Euro-Krise
Weidmann stemmt sich gegen weitere Zinssenkung

Jens Weidmann spricht sich gegen eine weitere Lockerung der Geldpolitik in der Euro-Zone aus. Allerdings
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BerlinBundesbankpräsident Jens Weidmann ist nach der jüngsten Zinssenkung gegen rasche weitere geldpolitische Schritte der EZB. „Der Rat der EZB hat doch gerade erst die Geldpolitik weiter gelockert, da halte ich es nicht für sinnvoll, gleich schon die nächste Runde einzuläuten“, sagte das EZB-Ratsmitglied der Wochenzeitung „Die Zeit“. Von ihren Instrumenten her sei die EZB noch nicht am Ende ihrer Möglichkeiten. Es stelle sich jedoch die Frage, ob der Einsatz sinnvoll sei: „Die Debatte über weitere Maßnahmen lenkt doch von den eigentlichen Krisenursachen ab.“

Beobachter diskutieren zurzeit, welche Möglichkeiten der EZB angesichts von Leitzinsen nahe null bleiben. Genannt werden insbesondere negative Zinsen auf Bankeinlagen bei der EZB, die Abschaffung der Mindestreservepflicht oder eine neue Runde langlaufender Notkredite für Geschäftsbanken (LTRO). EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hatte unlängst auch die Option breitangelegter Wertpapierkäufe ins Gespräch gebracht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist im Kampf gegen die Folgen der Schuldenkrise zum Äußersten bereit, wie EZB-Vizechef Vitor Constancio jüngst betonte. Auch den Kauf von Staatsanleihen oder anderen Wertpapieren in großem Stil schloss er nicht aus. Dieses Instrument sei im EZB-Rat bislang nur als Möglichkeit angesprochen, aber nicht detailliert debattiert worden.

Weidmann äußerte Verständnis für die jüngste Zinssenkung der EZB. „In der Tat haben wir es mit sehr moderaten Inflationsaussichten zu tun, und daher ist eine expansive Geldpolitik gerechtfertigt“, sagte er. Es sei vor allem um den Zeitpunkt des Zinsschritts gegangen und nicht um die Entscheidung als solche. Weidmann hatte der Zinssenkung auf ein neues Rekordtief bei 0,25 Prozent nicht zugestimmt. Die EZB begründete die Senkung mit dem schwachen Preisauftrieb im Währungsraum.

Berichte, wonach der Rat der Notenbank gespalten sei, wies Weidmann zurück: „Es ist gut, wenn wir im Rat um die richtige Entscheidung ringen, denn das führt am Ende zu besseren Ergebnissen.“ Kontroverse Debatten gebe es auch bei anderen Notenbanken wie der US-Notenbank Federal Reserve oder der britischen Zentralbank. „Doch darüber wird viel unaufgeregter berichtet.“

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Kommentare zu " Euro-Krise: Weidmann stemmt sich gegen weitere Zinssenkung"

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  • @ Mazi 20.11., 14.35 Was hat die Oeffentlichkeit in der Bundesbank zu suchen? Karl Blessing hatte diese Sucht sich oeffentlich zur Schau zu stellen nie! Die Bundesbank soll doch unabhaengig sein, auch von der oeffentlichen Meinung!!?? Weiss "Otto Normalverbraucher" worum es geht? Ein franz. Minister hat einmal gesagt:"Ein Minister haelts Maul, oder tritt ab". Koennte auch fuer deutsche Bundesbankpraeisdenten gelten. Oeffentlichkeit - lachhaft,

  • Er bindet die Öffentlichkeit ein. Politisch findet er wie sein Vorgänger Weber, oder auch Stark, kein Gehör.

    Weidmann ist einer der wenigen, die ihren Amtseid wörtlich nehmen.

  • Immerhin widerspricht Weidmann Draghi.

    Die EZB ist also zum Äußersten bereit - und wenn das auch nicht hilft?

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