EZB-Anleihekäufe
Weidmann mahnt zügigen Ausstieg an

Anlässlich ihrer turnusmäßigen Sitzung dürfte die Europäische Zentralbank Hinweise darüber geben, ob und wie sie aus ihrem Anleihekaufprogramm aussteigen will. Dass die Zeit reif ist, steht für den Bundesbankpräsidenten fest.
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FrankfurtBundesbank-Präsident Jens Weidmann fordert einen raschen und geordneten Ausstieg aus dem billionenschweren Anleihen-Kaufprogramm der EZB. „Aus unserer Juni-Prognose lässt sich meines Erachtens derzeit kein akuter weiterer Handlungsbedarf für das nächste Jahr ableiten, insbesondere nicht, das Kaufprogramm abermals fortzuschreiben“, sagte Weidmann der „Börsen-Zeitung“ in einem am Mittwoch verbreiteten Interview.

Er würde den Ausstieg zügig gestalten, ein abruptes Ende lehnt Weidmann aber ab: „Wir sind uns alle einig: Das Kaufprogramm sollte nicht von heute auf morgen beendet werden.“ Um Turbulenzen an den Finanzmärkten zu vermeiden, wäre „ein Ausschleichen des Programms nötig, das entsprechend kommunikativ flankiert wird“.

Die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Notenbanken der Euro-Zone erwerben seit März 2015 Staatsanleihen und andere Wertpapiere. Banken sollen so dazu bewegt werden, weniger in diese Titel zu investieren, sondern mehr Kredite an die Wirtschaft zu geben. Das stützt die Konjunktur und soll wie von der EZB gewünscht auch zu mehr Preisauftrieb im Währungsraum führen. Das auf 2,28 Billionen Euro angelegte Programm soll noch bis Ende 2017 fortgesetzt werden. EZB-Präsident Mario Draghi hatte eine Diskussion im EZB-Rat über die Käufe für den Herbst angekündigt.

Weidmann stand vor allem den Staatsanleihenkäufen stets kritisch gegenüber. Unter anderem sieht er eine Gefahr, dass politischer Druck ausgeübt werden könnte, die ultralockere Geldpolitik länger beizubehalten als unter dem Aspekt der Preisstabilität sinnvoll wäre. Zudem verwischen Staatsanleihenkäufe aus seiner Sicht die Grenze zwischen Fiskal- und Geldpolitik.

Bei der Frage, wie ein Ausstieg gestaltet werden könnte, kann sich der Bundesbank-Präsident mit einem vorab festgelegten fixen Plan zum Abschmelzen der Käufe anfreunden. „Ein klarer Plan hat beim Ausstieg durchaus Vorteile in der Kommunikation mit den Märkten und der Öffentlichkeit“, sagte Weidmann. Modifikationen an den von der EZB selbst gesetzten Grundregeln für die Wertpapier-Transaktionen lehnt er ab. „Eine Änderung der Parameter, über die meiner Meinung nach teilweise recht leichtfertig diskutiert wird, wäre aus meiner Sicht mit erheblichen negativen Folgen verbunden.“ Für die Glaubwürdigkeit des EZB-Rats sei es wichtig, selbstgesetzte Regeln zu beachten.

„Kein Dauerzustand“

Anleihenkäufe könnten kein Dauerzustand sein, sagte Weidmann. Bei einem Zurückfahren der Käufe würden die Währungshüter zudem geldpolitisch nicht auf die Bremse treten. „Wir würden nur nicht ständig mehr Gas geben.“ Die Geldpolitik sei nicht nur dann sehr expansiv, wenn weiter zusätzliche Wertpapiere erworben würden. „Sie wird es auch dann noch sein, wenn wir keine Nettokäufe mehr tätigen, sondern nur noch reinvestieren.“ Dann würden die Währungshüter zwar keine neuen Anleihen mehr erwerben - auslaufende Anleihen würden aber gleichwohl ersetzt.

Weidmann räumte zwar ein, dass sich die zuletzt sehr positive Konjunkturentwicklung im Euro-Raum noch nicht richtig in der Preisentwicklung niederschlägt. Doch er ist sich sicher: „Nach unseren Prognosen wird der binnenwirtschaftliche Preisdruck mit der Zeit jedoch zunehmen, da die Auslastung der Volkswirtschaften weiter steigt.“ Im Juli lag die Inflation mit 1,3 Prozent noch weit vom EZB-Ziel entfernt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • .....lieber Herr Weidmann..

    ...Ihrem Kollegen im Gremium oben.....ist nicht beizukommen...

    .....will er bekanntermaßen mit seinem Konzept.....die Schwachen stützen.....vornehmlich im Süden es Kontinents.....funktioniert aber nicht.....sind die Probleme dort....ganz andere....diese zu beseitigen und zu bereinigen.....fundamentaler Entscheidungen bedürfen....
    ....und so ist der Dampfer....Europa mit seiner Währung.....noch auf See....sieht in der Ferne Land.....kann und will aber nicht in den Hafen.....weil der Kapitän....es nicht will (noch).....und so ist die Besatzung.....oben in der Kabine.....auf Gedeih und Verderb....von ihrem Chef am Steuer abhängig.....und die Passagiere unter ihnen auch.....
    .....was ist zu tun?

    ...eine Meuterei..... ist aus verständlichen Gründen....abwegig und kein Thema....
    ...so bleibt nur zu hoffen......daß nach Abgang Ihres Kollegen durch seinen Abschied in die Pension....dieses Mal...ein Deutscher ans Ruder gewählt wird....
    ....sicher können und werden Sie es nicht entscheiden....als nur die Politik.....
    ....haben Sie doch die größten Chancen dazu.....in der Hoffnung...daß es so kommt.....sollten die im Moment verloren gegangenen Gene.....der alten Deutschen Banker zu DM-Zeiten in der Bundesbank.....geformt und gebacken....aus Schrot und Korn.....ein Vorbild für Sie sein.....galt unsere alte Währung doch als Ersatzwährung....nach dem Dollar....
    ...so glaube ich.....daß es so kommen wird.....es wird nämlich höchste Zeit....
    ....und so hoffe ich.....mit Ihnen.....

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