Euro-Krise
Weidmann glaubt nicht an Anleihenkäufe in großem Stil

Bundesbank-Chef Weidmann und sein luxemburgischer EZB-Ratskollege Yves Mersch treten der Spekulation über baldige Anleihekäufe der EZB entgegen. Bis zu einem solchen Schritt sei es noch ein langer Weg.
  • 18

Frankfurt/ LondonDie EZB steht laut führenden Notenbankern nicht kurz vor dem Einsatz unkonventioneller Waffen zur Abwehr einer Deflation. Bundesbankchef Jens Weidmann betonte am Montag in Amsterdam, der im EZB-Rat diskutierte Ankauf von Wertpapieren in großem Stil sei zwar ein Mittel zur Sicherung der Preisstabilität. Doch solle es erst greifen, wenn es zu einer „deutlichen oder besorgniserregenden“ Abweichung von diesem Ziel komme. Sein luxemburgischer EZB-Ratskollege Yves Mersch sieht die Ankäufe derzeit noch als eher theoretische Option. Bis zur Umsetzung solcher Pläne sei „es noch ein langer Weg“, sagte er in London.

Die Äußerungen der Notenbanker folgten auf einen Pressebericht, wonach die EZB einen Wertpapier-Ankauf im großen Stil konkret durchgespielt hat. Nach Informationen der „FAZ“ wurde dafür ein Kaufvolumen von einer Billion Euro veranschlagt, das innerhalb eines Jahres im Kampf gegen eine gefährlich abflauende Inflationsrate eingesetzt würde. Damit könnte die Inflationsrate bestenfalls um 0,8 Prozentpunkte angeheizt werden, hieß es. Sie war zuletzt auf 0,5 Prozent gesunken und ist damit weit niedriger als der EZB lieb sein kann. Die Europäische Zentralbank strebt mittelfristig einen Wert von rund 2,0 Prozent an, damit ein möglichst großer Sicherheitspuffer zur Zone fallender Preise übrig bleibt. Eine deflationäre Spirale aus fallenden Preisen und sinkenden Investitionen kann eine Wirtschaft lähmen. Unmittelbare Deflationsgefahr besteht aus Sicht von EZB-Chef Mario Draghi derzeit jedoch nicht.

Das österreichische Ratsmitglied Ewald Nowotny betonte, es gehe eher darum, „auf alle Eventualitäten“ vorbereitet zu sein. Das heiße nicht, dass „unmittelbare Schritte“ zu erwarten seien. Die EZB verfolge die Entwicklung der Inflationsrate aber genau und sei bereit, notfalls auch unkonventionelle Maßnahmen zu ergreifen. EZB-Vizepräsident Vitor Constancio bekräftigte in Brüssel Draghis Aussage von vergangener Woche, die EZB sei jederzeit in der Lage zu handeln: „Falls nötig, können wir schnell etwas tun“, sagte der Portugiese vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments.

Seite 1:

Weidmann glaubt nicht an Anleihenkäufe in großem Stil

Seite 2:

Mersch will Verbriefungen aus der "Schmuddelecke" holen

Kommentare zu " Euro-Krise: Weidmann glaubt nicht an Anleihenkäufe in großem Stil"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Weidmann der Wendehals entwickelt sich wie Schäuble, gell?

  • Dieser Weidmann und sein Kollege SUPERMARIO sind mit ihrer Politik Schuld an der Überbewertung des EURO, die die Peripheriestaaten stark belastet. (Superarbeitslosigkeit 13%). Der sogenannte "Wirtschaftsaufschwung" ist gut für Investoren und nicht für den arbeitenden Max. Die USA haben ihrerseits mit ihrem "Quantitative easing" eine sustantielle Abminderung der Arbeitslosigkeit erzielt. Weg mit diesen Kerls. Die EU braucht eine andere Geldpolitik.

  • "Weidmann glaubt nicht an Anleihenkäufe in großem Stil"

    Glauben ist eigentlich das Geschäft der Kirche.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%