Europäische Zentralbank
EZB will Anleihekäufe notfalls ausweiten

Die Europäische Zentralbank (EZB) erwägt, ihr riesiges Anleihen-Kaufprogramm notfalls auszuweiten und zeitlich zu strecken. Auch hat sie sowohl ihre Inflations- als auch ihre Wachstumsprognose für Europa gesenkt.

Europas Währungshüter wollen im Kampf gegen die niedrige Inflation notfalls nachlegen. „Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Das im März begonnene Programm zum Kauf von Staatsanleihen und anderen Vermögenswerten könne notfalls im Umfang ausgedehnt oder zeitlich gestreckt werden.

Bisher will die Europäische Zentralbank bis mindestens September 2016 monatlich Papiere im Wert von 60 Milliarden Euro kaufen. Bis zum 28. August hat die EZB in diesem Rahmen allein Staatsanleihen im Gesamtvolumen von rund 289,5 Milliarden Euro erworben.

Eine sofortige Lockerung der EZB-Geldpolitik über das Anleihenkaufprogramm ist laut Notenbank-Chef Mario Draghi aber derzeit kein Thema. Keines der Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) habe sich am Donnerstag für eine unmittelbare Ausweitung des Programms ausgesprochen, sagte der EZB-Präsident nach der Ratssitzung in Frankfurt.

Mit dem Programm sollen Banken dazu gebracht werden, statt in Anleihen zu investieren mehr Kredite an Unternehmen und Haushalte zu vergeben. Durch die Käufe sollen die Bondrenditen sinken, wodurch die Titel als Investment weniger attraktiv werden. Wenn mehr Darlehen vergeben werden, schiebt das die Wirtschaft an und sorgt für mehr Preisauftrieb. Ungeachtet der Käufe blieb aber bislang der große Inflationsschub aus. Im August wie schon im Juli lag die Teuerung in der Euro-Zone nur bei 0,2 Prozent und damit deutlich vom EZB-Ziel von knapp unter zwei Prozent entfernt.

Der Kurs der lockeren Geldpolitik wird auch auf der Zinsseite fortgeführt. Kurz vor der Pressekonferenz gab die Notenbank bekannt, die Zinsen in der Eurozone extrem niedrig zu belassen. Wie erwartet beschloss der EZB-Rat, den Leitzins bei 0,05 Prozent zu belassen. Auch die beiden anderen Zinssätze beließ die EZB dem Sprecher zufolge auf ihrem bisherigen Niveau. Kreditinstitute, die ihr Geld lieber kurzfristig bei der Notenbank parken, anstatt es an Unternehmen zu verleihen, müssen weiterhin einen Strafzins von 0,2 Prozent bezahlen. Der dritte Zinssatz für kurzfristige Finanzspritzen oder auch Übernachtkredite von der Zentralbank bleibt bei 0,3 Prozent.

Seit März versuchen die Währungshüter, die Konjunktur und den Preisauftrieb zusätzlich mit einem gewaltigen Kaufprogramm anzuschieben: Monatlich 60 Milliarden Euro sollen in Staatsanleihen und andere Vermögenswerte investiert werden, insgesamt 1,1 Billionen Euro bis September 2016. Bis zum 28. August hat die EZB in diesem Rahmen allein Staatsanleihen im Gesamtvolumen von rund 289,5 Milliarden Euro erworben.

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