milliarden Euro. Sie wurden etwa zwei Jahre lang gewährt, eine Frist die eigentlich nicht mehr kurz ist. Im Dezember hatte die EZB deshalb darüber diskutiert, die Laufzeit der ELA-Hilfen auf maximal sechs Monate zu begrenzen. Einen Beschluss gibt es aber noch nicht.

Grundsätzlich wird ELA von den nationalen Notenbanken auf eigenes Risiko gewährt. Die betroffene Notenbank baut durch ELA Verbindlichkeiten im internen Verrechnungssystem der Euro-Notenbanken (Target) auf. Diese werden dann zu einem Problem, wenn das Land aus dem Euro austritt. Deshalb muss bei ELA-Krediten von mehr als 0,5 Milliarden Euro an eine einzelne Bank der EZB-Rat im Voraus zustimmen, ansonsten im Nachhinein.  

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„Ich bin Finanzminister eines bankrotten Staates“

Kommentare zu " Euro-Krise und ELA-Kredite: Griechenlands letztes Rettungsseil"

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  • @Cole

    Griechenland hat meines Wissens gut 320 MRD aktuelle Schulden - zumeist bei der öffentlichen Hand. Vor einigen Jahren wurden dem Land rd. 100 MRD "private" Schulden erlassen. Hinzu kommen ELA-Kredite, der griechischen Anteil an den Target-Salden usw.....

    "Man lässt Griechenland nicht so gerne gehen..."

    Da stimme ich Ihnen zu. Und bevor die Russen Kriegsschiffe im Hafen von Piräus liegen haben, wird gezahlt werden. Eben weil man die Griechen nicht sogerne gehen sieht... Prognose vom "AfD-Stammtisch"!

    Bin nur mal gespannt, aus welchem Topf diesmal die Kohle fliesst und ob das im Detail überhaupt bekannt gemacht wird...

  • "Traktätchen wie "Wahrheit über...." entsprechen wohl dem Niveau unseres Sascha"

    Ja, das tun sie. Haben Sie das Buch gelesen, oder entspricht es ihrem Niveau über Dinge zu urteilen, die Sie nicht kennen? *g*

  • "Soso...die Wahrheit über die AfD.....die Wahrheit steht in keinen Buch, sondern in den Wahlprogrammen, Werten und Satzungen einer Partei."

    Könnte wirklich ein erhellendes Buch für Sie sein. Dort wird schonungslos mit den Mythen und Narrativen, die die AfD über sich selbst unser Volk bringt aufgeräumt. Und anhand der Quellenangabe und zahlreichen Orginalzitate kann jeder prüfen, ob die AfD wirklich "Professorenpartei" oder "liberal" ist. Außerdem zeigt das Buch Parallelen zu Neurechten Bewegungen auf.

    Wer glaubt, die AfD wäre nicht rechts, sollte mal einen Blick ins Buch werfen.

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