Euro-Länder
Notenbank-Chefs geben Draghi Kontra

Präsident Mario Draghi hatte angekündigt, dass die Europäische Zentralbank Anfang Dezember über weitere Geldspritzen für die Finanzmärkte entscheiden wolle. Doch prominente Notenbanker mahnen zu mehr Zurückhaltung.

FrankfurtIn der Europäischen Zentralbank (EZB) bringen sich die Gegner einer weiteren Öffnung der Geldschleusen in Stellung. Die Notenbank-Chefs Ardo Hansson aus Estland und Bostjan Jazbec aus Slowenien sprachen sich am Freitag gegen eine schnelle Ausweitung des bereits auf über eine Billion Euro angelegten Anleihenkaufprogramms der Währungshüter aus. Die EZB will auf ihrer Ratssitzung am 3. Dezember entscheiden, ob eine weitere Lockerung der Geldpolitik erforderlich ist.

Nach Worten Hanssons kann die EZB noch Monate warten, bevor sie über eine Veränderung der Anleihenkäufe entscheiden muss. „Von dem ausgehend, was ich aktuell weiß, denke ich nicht, dass die EZB handeln sollte“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Einzelhandelsumsätze im Euro-Raum hätten sich kräftig entwickelt, Stimmungsindikatoren seien stark, und die Arbeitslosigkeit sinke. Auch verringerten sich die Kreditkosten für Unternehmen. Ähnlich äußerte sich Jazbec: „Die europäische Wirtschaft zeigt Zeichen der Erholung und ich werde diese Position auf der Dezember-Sitzung präsentieren“, sagte der Slowene.

Bundesbankchef Jens Weidmann hatte wiederholt vor unerwünschten Nebenwirkungen durch die Mega-Geldspritzen der EZB gewarnt. Damit werde die Grenze von Geldpolitik und Fiskalpolitik verwischt, sagte er im September.

Die Währungshüter pumpen seit März mit dem Kauf von Staatsanleihen Woche für Woche Milliarden in das Bankensystem. Damit sollen Investments in Anleihen unattraktiv werden und Banken mehr Kredite vergeben. Das soll dann für mehr Wachstum und Inflation sorgen. Doch im Oktober verharrten die Preise im Währungsraum auf dem Vorjahresniveau, nachdem sie im September sogar gesunken waren.

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet wies darauf hin, dass die Wirtschaft im Euro-Raum immer noch mit den Nachwirkungen der Finanzkrise zu kämpfen habe. „Die Hinterlassenschaft der Vergangenheit belastet sehr stark die Normalisierung des Wirtschaftsumfelds“, sagte Praet in Frankfurt.

Die konjunkturelle Lage sei von Unsicherheit geprägt. Dies müsse die EZB in ihren geldpolitischen Entscheidungen berücksichtigen. Laut Prognosen werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Euro-Zone erst wieder im Auftaktquartal 2016 das Niveau des ersten Quartals 2008 erreichen, sagte der Ökonom.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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