Europäische Zentralbank
„Hu-Hu-Hubschraubereinsatz“

Bislang galt Helikopter-Geld als akademische Spielerei. Doch EZB-Chef Mario Draghi nennt es ein „sehr interessantes Konzept“ und der EZB-Chefökonom hält es für ein mögliches Werkzeug. Kommt der EZB-Scheck für jedermann?
  • 29

FrankfurtEs ist ein Schlachtruf, der sonst über Fußballfelder schallt: „Hu-Hu-Hubschraubereinsatz“ skandieren Fans ironisch, wenn sich ein Spieler der gegnerischen Mannschaft mit gespielter Theatralik auf dem Feld wälzt. Mittlerweile erreicht der Ruf andere Sphären.

Manche Ökonomen richten die Forderung an Mario Draghi, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank. Die Notenbank solle „Helikopter-Geld“ einsetzen – also im Prinzip gleichmäßig Geld über den Euro-Staaten abwerfen, so den Konsum ankurbeln und die Inflation wieder in die Nähe des Zielwerts von mittelfristig knapp unter zwei Prozent bewegen. Zuletzt betrug die Preissteigerung in der Euro-Zone minus 0,2 Prozent.

Am Donnerstag vergangener Woche hatte sich Draghi auf Nachfrage eine Überraschung entlocken lassen. Ob zu den Instrumenten der EZB auch Helikopter-Geld gehöre, wird Draghi am Ende der Pressekonferenz gefragt. Seine Antwort:  „Das ist ein sehr interessantes Konzept, das jetzt von Wirtschaftswissenschaftlern diskutiert wird.“ Es sei allerdings mit rechtlichen und buchhalterischen Komplexitäten verbunden. Ein klares Dementi war das nicht.

Bislang geht Draghi nicht so weit. Der Italiener hatte angespannt und konzentriert gewirkt als er am vergangenen Donnerstag die Ergebnisse der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank vortrug. Der Notenbankchef hatte einige Überraschungen parat. Er stellte ein ganzes Bündel von Maßnahmen vor, das weiter geht, als Experten im Vorfeld erwartet hatten: Höhere Strafzinsen für Banken, der Leitzins auf null Prozent gesenkt, das umstrittene Anleihekaufprogramm um Hunderte Milliarden Euro ausgeweitet.

Doch das Problem der EZB: Mit ihren Mitteln stößt sie zunehmend an Grenzen. Der Leitzins ist jetzt bei 0,0 Prozent, der Einlagenzins für Banken sogar bei minus 0,4 Prozent und selbst die langfristigen Zinsen für Anleihen sind so niedrig, dass es nur noch wenig Spielraum nach unten gibt. Mario Draghi gehen die Alternativen aus. So kommt nun der Vorschlag vom Hubschraubereinsatz auf den Tisch, der lange allein als akademische Spielereien galt.

In einem Interview mit der italienischen Zeitung „La Republica“ hat sich EZB-Chefvolkswirt Peter Praet dazu geäußert. Die aktuellen Mittel seien ausreichend und es sei nicht angemessen, über weitere Schritte zu diskutieren. Doch er bekräftigte auch, dass der Werkzeugkasten der Notenbank noch nicht leer sei. „Wir sagen: Das ist nicht wahr“, so Praet.

Alle Zentralbanken verfügten über das Werkzeug, Währung auszugeben und an Menschen zu verteilen. „Das ist Helikopter-Geld“, so Praet. Doch es handele sich um ein extremes Mittel und es sei eine Frage, wann und ob überhaupt es angemessen sei.

Seite 1:

„Hu-Hu-Hubschraubereinsatz“

Seite 2:

Verschiedene Varianten denkbar

Kommentare zu " Europäische Zentralbank: „Hu-Hu-Hubschraubereinsatz“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Was soll der Quatsch?

    Jedem Bürger Geld von der EZB sufs Konto überweisen?
    Was würden wohl die Milliardäre damit tun? Die Multimillionäre? Die Millionäre?

    Hartz IV müsste das empfangene Geld an das Jobcenter zurück zahlen. Siehe SGB II.Dito für alle Grundsicherungsrentner. Will uns der Verfasser wenigstens erklären, was ein deutscher Durchschnittsverdiener mit 10.000 Euro von der EZB anstellen wprde? Die sparen doch heute schon mehrere tausend Euro im Jahr. Das schaffen sogar sogenannte Eckrentner.

    Wie viele male wollen solche komischen Experten uns noch das Helikoptergeld anpreisen? Jede Woche, bis es wieder "normale" Zinsen gibt? Dann wäre als erstes zu erklären, was notrmale Zinsen sind. Gibt es einen einzigen Experten in Deutschland, der das erklärt? Nein??? Dann schweigt für immer!!!

  • (Fortsetzung)
    Inflationär wirken nun neben der Nullzinspolitik natürlich auch die Gelddruckprogramme der Zentralbanken („QE“, „Operation Twist“). Ich empfehle hierzu auch das Buch „Österreichische Schule für Anleger“ (R. Taghizadegan et al.), wo die aktuellen deflationären und inflationären Kräfte anschaulich gegenübergestellt werden.
    IN DER SUMME ist die deflationäre Kraft bis jetzt jedoch immer noch stärker als die entgegengesetzt inflationäre, denn insbesondere die sogenannten Basel-III-Regulierungen verhindern eine hemmungslose Kreditvergabe und damit ein Anspringen des Kredit- / Geldschöpfungsmultiplikators der Geschäftsbanken.
    Also muss die Zentralbank auf Teufel komm raus die Geldumlaufgeschwindigkeit erhöhen, und das erreicht man mit diesem "Helicopter-Money" - aber nur kurzzeitig, bis der nächste "Drogen-Schuss" notwendig wird. Gleichzeitig muss man das "Geldhorten" erschweren und das "Enthorten" forcieren, und das macht man u.a. mit Negativzinsen und würde es noch viel lieber mit einem zusätzlichen Bargeldverbot machen, damit es leichter zur "Zwangsenthortung" kommt..
    Ich beschreibe diesen Irrsinn hier objektiv, aber überlegen Sie sich einmal, warum man Ihnen das eben in den Massenmedien NICHT sagt.

  • Nachdem sich auch das HB in zunehmendem Maße weigert, die Leser UNLIEBSAME Themen kommentieren zu lassen (obwohl Kommetare schreiben ja nichts aber auch gar nichts verändert), überlege ich ernsthaft, die Lektüre der einzigen deutschen Mainstream-Zeitung, die ich überhaupt noch lese, bald einzustellen Warum wandern wohl immer mehr Leser zu alternativen Medien ab? Weil die den "Etablierten" in rapide steigender Zahl ihre "Wahrheit" nicht mehr abkaufen (im doppelten Wortsinne). Üppig Geld bekommen Medien nur noch durch ZWANG, wenn sie nämlich wie die GEZ-wangsfinanzierten den Staat auf ihrer Seite haben, der es ihnen unter Androhung von Gewalt ermöglicht, die Menschen abzukassieren.
    Nun zu den eigentlichen Gründen dieses Helicopter-Money-Irrsinns - wobei wir (wieder einmal) beim Falschgeldsystem wären, das selbstverständlich weiterhin komplett von den Massenmedien totgeschwiegen wird (weil Staat UND Banken als symbiontische Profiteure nicht das geringste Interesse an einem Allgeneinwissen darüber haben):
    Die stockende Kreditvergabe bzw. der Ausfall des Kreditmultiplikators der Geschäftsbanken (Kreditgeldschöpfung durch das Bruchteilsreserve-Bankwesen, was den Hauptteil der „Geldschöpfung“ ausmacht) hat deflationäre Wirkung . Ebenfalls deflationär wirken u.a Bilanzverkürzungen der Banken (Deleveraging) und der Einbruch der Geldumlaufgeschwindigkeit. Übrigens wirken auch Produktivitätssteigerungen deflationär, d.h. hätten wir nun ein Geldsystem, in dem man die Geldmenge nicht beliebig vermehren könnte, würden Produktivitätssteigerungen sinnvollerweise auch dazu führen, dass das Geld mehr Kaufkraft besäße (sprich „wertvoller“ wäre).
    Aber unser „Forderungsgeldsystem“ (genauer: Schuld- oder Falschgeldsystem) benötigt nun einmal eine permanente Aufschuldung, damit es nicht deflationär zusammenbricht. Also müssen sukzessive alle Inflationshemmnisse beseitigt werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%