EZB-Chefvolkswirt
Inflationsziel in Gefahr

Das Inflationsziel der europäischen Währungshüter sei stärker gefährdet als bisher gedacht, meint EZB-Chefvolkswirt Peter Praet. Er will das Wertpapier-Kaufprogramm der Zentralbank falls nötig ausweiten.
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MannheimDie Europäische Zentralbank (EZB) ist nach Einschätzung ihres Chefvolkswirts bereit, bei Bedarf die Feuerkraft des ohnehin schon großangelegten Anleihe-Kaufprogramms noch zu erhöhen. „Es sollten keine Missverständnisse darüber aufkommen, dass der EZB-Rat willens und auch fähig ist, falls nötig zu handeln“, sagte Peter Praet am Mittwoch am Rande einer Veranstaltung in Mannheim zu Journalisten. Nach seiner Einschätzung hat sich zuletzt die Gefahr erhöht, das die EZB ihr mittelfristiges Inflationsziel von knapp zwei Prozent verfehlen könnte. Dieser Wert wird als ideal für die Wirtschaftsentwicklung angesehen.

Die EZB pumpt seit März Woche für Woche Milliarden in das Finanzsystem, um die Konjunktur im Währungsraum anzukurbeln und die aus ihrer Sicht zu niedrige Inflation nach oben zu treiben. Der große Schub blieb bislang aber aus: Im Juli lag die Teuerung nur bei 0,2 Prozent.

Das Wertpapier-Kaufprogramm soll bis September 2016 laufen und eine Größenordnung von insgesamt 1,14 Billionen Euro haben. Es sei aber hinreichend flexibel, sagte Praet. Das betreffe Umfang, Zusammensetzung und die Dauer. Zuletzt hatte es erste Stimmen unter Analysten und Volkswirten gegeben, die es wegen der nach wie vor niedrigen Teuerungsrate für möglich halten, dass die EZB die Geldschwemme ausweiten könnte. „Die jüngsten Entwicklungen in der Weltwirtschaft und auf den Rohstoff-Märkten haben das Abwärtsrisiko erhöht, einen nachhaltigen Inflationspfad in Richtung zwei Prozent zu erreichen“, so Praet.

Die Preise für Rohöl der Sorten Brent und WTI sind seit Juni jeweils um rund ein Drittel eingebrochen. Zu den Gründen zählen Experten unter anderem die Erwartung, das die Konjunktureintrübung in China anhält. Sollte die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft nachhaltig ins Stottern geraten, hätte das starke Auswirkungen auch auf Europa. Praet zufolge schwächt sich die Konjunktur in den Schwellenländern ab. Jüngste Daten würden das bestätigen. Die Auswirken auf Europa seien bislang zwar begrenzt. „Aber wir haben ein externes Umfeld, das herausfordernder ist.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Deflation ist nicht das Problem! Es gibt über die vergangenen 140 Jahre keinen statistischen Zusammenhang zwischen sinkenden Verbraucherpreisen und einer schrumpfenden Wirtschaftsleistung. Sehr wohl gibt es einen statistisch nachweisbaren Zusammenhang zwischen platzenden Aktien- und Immobilienblasen und einer wirtschaftlichen Abschwächung. Durch die Niedrigzinsen und die Anleihekäufe der EZB werden die gefährlichen Blasen noch gefördert.

  • Wir benötigen keine Zielinflationsrate größer Null mehr. Das war dazu gedacht den Zentralbanken einen Spielraum für die Geldpolitik zu lassen. Nachdem die Geldpolitik nun weltweit (und nicht nur vorübergehend) am Ende ist wird dies obsolet.

    Wir steuern in eine neue Ära der Nullzinsen und Nullinflation. Ich finde das ist keine schlechte Entwicklung, wenn man einsieht, dass nun das Zeitalter der staatlichen Konjunkturprogramme auf Pump gekommen ist um jährlich das benötigte Wirtschaftswachstum knapp über der Produktivitätsentwicklung zu induzieren. Und wenn man Keynes ernst nimmt, dass sollte man dies, wie von ihm gefordert, durch Steuern an der richtigen Stelle gegenfinanzieren.

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