Europäische Zentralbank und Zinsen
Euro-Chefvolkswirt plädiert für lockere Geldpolitik

Euro-Banker erkennen eine gefährlich niedrige Inflation – und sehen Handlungsbedarf. Schon im Dezember könnte das milliardenschwere Anleihekaufprogramm ausgeweitet werden. Auch drastischere Negativzinsen seien möglich.

Berlin/FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Bereitschaft zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik bekräftigt. „Es gibt Risiken, und deshalb erwägen wir weiteres Handeln“, sagte der Chefvolkswirt der Euro-Notenbank, Peter Praet, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die niedrigen Inflationserwartungen und die maue Wirtschaft seien „ein gefährlicher Cocktail“.

Es bestehe das Risiko, dass Investoren und Verbraucher das Vertrauen in die Prognosen zur Ankurbelung der Inflation verlieren, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Praet. „Insbesondere in einer Phase unterausgelasteter Wirtschaften, ist es entscheidend für eine Zentralbank, die Inflationserwartungen niedrig zu halten.“

Acht Monate nach dem Start eines beispiellosen, 1,1 Billionen Euro schweren Bondkaufprogramms, erwägt die EZB eine Ausweitung der Stimuli. Noch sei der Euro nicht aus der Deflations-Gefahrenzone. Die flaue Konjunkturerholung im Euroraum hat die Verbraucherpreise nicht ausreichen anheben können.

EZB-Chef Mario Draghi hatte zuletzt signalisiert, auf der Ratssitzung am 3. Dezember die Geldschleusen noch weiter zu öffnen, falls dies erforderlich ist. Der Grund: Trotz des laufenden, auf über eine Billion Euro angelegten Anleihen-Kaufprogramms will die Inflation im Währungsraum nicht richtig anspringen. Die Preise stiegen im Oktober nur um 0,1 Prozent. Zwar wurden am Montag veröffentlichte Daten zur Kerninflation im Euroraum – ohne die volatilen Posten Energie und Lebensmittel – für Oktober von ursprünglich 1,0 auf 1,1 Prozent nach oben revidiert.

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