EZB-Chef Mario Draghi im Kreuzverhör
„Es gibt keine Grenze“

EZB-Chef Mario Draghi macht deutlich, dass er alles einsetzen wird, um die Inflation in Richtung zwei Prozent zu bewegen. Und betont – trotz eines Seitenhiebes Richtung Deutschland – die Geschlossenheit der Notenbank.

New YorkKann Geldpolitik lustig sein? Mervyn King, Ex-Chef der Bank of England, brachte die Gäste im Economic Club of New York ein paar Mal zum Lachen, als er Mario Draghi ins Kreuzverhör nahm. Er erinnerte daran, wie der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) einst mit seiner mittlerweile berühmten Formulierung, er werde tun „was immer auch nötig ist“, um die Euro-Zone zusammen zu halten, die weltweiten Kapitalmärkte hinter sich gebracht hatte. Und setzte hinzu: „Gestern hat das nicht so geklappt, oder?“ Das war der erste Lacher.

Mervyn spielt darauf an, dass am Donnerstag die Märkte von Draghis geldpolitischen Maßnahmen enttäuscht waren und genau anders herum reagierten, als viele vorher erwartet hatten. Draghi antwortete mit einer langen und gewundenen Erklärung, wie die Entscheidung zustande gekommen sei. Dann sagte er leicht trotzig: „Unser Ziel war es nicht, die Erwartungen der Märkte zu erfüllen.“

King setzte nach. „Soll die Formulierung ‚Es gibt keine Grenze für den Einsatz unserer Instrumente‘ dazu dienen, die Reaktion von gestern etwas aufzufangen?“ Darauf kam wieder ein Lacher aus dem Publikum. Und es folgten weitere Kundgebungen von Heiterkeit, als Draghi zuerst mit „nicht wirklich“ antwortete, um dann umzuschwenken auf „natürlich“ und anschließend zu einer zweiten langen Erklärung anzusetzen, mit der These, dass er zwar nicht die Märkte beeinflussen wolle, aber doch klarstellen, wie seine Politik eigentlich gemeint sei.

King und seine Zuhörer hatten ihren Spaß daran, Draghi etwas in Verlegenheit zu bringen. Aber der mächtigste Notenbanker Europas hatte zuvor in seiner Rede doch eine recht klare Botschaft präsentiert. Er sagte in der Tat: „Es gibt keine Grenze“. Sein Ziel sei, gemäß dem Auftrag der EZB, die Inflation in die Nähe von zwei Prozent zu bringen, und zwar ohne unangemessenen zeitlichen Verzug.

Um dieses Ziel zu erreichen, werde er alle Mittel einsetzen. Und trotz einiger abweichender Stimmen, auf die er nicht näher einging, habe er dafür breite Unterstützung der anderen Geldpolitiker in der EZB. Er räumte ein, der Einsatz ungewöhnlicher Mittel wie zum Beispiel der Ankauf von Anleihen könne ungewollte Nebeneffekte haben. Aber er betonte: „Wir minimieren diese Effekte, soweit es geht, so kaufen wir zum Beispiel möglichst liquide Papiere.“

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„Es gibt keine Grenze“

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Lacher auf Kosten Deutschlands

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