Euro reagiert mit Kursprung
Fed bereitet den Abschied vom Niedrigzins vor

Geduld ist das Zauberwort der Geldpolitik. Die Fed hat es bei der Formulierung ihrer Ziele gestrichen. Doch der Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik wird nicht übereilt. Der Eurokurs reagierte massiv auf die Ansage.
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WashingtonDie US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bewegt sich weiter auf ihre erste Leitzinserhöhung seit rund neun Jahren zu. Sie strich in ihrer geldpolitischen Mitteilung am Mittwoch den bisher genutzten Passus, bei der geplanten Normalisierung der Geldpolitik „geduldig“ zu sein. Man wolle nicht ausschließen, dass eine Anhebung in einer der nächsten Sitzungen möglich sei, sagte Fed-Chefin Janet Yellen.

Allerdings sei es wegen der niedrigen Inflation und einer leicht abgekühlten Konjunktur unwahrscheinlich, dass der Leitzins schon bei ihrem nächsten Treffen im April angehoben werde, teilten die Notenbanker in Washington mit. Damit dürfte er mindestens bis zum Juni auf dem Allzeit-Tief zwischen null und 0,25 Prozent bleiben, wo er seit der schweren Finanzkrise 2008 liegt.

Höchster Eurostand seit zwei Wochen

Analysten rechneten schon lange mit einer Zinserhöhung Mitte dieses Jahres. Manche halten aber auch einen späteren Zeitpunkt für möglich. Im Gegensatz zu den meisten anderen mächtigen Notenbanken hat die Fed die Märkte bereits auf eine Zinswende nach oben eingestimmt.

Der Eurokurs reagierte massiv positiv auf die Aussagen der Fed-Präsidentin. Der Kurs der Gemeinschaftswährung stieg im Verlauf bis auf 1,1034 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit zwei Wochen. Zuletzt wurde der Euro bei 1,0905 Dollar gehandelt. Gegen Mittag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs noch auf 1,0592 (Dienstag: 1,0635) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9441 (0,9403) Euro.

Der sogenannte Offenmarktausschuss der Fed äußerte sich nach einer zweitägigen Sitzung in der schriftlichen Mitteilung betont vorsichtig. Die Streichung des Wortes „Geduld“ bedeute nicht, dass eine Entscheidung über den Zeitpunkt einer Zinserhöhung gefallen sei, sagte Yellen. Es „bedeutet nicht, dass wir ungeduldig sein werden“.

Zuvor müsse sich der US-Arbeitsmarkt weiter erholen und Zuversicht bestehen, dass die Inflationsrate sich dem Fed-Zielwert von 2,0 Prozent annähere. Zwar liege die Erwerbslosenquote mit 5,5 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit fast sieben Jahren und dürfte weiter fallen. Aber das Lohnwachstum sei noch nicht befriedigend. Und die Inflationsrate lag zuletzt sogar nur bei minus 0,1 Prozent.

Der starke Dollar dürfte sie noch länger drücken, meinte Yellen. „Unsere Politik hängt von den Daten ab, und wir müssen auf einlaufende Daten reagieren. Natürlich können wir keine Gewissheit bieten.“

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  • Blicken wir auf den Haushalt der USA: Die Marke von 18.000 Milliarden Dollar ist gerissen. Bis Mai 2017 liegt auch die Marke von 19.000 hinter uns. Darauf soll der Staat dann 4 Prozent Zinsen oder 760 Mrd. Dollar im Jahr zahlen?
    Ohne Zinserhöhung kann die Fed ihre Staatsanleihen und Immobilienpapiere nicht wieder verkaufen, die sie mit Aufkaufprogrammen dem Markt zur Zinssenkung entzogen hat. Der reine Zins spielt dabei keine Rolle, weil die Zinsdifferenz über die Nachfrage nach diesen Fedpapieren entscheidet. Diese Zinsdifferenz wird erst über eins relevant. Die Fed könnte ihre Papiere erst Ende 2016 auf den Markt werfen. Noch vor der Wahl? Wohl kaum, oder doch?
    Die Computerprogramme errechnen in sekundenschnelle, welche Wirkung ein Viertel Prozent Zinssteigerung auslöst. Von Medien braucht man diese Nachricht nicht erwarten. Derzeit werden die Erwartungen an eine Zinserhöhung ins fast Unerträgliche gesteigert. Wenn die Zinserhöhung wirklich kommt, ist die Luft schon raus aus dem Ballon. Alles eingepreist. Die Resultate der Schätzungen liegen bereits auf der Hand. Werden wieder alle überrascht sein oder nur so tun?

  • Das Spiel ist einfach nur noch absolut lächerlich.
    NIE, NIE, NIE mehr wird die Fed die Leitzinsen in signifikantem Maße erhöhen können.
    NIE, NIE, NIE mehr wird sie auch damit aufhören können, die US-Treasuries im großen Stil selber aufzukaufen.
    Erhöht sie die Leitzinsen stark, fliegt eine Multibillionen-USD-Derivatebombe in die Luft, und kauft sie keine T-Bonds mehr auf, sind die USA schon am nächsten Tag pleite.
    Die Märkte, insbesondere die Bond-Märkte, sollen weiter schön hingehalten und eingelullt werden - der "Day of Judgement" - wenn nämlich die ganze Welt realisiert, dass die Zentralbanken ihr Pulver restlos verschossen haben und das Schuldgeldsystem endlich wohlverdient das Zeitliche segnet, soll so lange es geht in die Zukunft verschoben werden. Nur wird es dadurch nicht besser, sondern letztendlich noch viel schlimmer.
    Ich bin nicht am schnellen Geld interessiert, sonst hätte ich für heute nämlich mit einem Call auf den Dow Jones gewettet, weil es so sicher wie das Amen in der Kirche war, das die Prime Rate nicht erhöht werden wird - außer man wäre bei der Fed auf kollektivem Selbstvernichtungs-Trip.

  • Ist klar, man muss den amerikanischen Anlegern genügend Zeit lassen, DAX Gewinne auf diesen hohen Niveau mitzunehmen. Was will man nur den deutschen Anlegern erzählen, wenn sie wieder einmal den richtigen Zeitpunkt versäumt haben.

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