EZB-Chef Mario Draghi
„Keine Rechtfertigung für Untätigkeit“

Der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, strebt trotz der weltweit geringen Preisentwicklung eine Inflation von zwei Prozent an. Seine Botschaft: „Wenn wir den Willen haben, dann haben wir auch Mittel.“

Frankfurt am MainAusgerechnet auf einer Veranstaltung der Bundesbank hat EZB-Chef Mario Draghi eindringlich vor der Gefahr einer längerfristig zu niedrigen Inflation gewarnt. „Je länger die Inflation zu niedrig ist, umso größer ist die Gefahr, dass sich die Inflation nicht automatisch wieder dem Ziel annähert“, sagte er. Gleichzeitig widersprach er dem Argument, die Notenbank könne nicht viel gegen die geringe Inflation ausrichten.

Historisch hat sich die Bundesbank immer besonders vor zu hoher Inflation gesorgt. Momentan aber liegt die Preissteigerung in den 19 Ländern der Eurozone bei nur 0,4 Prozent im Jahr – und damit meilenweit entfernt vom mittelfristigen EZB-Ziel von knapp zwei Prozent. Daher wachsen die Zweifel, ob die EZB ihr Ziel auf absehbare Zeit erfüllen kann.

Einige Ökonomen machen für die Abweichung strukturelle Faktoren verantwortlich, wie etwa die demografische Entwicklung, technologischen Fortschritt und die Globalisierung. Draghi räumt ein, dass diese Faktoren einen Einfluss auf die Inflation haben könnten. „Nichts aber deutet darauf hin, dass sie dauerhaft wirken.“ So werde der Preisverfall bei Energiepreisen allein schon wegen des Basiseffekts irgendwann aufhören. Gemeint ist, dass bei sinkenden Energiepreisen auch der Vergleichswert vom Vorjahr immer niedriger wird. Ähnlich sei dies beim elektronischen Handel. Draghi betonte, die Notenbank werde nicht vor der niedrigen Inflation kapitulieren: „Wenn wir den Willen haben, unser Ziel zu erreichen, dann haben wir auch die Mittel dazu.“

Zwar sei es eine Herausforderung, für die 19 wirtschaftlich sehr unterschiedlichen Staaten des Euroraumes eine gemeinsame Geldpolitik zu betreiben. „Aber diese Herausforderungen können gemildert werden. Sie rechtfertigen nicht Untätigkeit.“

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„Keine Rechtfertigung für Untätigkeit“

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Auch die Fed könnte ihren Kurs anpassen

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