EZB bereit zu Staatsanleihe-Käufen
„Wir werden das tun, was wir tun müssen“

EZB-Präsident Mario Draghi macht die Tür zum Kauf von Staatsanleihen weit auf. Die Notenbank sei „ohne unnötige Verzögerung“ dazu bereit. Der Euro fällt rasch, die Aktienmärkte jubeln.
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FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) kommt dem Einsatz noch massiverer Geschütze gegen die drohende Deflation immer näher. EZB-Präsident Mario Draghi erklärte am Freitag auf einem Bankenkongress in Frankfurt, er werde die schwache Teuerung wenn nötig mit allen Mitteln anheizen, um die Konjunktur in der Euro-Zone zu beleben. „Wir werden das tun, was wir tun müssen, um die Inflation und die Inflationserwartungen so schnell wie möglich zu erhöhen, wie es unser Auftrag verlangt.“

Dafür sei die EZB unter seiner Führung bereit, bei Bedarf noch stärker an den Finanzmärkten zu intervenieren und über Wertpapierkäufe – auch den umstrittenen Kauf von Staatspapieren – mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen – „ohne unnötige Verzögerung“.

Die Inflation in der Euro-Zone liegt derzeit bei durchschnittlich 0,4 Prozent, die Zielmarke der EZB liegt bei knapp zwei Prozent. Der EZB-Rat entscheidet das nächste Mal Anfang Dezember über den geldpolitischen Kurs der Zentralbank.

Viele Fachleute rechnen in diesem Jahr aber nicht mehr mit dem Einsatz weiterer Maßnahmen, weil zahlreiche der jüngsten EZB-Beschlüsse noch nicht vollständig umgesetzt sind. Dennoch halten sich die Spekulationen auf breit angelegte Staatsanleihenkäufe der EZB, die damit anderen Notenbanken nacheifern würde. Draghi selbst hatte zuletzt wiederholt diese Möglichkeit – im Fachjargon der Währungshüter Quantitative Easing (QE) genannt – angedeutet.

Mit seinen klaren Worten schickte Draghi den Euro am Devisenmarkt deshalb massiv auf Talfahrt. Der Wert der Gemeinschaftswährung fiel binnen weniger Minuten um mehr als einen US-Cent auf 1,2431 Dollar. Dax und EuroStoxx legten am Freitag jeweils rund 1,7 Prozent auf 9654 und 3156 Zähler zu.

Die EZB hat zuletzt mit dem massenhaften Aufkauf von Pfandbriefen und Kreditverbriefungen begonnen und pumpt in den nächsten zwei Jahren zudem viele Milliarden in das Finanzsystem. Sie will ihre Bilanz um rund eine Billion aufblähen. Um dies zu erreichen, könnten die Notenbanker demnächst auch Unternehmensanleihen und Staatsanleihen aufkaufen. Letzteres ist in Deutschland heftig umstritten, ebenso im EZB-Rat.

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Klare Worte zur Inflation

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  • "Schwarzer Freitag"?

    Schwarzen Freitag haben wir schon lange!

    Draghi hat die Zinsen gegen Null gesetzt und entschuldet die Staaten zu Lasten der Bürger.

    Das haben Versicherer nicht mit sich machen lassen. Damit sie schweigen sollen sie über das Lebensversicherrerormgesetz entschädigt werden.

    Und jetzt kommen die Banken und wollen auch Ihre Scheibe ab haben!

    Wer meldet noch Ansprüche gegenüber dem Bürger an?

    Die Ybürger sollten das tun, was sie tun müssen, wenn sie ihre Haut retten wollen. Man sollte den Aufruf "Wir sind das Volk" nicht missbrauchen, aber er bewirkte schon vor 25 Jahren den Bruch mit dem System.

  • "Verklappen" war eine Fehlinterpretation. Vielmehr war es eine Anspielung darauf, das Leben einmal von der Seite des Überlebenskampf kennenzulernen.

  • Wenn die EZB Staatsfinanzierung über die Notenpresse betreibt, dann hat dies sicher nichts mit Deflation zu tun. Ein weicher Euro bringt den US-Dollar nach Europa. Es geht um die Interessen der US-Finanzindustrie für die dies sehr vorteilhaft wäre. Dies ist das primäre Ziel. Es bleibt zu hoffen, dass die größten Verlierer dieser Politik, nämlich die arbeitslosen Menschen in Südeuropa, sich dies nicht gefallen lassen.

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