Europäische Zentralbank
Draghi weist Kritiker in die Schranken

Auf der Pressekonferenz hat EZB-Chef Draghi Kritik an seinem Kurs zurückgewiesen. Er hob den Erfolg der jüngsten Geldspritze für die Banken hervor und leistete sich einen Seitenhieb gegen Bundesbank-Chef Weidmann.
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Frankfurt/BerlinEZB-Chef Mario Draghi hat deutsche Kritik an einer zu laxen Geldpolitik zurückgewiesen und vorerst keine weitere Zinssenkung in Aussicht gestellt. Die jüngsten Kreditlinien für die Banken im Umfang von mehr als einer Billion Euro seien „fraglos ein Erfolg“, sagte Draghi am Donnerstag nach der EZB-Ratssitzung, auf der die Notenbanker den Zinssatz auf dem historisch niedrigen Niveau von 1,0 Prozent beließen.

Zugleich sagte der Italiener mit einem Seitenhieb auf Bundesbankpräsident Jens Weidmann: „Wir sind alle Hüter der Stabilität. Es gibt nicht nur einen bestimmten Hüter. Wir sitzen alle im gleichen Boot und ich denke, es gibt nichts zu gewinnen, wenn man öffentlich außerhalb des EZB-Rats kämpft oder diskutiert.“ Weidmann hat in einem jüngst bekannt gewordenen Brandbrief an Draghi vor finanziellen Risiken durch die laxe Geldvergabe gewarnt.

Auf der Ratssitzung war die Änderung des Leitzinses laut Draghi kein Thema. Dies dürfte nach Ansicht der meisten Experten auch bis weit in 2013 hinein so bleiben. Denn die EZB erwartet, dass die Inflationsrate 2012 höher liegen wird als ihr lieb sein kann und sie daher keinen Spielraum mehr für eine Senkung haben dürfte. „Die Aussagen von Herrn Draghi unterstützen unsere Annahmen, dass die EZB auf Sicht fährt und in der nächsten Zeit nicht an der Zinsschraube drehen wird.

Darauf lassen auch die Kommentare zur Inflation schließen“, sagte Helaba-Ökonom Ralf Umlauf. Laut dem EZB-Chef wird die Inflationsrate noch einige Monate über zwei Prozent liegen, bevor die Zielmarke von knapp
zwei Prozent wieder in Sicht kommt.

Mit Blick auf die Milliardentender der EZB hatten Kritiker auch vor steigenden Inflationsrisiken durch die Geldflut gewarnt, die Blasen an den Rohstoff- und Immobilienmärkten begünstigen könnten. Im Führungsgremium der EZB hatte sich zuletzt wegen der gelockerten Geldvergabe-Bedingungen der EZB ein Richtungsstreit abgezeichnet: Bundesbankchef Weidmann dringt insbesondere auf eine Verschärfung der Anforderungen für die Sicherheiten, die Banken für das ultragünstige Zentralbankgeld bieten müssen.

Die EZB hat den Banken seit Dezember mit zwei langfristigen Kreditlinien mehr als eine Billion Euro zum Leitzins zukommen lassen. Allein beim letzen Tender dieser Art waren rund 530 Milliarden Euro abgerufen worden. 460 der 800 Banken, die sich mit Geld eingedeckt hatten, kamen laut Draghi aus Deutschland. Allerdings stehen die deutschen Häuser dabei Medienberichten zufolge für nicht einmal zehn Prozent der abgerufenen Summe. Den Löwenanteil hatten die Institute aus den klammen Süd-Ländern der Euro-Zone in Anspruch genommen.

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  • Den einzigen vernünftigen Kommentar unter den restlichen 34 "Blabla-Kommentaren" hat "Arminius" verfasst. Draghi ist Pragmatiker und hat in der kurzen Zeit, die er im Amt ist, bewundernswerten Mut und Entschlossenheit gezeigt. Im Gegensatz zum Zauderer Trichet. D-Mark? Nöö, will ich nicht mehr!

  • Wohl wahr, wohl wahr.

  • Genau richtig erkannt. Das ist der große Plan, ob wir wollen oder nicht. Und solche Schranzen wie Draghi und Merkel, Schäuble und, und, und, sind die willfährigen Handlanger. Wenn man genau hinschaut, sind alle Politischen, wirtschaftlichen und weltumspannenden Kader mittlerweile so mit Bilderbergern, Atlantikern, Trilateralen, und sonst welchen Ablegern der Bilderberger durchsetzt, dass wir uns dagegen nicht mehr wehren können. Die Menschen, deren Gedanken und Horizont noch nicht so mainstreamig manipuliert ist haben schon länger erkannt, was da vor sich geht, wurden aber immer als dumme Verschwörungstheoretiker abgeklatscht. Und jetzt kommt es ganz dicke, jetzt brauchen sie sich nicht einmal mehr zu verstecken. Die Grundpfeiler sind gesetzt, jetzt gibt es kein zurück mehr. Die nächste Station ist das Abnicken des ESM Vertrages und die damit verbundene Aufgabe unserer Finanzhoheit. Ob verfassungskonform oder nicht, das wir sich schon richten lassen. Damit haben die Goldman Technokraten einen Fuß in der Tür den wir nicht wieder heraus bekommen. Und Herr Draghis Auftrag ist nicht beruhigende Finanzpolitik zu fahren, sondern das Feuer zu schüren. Den von dem Geld was auf die Märkte schwemmt kommt in der Realwirtschaft nichts an, es saniert nur marode Tochterunternehmen der Großbanken. Wenn wir noch handeln wollen, dann müssen wir den EMS-Vertrag verhindern. Doch bei dieser Konstellation, und Unwissenheit im Deutschen Bundestag sehe ich da Schwarz.

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