Ewald Nowotny zu Griechenland
EZB-Banker hält Kapitalkontrollen für hilfreich

Griechenlands Banken machen massive Kapitalabflüsse ins Ausland zu schaffen. EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny bringt Kapitalkontrollen als Gegenmaßnahme ins Gespräch. Eine Parallelwährung sei hingegen keine Option.
  • 0

WienAußergewöhnliche Schritte wie Kapitalkontrollen können nach Einschätzung von EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny das Finanzsystem schuldengeplagter Länder stabilisieren. Das habe sich etwa am Beispiel Zyperns gezeigt. „Niemand ist glücklich über Kapitalkontrollen. Sie sind eine extreme Maßnahme. Aber im Fall von Zypern, haben sie sich als effizient erwiesen“, sagte Nowotny in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. „Das hat diesem Land geholfen, die Stabilität wiederzuerlangen, die für ein Mitglied der Euro-Zone nötig ist.“

Als Zypern vor einigen Jahren die Pleite drohte, zogen viele Menschen ihre Ersparnisse von den dortigen Banken ab, um ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Dieser Kapitalabfluss brachte die zyprischen Banken ins Wanken. Um einen Kollaps zu verhindern, hatte das Land unter anderem Grenzen zur Abhebung von Bargeld und Überweisungen festgesetzt. Inzwischen sind die Beschränkungen im Geldverkehr in Zypern aufgehoben.

Auch Griechenlands Banken machen angesichts der Hängepartie im Schuldenstreit massive Kapitalabflüsse ins Ausland zu schaffen. Sie sind zunehmend auf Notkredite (ELA) angewiesen, die die Athener Notenbank gegen Sicherheiten gewährt und die EZB durchwinken muss. Die Notenbank könne diese Hilfen jedoch nicht dauerhaft bereitstellen. „ELA bedeutet Notfall-Liquiditäts-Hilfe, nicht permanente Hilfe“, sagte Nowotny. Einem Insider zufolge wurde die Obergrenze für ELA-Liquiditätshilfen für die Banken zuletzt um zwei Milliarden Euro auf inzwischen 78,9 Milliarden Euro aufgestockt.

EZB-Direktor Yves Mersch hatte in einem Zeitungsinterview darauf hingewiesen, dass es der griechischen Regierung obliegt zu entscheiden, ob sie im Extremfall zu Sondermaßnahmen wie Kapitalkontrollen oder einer Parallelwährung greifen will, um das Finanzsystem zu stabilisieren. Bei Letzterem könnte das klamme Griechenland seinen Staatsbediensteten etwa statt ihres Gehalts Gutscheine für eine spätere Auszahlung der Löhne geben.

Solch ein Schritt stehe nicht zur Debatte, sagte der österreichische Notenbankgouverneur. „Ich kenne niemanden im EZB-Rat, der eine zweite Währung vorschlagen würde. Es ist klar, dass wir eine europäische Währungsunion haben und es wäre ziemlich seltsam, Parallelwährungen in einer Währungsunion zu haben.“ Es gebe aktuell keine Diskussion über einen Zerfall der Euro-Zone. „Diese europäische Währungsunion ist stabil“, sagte Nowotny.

Die Regierung in Athen ist dringend auf weitere Kredite der Geldgeber angewiesen, streitet mit dem IWF und den Euro-Staaten aber über Reform-Auflagen. Am Montag beraten die Euro-Finanzminister erneut über einen Ausweg aus dem monatelangen Schuldenstreit. „Wir befinden uns ganz klar in einer sehr kritischen Situation, vielleicht gerade an diesem Wochenende“, sagte Nowotny. Ohne fremde Hilfe droht Griechenland die Pleite. Schon am Dienstag muss das Land 750 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) bezahlen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ewald Nowotny zu Griechenland: EZB-Banker hält Kapitalkontrollen für hilfreich"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%