EZB-Chef Draghi
Der bestgeschützte Mann Europas

Großer Zaun, Betonsperren und eine lange Sicherheitszone: Der neue Sitz von EZB-Chef Mario Draghi gleicht einer Festung. Dennoch gelangte die 21-jährige Josephine Witt ins Gebäude. Der Fall wirft Fragen auf.  
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FrankfurtMario Draghis Büro ist von außen so gut geschützt, wie wohl kein anderes in Europa. Vor der neuen EZB-Zentrale im Frankfurter Ostend sind Betonsperren eingelassen, die so aussehen, als müssten sie Panzern standhalten. Es gibt einen großen Zaun und eine lange Sicherheitszone. Besucher müssen normalerweise Checks wie am Flughafen durchlaufen. Ein Sicherheitsdienst prüft sie mit einem Metalldetektor. Taschen, Laptops und andere Habseligkeiten laufen durch einen Röntgenscanner. Manchmal dauert das Prozedere so lange, dass sich lange Schlangen bilden.

Dennoch hat die 21-jährige Josephine Witt offenbar eine Sicherheitslücke gefunden. Auf der gestrigen EZB-Pressekonferenz sprang sie auf das Podium, bewarf Draghi mit Konfetti und schrie: „Stoppt die EZB-Diktatur!“ Dann schleppten Sicherheitsleute sie vom Podium.

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter bekannte sich Witt zu dem Vorfall. Gegenüber der Onlineausgabe des britischen „Guardian“ sagte sie, sie sei schockiert darüber, wie einfach es gewesen sei, in das EZB-Gebäude zu kommen. Sie habe sich als Journalistin der Nachrichtenseite Vice Media ausgegeben, für die sie aber nicht arbeite. „Ich habe den normalen Registrierungsprozess mitgemacht“, erklärt Witt gegenüber dem „Guardian“. Dann sei sie wie am Flughafen kontrolliert worden und habe ihren Personalausweis vorgezeigt. Ob sie auch einen Presseausweis brauchte, sagt sie nicht. Ihre Tasche sei untersucht worden. Sie habe darin nur Papier gehabt. „Ich dachte, das sei für Journalisten nicht unüblich.“

Die Aktion wirft Fragen über die Sicherheitsvorkehrungen bei der EZB auf. Normalerweise bekommen Journalisten für die EZB-Pressekonferenz per E-Mail eine Einladung. Darin steht ein Passwort, mit dem sie sich registrieren können. Wer keine Einladung bekommt, kann aber bei der Pressestelle anrufen und spontan um eine Registrierung bitten. Nach der Anmeldung sind für den Zugang zum Gebäude offiziell ein Presseausweis und der Personalausweis erforderlich.

Diese Hürde ist bisher relativ niedrig. Auf vielen Presseausweisen steht nicht, für welches Medium der jeweilige Journalist arbeitet. Wer sich also registriert, kann mit irgendeinem Presseausweis Einlass bekommen. Die EZB will den Fall nun aufarbeiten. Über mögliche Konsequenzen will sie sich zunächst nicht äußern. Die EZB steckt in einem Dilemma. Erst kürzlich war sie heftig kritisiert worden, weil sie zur Eröffnungsfeier ihres neuen Sitzes nur wenige Journalisten zugelassen hatte. Dieses Vorgehen hatte sie mit Sicherheitsbedenken begründet.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

Kommentare zu " EZB-Chef Draghi: Der bestgeschützte Mann Europas"

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  • es wird immer klarer dass die einfachen Bürger der EU von der Bankenelite ausgeschlossen werden. Menschen sind Nummern, Zahlen und Bilanzen. Das ganze wird in einem Paket eingepackt das Demokratie genannt wird, aber schon seit langer Zeit keine Demokratie mehr ist. Bedauerlicherweise erkennen nur wenige diese Realität.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Der Staat muss sich vor seinen Bürgern schützen!
    Deshalb allerorts Personenschutz, Sicherheitswahn und Angstneurosen.
    Iss klar, 80 Millionen potenzielle Terroristen muss man fläöchendeckend ausspionieren und überwachen, deshalb jetzt wieder die Vorratsdatenspeicherung und weitere Ausspäh- und Überwachungsmassnahmen.
    Deutschland hat wenigstens noch echte Meinungsfreiheit, bin gespannt, wann sie diese letzte Errungenschaft auch noch einkassieren, der IS Terror ist ja allgegenwärtig und sicher ein guter Vorwand, die Überwachung der Bürger weiter zu verschärfen.

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