Ex-EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark: Debatte um Deflationsgefahren „völlig überzogen“

Ex-EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark
Debatte um Deflationsgefahren „völlig überzogen“

Jürgen Stark, Ex-EZB-Chefvolkswirt, hält die Debatte um Deflationsgefahren in Europa für „völlig überzogen“. Die negativen Inflationsraten seien nicht der wahre Grund für das massive Anleihekaufprogramm der EZB.
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DüsseldorfDer ehemalige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, hält die negativen Inflationsraten als Grund für ein Programm zum massiven Ankauf von Staatsanleihen für vorgeschoben. Die Debatte um die Deflationsgefahren in Europa sei „völlig überzogen“. „Die EZB will die Refinanzierungskosten einzelner Länder verringern. Das ist etwas anderes als die traditionelle Geldpolitik“, sagte er in einem Interview mit dem Handelsblatt (Mittwochausgabe).

„Die EZB hat sich mit ihrer Ankündigung, die Bilanzsumme um eine Billion Euro zu steigern, bereits vor den negativen Inflationsraten festgelegt“. Eine noch expansivere Geldpolitik werde ohnehin „weder in der Realwirtschaft Wirkung erzielen, noch die Inflationsraten schnell nach oben treiben“.

Wie sehr die Notenbanken bereits jetzt die Märkte dominierten, zeigen nach Auffassung von Stark auch die jüngsten Entwicklungen in der Schweiz. Die heftigen Markreaktionen nach dem Entschluss der dortigen Notenbank, den Franken freizugeben, seien ein Beleg dafür, „wie abhängig die Finanzmärkte vom Verhalten und den Operationen der Zentralbanken sind“.

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  • So, your Turkish wisdom and highness, what shall the German sheeps in your opinion do?

  • Sehr guter Kommentar! Ich sehe auch ein gewisses Mitverschulden der Medien, dass Draghi dieses Hirngespinst der Deflationsgefahr öffentlichkeitswirksam reiten kann. Sinn und Zweck der Geldschwemme habe ich ja schon beschrieben. Ein weiterer Aspekt für das Handeln der EZB wird von den Medien ebenfalls nicht mit Aufmerksamkeit verfolgt, das ist die Finanzkrise, welche die USA verschuldet hat, indem sie ihre faulen Kredite auf die ganze Welt verteilt haben. Damit wurden die Krisen von Zypern bis Irland akut.
    Hinsichtlich Griechenland werden ja schon wieder Schuldenschnitte von 80% in den Raum gestellt. Auch das wird nicht helfen, denn in ein paar Jahren stehen sie wieder vor der Tür. Wenn Brüssel etwas Sinnvolles in die Wege leiten wollte, müssten Steuererleichterungen für Investitionen in Griechenland für alle Unternehmen des Euro-Raumes in einer konzertierten Aktion angeschoben werden. Griechenland schafft es aber trotz überbordender Anzahl von Beamten nicht, ein funktionierendes Steuer- und Sozialversicherungsrecht, geschweige denn ein verlässliches Kataster- und Grundbuchamt zu etablieren.
    Leider begnügt sich Brüssel und das Europaparlament, die Wattzahl von Staubsaugern herabzusetzen, lebensbedrohliche Energiesparlampen und den Krümmungsgrad von Gurken vorzuschreiben. Dieser überbezahlte Haufen ist an Ineffizienz nicht zu überbieten!

  • Als geflüchtet würde ich dies nicht bezeichnen wollen. Sie haben resigniert und war konsequent zu ihrem persönlichem Charakter!

    Man kann auch behaupten, dass beide von der Politik für diese Aufgaben falsch ausgesucht wurden.

    In den umliegenden Ländern waren die Notenbanken schon immer Teil der Politik. Deshalb war es auch keine Umstellung für viele dieser Politiker, die EZB weiterhin eingebunden zu sehen.

    Weber und Stark entstammen einer anderen Denke, hatten eine andere Überzeugung, vertraten die Währungspolitik der Deutschen Bundesbank, auf die wir lange Stolz waren. Diese Macht zu brechen, war das Ansinnen der Politiker allgemein und der deutschen Politiker im Besonderen. Sie handelten in ihren Augen einmal mehr "alternativlos".

    Weber und Stark - und letztlich Weidmann auch schon wieder - auf diese Ämter zu heben, war aus Sicht der Politiker ein Fehler, eine Täuschung des Volkes, weil es politisch erst garnicht angedacht war, eine Zentralbank aufzubauen, die unabhängig zum Wohl des Volkes agiert.

    Alle drei Vertreter sind viel zu intelligent, um "alternativlos" handeln zu müssen. Damit sind sie unbequem für die Bundesregierung und die Abgeordneten.

    Weber und Stark haben nicht gekniffen. Sie haben nur zum Ausdruck gebracht: "Mit uns nicht!"

    Wir bräuchten mehr dieser Bürger. Diese Bürger zu fördern, wäre die Sache. Nur so erreichen wir wieder die Bedeutung, die Deutschland einmal hatte.

    Das solche Charaktere in Parteien nicht willkommen sind, weil sie eigene Meinungen haben und diese vertreten, erschwert natürlich deren Händling in den Parteistrukturen. Wie Frau Merkel mit selbst denkenden Menschen umgeht, haben wir in mehreren Fällen bereits erfahren.

    Die Deutschen müssen sich entscheiden, ob sie den Führungsstil der Partei fortsetzen oder zur Demokratie zurückkehren wollen.

    Eigentlich war die Rede der Kanzlerin zu Neujahr völlig fehl am Platz. Strukturell betrachtet liegt Pegida nämlich voll auf ihrer Linie und der Fortsetzung der Politik des Dritten R.

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