Europäische Zentralbank
Geldspritzen wirken positiv auf Kreditvergabe

Europäische Banken vergeben wieder mehr Kredite. Haupttreiber für die Entwicklung war jedoch nicht das Anleihen-Kaufprogramm der Europäischen Zentralbank, sondern der zunehmende Wettbewerb unter den Banken.

Frankfurt/BerlinDie Geldspritzen der EZB und der Wettbewerb unter den Banken beleben die Kreditvergabe in der Euro-Zone zusehends. Die Finanzinstitute haben in den Monaten Juli bis September die Zügel bei der Vergabe von Darlehen weiter gelockert, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Kreditbericht der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht. In Italien hätten sich die Konditionen für Firmen verbessert, in Deutschland, Spanien und in den Niederlanden seien sie dagegen gleichgeblieben.

„Der Wettbewerb war der Haupttreiber für die Lockerung der Kreditstandards für Darlehen an Unternehmen seitens der Banken“, heißt es in dem Bericht. Aber auch das im März aufgelegte Anleihen-Kaufprogramm der Währungshüter verschaffte den Banken mehr Spielraum im Kreditgeschäft, wie die Umfrage belegt: Sie nutzten demnach wie gewünscht die zusätzliche Liquidität aus dem Programm, um verstärkt Darlehen an Firmen zu vergeben.

Die EZB hat in ihrem vierteljährlichen Bericht 141 Geldinstitute aus dem Währungsraum von Mitte bis Ende September befragt. Für das laufende vierte Quartal wird demnach mit einer Fortsetzung des positiven Trends gerechnet. Zudem werde ein erheblicher Anstieg bei der Nachfrage nach Firmenkrediten erwartet.

Diese Botschaft dämpfte kurz vor der am Donnerstag anstehenden EZB-Zinssitzung an den Märkten Spekulationen, dass die Frankfurter Währungshüter schon bald an ihrem Kaufprogramm etwas ändern könnten. EZB-Präsident Mario Draghi will die Banken mit der Geldschwemme dazu bringen, mehr Kredite zu vergeben statt in Bonds zu investieren.

Durch die Käufe sollen die Anleihe-Renditen sinken, womit Investitionen in diese Papiere an Reiz verlieren. Vergeben Geldinstitute stattdessen mehr Darlehen an die Wirtschaft, wird die Konjunktur gestützt, was auch den Preisen Auftrieb geben soll. Zuletzt war der Effekt auf die Inflation allerdings mau. Die Preise fielen im September sogar um 0,1 Prozent. Damit ist die EZB weit weg von ihrem Ziel einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent, die als ideal für die Wirtschaftsentwicklung gilt.

Spaniens Notenbankchef Luis Maria Linde nannte die jüngste Entwicklung „besorgniserregend“ und brachte in Madrid verstärkte Geldspritzen der EZB ins Gespräch. Die Zentralbank hat ihr Anleihen-Kaufprogramm im März gestartet. Es soll bis mindestens September 2016 laufen und ist einschließlich anderer Wertpapierkäufe 1,14 Billionen Euro schwer.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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