Europäische Zentralbank

Deutsche EZB-Direktorin verbittet sich Kritik an der Geldpolitik

Sabine Lautenschläger kann die Kritik an der Währungsbehörde nicht verstehen. Nach Meinung der deutschen EZB-Direktorin müsse vielmehr die Politik ihre Anstrengungen um die Währungsunion erhöhen.
Die deutsche EZB-Direktorin kann die Kritik aus Deutschland an der Nullzinspolitik nicht verstehen. Eine vollendete europäische Währungsunion sei ein lohnenswertes Projekt. Quelle: dpa
Sabine Lautenschläger

Die deutsche EZB-Direktorin kann die Kritik aus Deutschland an der Nullzinspolitik nicht verstehen. Eine vollendete europäische Währungsunion sei ein lohnenswertes Projekt.

(Foto: dpa)

BerlinEZB-Direktorin Sabine Lautenschläger hat die Europäische Zentralbank gegen Kritik an deren Nullzinspolitik verteidigt. Mit Blick auf mangelnden Reformeifer in manchen Staaten der Währungsunion sagte sie am Montag in Luzern, strukturelle Probleme im Euro-Raum hemmten die Wirksamkeit der Geldpolitik. „Vor diesem Hintergrund erscheint es mir recht befremdlich, dass gerade die Politik nun die Europäische Zentralbank kritisiert“, fügte die deutsche Währungshüterin hinzu. Das gefährde die Unabhängigkeit der EZB und koste Vertrauen.

Sie wünsche sich eine Politik, die den Wählern eine vollendete europäische Währungsunion als lohnenswertes Projekt vermittle. „Wenn Idee und Wirklichkeit des Euro wieder in Einklang stehen, dann werden europakritische Stimmen nur sehr wenige Zuhörer finden. Davon bin ich überzeugt“, sagte Lautenschläger.

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
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Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
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Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
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Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
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Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
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Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äußerte jüngst die Sorge, die EZB könne euro-skeptische Bestrebungen befördern. EZB-Präsident Mario Draghi wurde zudem in den vergangenen Wochen in Deutschland wegen der ultra-lockeren Geldpolitik der Notenbank scharf kritisiert. Sparkassen und Banken in Deutschland beklagen seit langem, dass ihnen Erträge aus dem Zinsgeschäft wegbrechen. Mehrere Unionspolitiker haben die Bundesregierung aufgefordert, auf eine Änderung der Geldpolitik zu dringen. Nach der harschen Kritik am obersten Währungshüter hat der Europa-Ausschuss des Bundestages Draghi zu einem Gespräch eingeladen. Ein Termin nach der Sommerpause gilt als wahrscheinlich.

  • rtr
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