Europa vs. USA

Uncle Sam macht's vor

Bankenrettung, Stresstests, Geldschwemme: Die USA sind ihre wirtschaftlichen Probleme pragmatisch angegangen. Bisher funktioniert das zumindest auf dem Papier besser als in Europa. Was der alte Kontinent lernen kann.
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Erfolgreicher gegen die Krise: Die US-Wirtschaft hat sich viel schneller berappelt. Quelle: Getty Images

Erfolgreicher gegen die Krise: Die US-Wirtschaft hat sich viel schneller berappelt.

(Foto: Getty Images)

FrankfurtIn der Wirtschaftspolitik halten es die Amerikaner meist mit dem britischen Ökonomen John Maynard Keynes. Seine Devise lautete: „Wenn die Fakten sich ändern, ändere ich meine Meinung.”  Dazu passt, dass der frühere amerikanische Finanzminister Hank Paulson kurz nach Ausbruch der Finanzkrise die Chefs der größten Banken zusammenrief und ihnen in ein paar Worten mitteilte, dass der Staat ihnen Kapital aufzwingen werde.

Insgesamt 250 Milliarden Dollar pumpte die Regierung in die großen Wall-Street-Institute wie Goldman Sachs. Deren Chefs guckten verdutzt, als sie ein Papier unterschreiben mussten, dass die Teilverstaatlichung ihrer Institute besiegelte.

Für die durch und durch kapitalistisch geprägten Amerikaner war das eine Revolution innerhalb weniger Wochen. Den Europäern ist solcher Pragmatismus fremd.

Seit Ausbruch der Finanzkrise haben sie ihre Probleme bei den Banken nicht in den Griff bekommen. Große Hoffnungen setzt die EZB nun in einen umfangreichen Bilanzcheck. Sechs Jahre nach der Lehman-Pleite erhofft sie sich davon einen Befreiungsschlag für die lahmende Wirtschaft im Euroraum. Doch viele Ökonomen sind skeptisch. Die Bankenrettung ist nur ein Beispiel für die zögerliche Haltung der Europäer: Auch bei der Geld- und Fiskalpolitik sind sie längst nicht so entschlossen wie die Amerikaner.

Diese Zurückhaltung hat ihren Preis. Im Gegensatz zu den USA ist die Wirtschaft in der Eurozone nach der Krise nicht auf die Beine gekommen. Der Internationale Währungsfonds geht davon aus, dass die US-Wirtschaft dieses Jahr um 2,2 Prozent wächst und 2015 um mehr als drei Prozent.

Zum Vergleich: Für die Eurozone geht er im gleichen Zeitraum von einem Plus von 0,8 beziehungsweise 1,3 Prozent aus. Die Zahlen sprechen zumindest dafür, dass die Amerikaner mehr richtig gemacht haben als die Europäer.

Beispiel Bankenrettung

Besonders markant sind die Differenzen bei der Bankenrettung. „Im Unterschied zur Eurozone haben die USA in der Finanzkrise sofort viel Geld für die Banken bereitgestellt“, sagt Christian Schulz, EZB-Experte bei der Berenberg Bank. Daher hätten sie ihre Banken einem harten Stresstest unterziehen können. Europa hingegen hat auf eine zwangsweise Rekapitalisierung der Banken verzichtet.  Dadurch bestand bei einem harten Stresstest die Gefahr, dass einzelne Euro-Länder ihre Banken nicht hätten stützen können. Es gab zwar auch in Europa Stresstests, doch sie waren zu lasch. Manche geprüfte Bank geriet kurze Zeit später in Schwierigkeiten. „Man braucht erst ein Auffangnetz, dann kann man testen“, sagt Schulz.

 

Doch die Europäer vertrauten zu lange auf die Selbstheilungskräfte des Marktes. Die Banken würden schon von sich aus genug Kapital aufnehmen, lautete die Devise. Aus Sicht von Dorothea Schäfer war diese Annahme ein Fehler. „Wenn die Banken mehr Eigenkapital brauchten, war ihr erster Reflex immer, dass sie die Risikomodelle angepasst haben“, sagt die Leiterin des Forschungsbereichs Finanzmärkte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

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