EZB-Anleihekäufe
Die Angst der Deutschen

Gegen den Widerstand von Bundesbankchef Weidmann hat die EZB massive Anleihekäufe beschlossen. Die weitreichende Entscheidung bereitet vielen Deutschen Sorgen. Einige davon sind begründet - andere weniger.
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DüsseldorfNichts bereitet den Deutschen so viel Angst wie die Euro-Schuldenkrise. 73 Prozent fürchten sich laut einer Langzeitstudie des Versicherers R+V vor ihren Auswirkungen. Das ist der zweithöchste Wert, der jemals in der Ängste-Studie gemessen wurde (2011: 70 Prozent).

Auch vor Inflation haben die Deutschen große Angst (63 Prozent). Diese Sorge dürfte nach der gestrigen EZB-Ratssitzung noch weiter zugenommen haben. In einer historischen Entscheidung beschlossen die Notenbanker, dass die EZB zu unbegrenzten Anleihekäufen bereit ist. Die einzige Gegenstimme kam ausgerechnet vom deutschen Bundesbankchef Jens Weidmann.

Er begründete seinen Widerstand damit, dass die Vorgehensweise zu nah an einer Staatsfinanzierung durch die Notenpresse sei. Der direkte Aufkauf von staatlichen Schuldscheinen ist der EZB laut ihres Mandats verboten. Um dieses Verbot zu umgehen, kauft die EZB die Anleihen am Sekundärmarkt. Das bedeutet: Sie kauft die Anleihen nicht bei den Auktionen der Staaten sondern von anderen Investoren. Zwischen dem Kauf der Anleihen durch den Investor und dem Weiterverkauf an die EZB können dabei aber nur Bruchteile von Sekunden liegen.

Das Mandat der EZB orientiert sich sehr stark am Vorbild der Bundesbank. Da die Bundesbank in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg sehr erfolgreich bei der Inflationsbekämpfung war, sollte es die EZB ihr gleichtun. Durch das Verbot der Staatsfinanzierung wollten die Gründerväter der EZB Inflationsgefahren verhindern. Viele fragen sich deshalb, ob nach der Aufweichung dieser Regelung nun Inflation droht. Es gibt jedoch noch mehr Sorgen: Zum Beispiel vor neuen Haftungsrisiken für deutsche Steuerzahler. Handelsblatt Online beantwortet die wichtigsten Fragen.

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  • 8.9.12 Die Eurowährung scheint in trockenen Tüchern, eine trabende Inflation droht auf Sicht trotz Raubeinkapitalismus nicht.
    Durch den vorerst unbegrenzten Ankauf von Anleihen hoch verschuldeter Staaten durch die EZB dürfte der Euro gerettet sein. Eine galoppierende Inflation über das normale Maß hinaus droht kurzfristig nicht. Deflationäre Entwicklungen in Europa durch diverse Haushaltsbremsen verhindern eine ausufernde Inflation genauso, wie der Einfluss von Billigwaren aus dem Ausland und die regulierende Hand des eCommerce im Internet. Zudem würden bei einer spürbaren Entwertung des Geldes ausländische Anleger ihr Kapital aus Europa abziehen, wodurch sich eine inflationäre Nachfrage beruhigen könnte. So regelt auf längere Sicht der Markt bisweilen, was Spekulanten kurzfristig leider immer wieder in Unordnung bringen. Doch gegen diesen spekulativen Raubeinkapitalismus muss jetzt endlich die Politik regulierend einschreiten. Vergleiche mit der Inflation 1923 liegen schief, waren damals doch die hohen Reparationsleistungen eines verlorenen Krieges für die Inflation in Deutschland Schuld. 1933 hingegen sorgte das Totsparen der Regierung Brünings für die galoppierende Inflation. Auch deutsche Außenseiter im EZB-Rat sollten sich an diesen Fehler mit fatalen Folgen durch die Machtergreifung Hitlers erinnern. Nie wieder! Diese Wiederholung weiß die EZB diesmal über den Ankauf von Anleihen zur Haushaltsdeckung von Schuldnerstaaten gegen hohe Auflagen zu verhindern. So funktioniert eine Geldpolitik der ausgleichenden Hand. Gemeinsame Friedens- u. Wertepositionen siegen jetzt in Europa über die Kirchturmpolitik des nörgelnden deutschen Michels.Wolfgang Werkmeister, Eschborn

  • 8.9.12 Die Eurowährung scheint gerettet, eine trabende Inflation scheint auf Sicht trotz Raubeinkapitalismus nicht in Anzug.
    Mit dem vorerst unbegrenzten Ankauf von Anleihen hoch verschuldeter Staaten durch die EZB dürfte der Euro gerettet sein. Eine galoppierende Inflation über das normale Maß hinaus droht kurzfristig nicht. Deflationäre Entwicklungen in Europa durch diverse Haushaltsbremsen verhindern eine ausufernde Inflation genauso, wie der Einfluss von Billigwaren aus dem Ausland und die regulierende Hand des eCommerce im Internet. Zudem würden bei einer spürbaren Entwertung des Geldes ausländische Anleger ihr Kapital aus Europa abziehen, wodurch sich eine inflationäre Nachfrage beruhigen könnte. So regelt auf längere Sicht der Markt bisweilen, was Spekulanten kurzfristig leider immer wieder in Unordnung bringen. Doch gegen diesen spekulativen Raubeinkapitalismus muss jetzt endlich die Politik regulierend einschreiten. Vergleiche mit der Inflation 1923 liegen schief, waren damals doch die hohen Reparationsleistungen eines verlorenen Krieges für die Inflation in Deutschland Schuld. 1933 hingegen sorgte das Totsparen der Regierung Brünings für die galoppierende Inflation. Auch deutsche Außenseiter im EZB-Rat sollten sich an diesen Fehler mit fatalen Folgen durch die Machtergreifung Hitlers erinnern. Nie wieder! Diese Wiederholung weiß die EZB diesmal über den Ankauf von Anleihen zur Haushaltsdeckung von Schuldnerstaaten gegen hohe Auflagen zu verhindern. So funktioniert eine Geldpolitik der ausgleichenden Hand. Gemeinsame Friedens- u. Wertepositionen siegen jetzt in Europa über die Kirchturmpolitik des nörgelnden deutschen Michels.Wolfgang Werkmeister, Eschborn.

  • Das größte Probblem ist nicht Draghi, die EZB Mehrheiten oder der kommende ESM.
    Das größte Problem sind unsere eigenen Politiker, die den Ausverkauf Deutschlands z.T offen fordernd (GRÜNE, SPD) betreiben oder stillschweigend (CDU CSU FDP) hinnehmen.

    Der DBT und die Bundesbank können öffentlich der Welt verkünden, dass wir die bis jetzt eingegangenen Verpflichtungen honorieren werden aber nicht einen Cent mehr. Wir können klar machen, dass wir aus der zu den unbegrenzten Aufkäufen gehörenden unbegrenzten Haftung aussteigen.
    Wir müssen dann wohl zugeben, dass damit von uns natürlich europäische Verträge nicht eingehalten werden.
    Wir können aber darauf hinweisen, dass die sowieso nichts mehr wert sind. Solange sich keiner dran hält, tun wir das auch nicht. Niemand kann von uns verlangen, dass wir uns ausrauben lassen. Punkt!

    Dann nennen wir eine Zahl: 190 Mrd. Und dass ist unsere Obergrenze.
    Die Märkte werden sehr schnell feststellen, dass Draghis "Bazooka " genau 190/0,27 Mrd wert ist.
    Wenn alle anderen ihrern Anteil tragen. Sonst ist sein Bazooka nur 190 Mrd. wert.
    Und dann kann er beschliesen, was er will.

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