Euro-Rettung
Am Ende zahlt der Sparer

Bei Zyperns Rettung wurden erstmals die Sparer geschröpft. Dieser Fall könnte Schule machen. Denn wenn es darum geht, die Bürger an der Euro-Rettung zu beteiligen, sind noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.
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DüsseldorfWenn Zypern eines lehrt, dann das: In der Euro-Krise ist alles möglich. Der Staat kennt viele Wege, um an Geld zu kommen, und die Bürger an der Entschuldung zu beteiligen – manche sind schon in Vergessenheit geraten, andere erscheinen noch abwegig, und wieder andere sind längst im Einsatz.

„Im Grunde ist der Unterschied zwischen den Sparern in Zypern einerseits und denen in den USA oder Deutschland gar nicht so groß“, sagt Saumil Parikh, Mitglied des Investmentkomitee von Pimco, einem der größten Investoren der Welt. In dem einen Fall geschieht die Enteignung auf einen Schlag, im anderen schleichend.

Am Ende ist das Ergebnis dasselbe: Diejenigen, die Geld haben, werden zur Kasse gebeten, zugunsten derjenigen, die Schulden haben – ein Transfer vom Sparer hin zu Staaten und Banken.

Was auf Zypern passiert, wäre bis vor kurzem in Europa kaum vorstellbar gewesen. Bei allen vorherigen Rettungsaktionen blieben die Guthaben von Bankkunden unangetastet. Bei Zypern ist das erstmals anders: Bankkunden der beiden größten zyprischen Banken, die mehr als 100.000 Euro auf dem Konto haben, müssen eine Zwangsabgabe leisten; wie viel genau, steht noch nicht fest, wahrscheinlich sind mindestens 40 Prozent aller Einlagen über 100.000 Euro verloren.

Damit die Zyprer ihr Geld nicht reihenweise ins Ausland schaffen, wurde außerdem der freie Kapitalverkehr eingeschränkt. Die Zyprer können nur wenige Hundert Euro pro Tag abheben. Überweisungen ins Ausland sind nur sehr eingeschränkt möglich. Darüber hinaus dürfen Termin- und Festgelder nur noch in ganz bestimmten Fällen aufgelöst werden. Ein weiterer Tabubruch.

Jeroen Dijsselbloem, Chef der Eurogruppe, erklärte in einem Interview, Zypern könne ein Modell für andere Länder sein. Damit sprach er aus, was sowieso schon längst beschlossene Sache ist. Die EU-Regierungen hatten sich im vergangenen Jahr darauf geeinigt, dass bei Rettungsaktionen für Staaten auch eine Abwicklung maroder Banken möglich sein soll, an der auch die Kunden beteiligt werden können. Die Grenzen zwischen Aktionären, Gläubigern und Sparern, sie sind längst aufgehoben.

Dijsselbloems Aussagen sorgten an den Finanzmärkten für Unbehagen, noch größer war die Empörung in der politischen Klasse. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble rügte seinen niederländischen Kollegen öffentlich. Einerseits war Dijsselbloem nur ehrlich, andererseits hatte er damit wohl schon zu viel verraten. Er nahm seine Äußerung zurück und schloss sich der offiziellen Sprachregelung an: Zypern sei doch ein Einzelfall.

Das Modell Zypern lässt sich zwar nicht eins zu eins auf andere Volkswirtschaften übertragen. Dazu ist die Insel mit ihrem aufgeblähten Bankensystem und vielen Steuerflüchtlingen in mancher Hinsicht ein Sonderfall. Aber als Testfall ist Zypern aufschlussreich, weil es zeigt, wie einfallsreich die Euro-Retter vorgehen.

Europa wird seine Schuldenkrise nur dann in den Griff bekommen, wenn die Bürger an der Entschuldung beteiligt werden. Eine Zwangsabgabe müssen die Deutschen nicht fürchten, erst einmal nicht. Dass die Menschen in langen Schlangen vor den Banken stehen, um an ihr Geld zu kommen, erscheint ebenso unwahrscheinlich. Das heißt aber nicht, dass deutsche Sparer ungeschoren davonkommen. Sie müssen sich auf Steuern, Verbote und nicht zuletzt auf höhere Inflation einstellen.

Der Geldmanager von Pimco, Saumil Parikh, ist sich sicher: „Letztlich zahlen Sparer und Anleger den Preis für die Exzesse früherer Jahre in den Banken und der Politik.“

Kommentare zu " Euro-Rettung: Am Ende zahlt der Sparer"

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  • nicht umsonst hat Schäuble mit Rompuy beschlossen, dass der d Sparer mit einer 30%igen Zwangsabgabe belsatet werden darf. die Gesetze dazu hat die FDP schon schreiben lassen.

  • Sie behaupten, dass in Ländern wie den USA, Frankreich oder den Niederlanden eine viel(!) höhere Erbschaftsteuer erhoben wird als in Deutschland. Das ist entweder schlecht bis gar nicht recherchiert oder eine dreiste Lüge.

    USA: Die meisten Staaten erheben keine beziehungsweise eine sehr geringe Erbschaftsteuer. Vor der jetzigen Regelung galten Freibeträge bis zu 3,5 Millionen US-Dollar. Nun sollen Erbschafts- und Schenkungssteuer eigentlich auslaufen.

    Frankreich: Ehegatten werden hier im Gegensatz zu Deutschland überhaupt nicht besteuert. Die restlichen Steuersätze fangen teilweise bereits bei 5% an.

    Niederlande: Hier sind die Steuersätze (10-20%) insgesamt niedriger als hierzulande.

    Hinzu kommt, dass Sie vollkommen außer Acht lassen, dass die meisten Länder um uns herum gar keine bis sehr geringe Steuern erheben. Griechenland und Italien beispielsweise nur 1% auf Immobilien. Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Tschechien, ja, sogar unser geliebtes Zypern erheben für Ehegatten, Kinder und einige sogar für Nicht-Verwandte ÜBERHAUPT keine Erbschaftsteuer.

    Warum verschweigen Sie solche offensichtlichen Tatsachen? Ist das noch Schludrigkeit oder bereits der Versuch, die öffentliche Meinung zu beeinflussen?

  • G.N.: glauben Sie wirklich, daß Sie viel zusammenkriegen mit einer Reichensteuer? Das Privatvermögen ist in Deutschland aber nicht breit gestreut, es gehört mehrheitlich einer kleinen Schicht von Superreichen und soll, wie man sich anläßlich der letzten Steuerreform 2009 „offen“ zuflüsterte, bereits dem europäischen Fiskus entzogen sein. „Deutsche sparen anders, ein Teil ihrer Ersparnisse liegt in (noch sicheren?) Sozialversicherungsansprüchen“, so in FAZ vom 23.03.2013: „Vermögensvergleich - Arme Deutsche“ über einen statistischen Vergleich der Bundesbank. Und der Staat (also Bund, Länder und Gemeinden) haben bisher nicht 2,5 Bio. Euro, sondern 7,5 Bio. Euro Schulden angehäuft, davon 5,0 Bio. Euro als Ansprüche der Sozialkassen für Pensionen, Renten, Krankheit, Pflege etc. Die kann der Finanzminister nicht aus laufenden Einnahmen zahlen, weil der Generationenvertrag längst nicht mehr stimmt, sondern nur aus zusätzlicher Nettokreditaufnahme. Er kann sie aber auch streichen, z.B. durch weitere Pensions-und Rentenkürzungen, und er hat ja damit bereits begonnen und schielt aktuell für seinen Plan eines schuldenfreien Haushalts auf die durch die GKV den Mitgliedern abgepressten 18 Mrd. Euro Rücklagen: Das heisst: Diese von Ihnen genannten Vermögen müssen gar nicht besteuert werden; es reicht vollkommen, sie einfach zu streichen.

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