EZB-Direktoriumsmitglied
Leitzinssenkung soll Deflationsgefahr mindern

Mit der Senkung der Leitzinsen will die Europäische Zentralbank für Preisstabilität sorgen, erklärt Direktoriumsmitglied Benoit Coeure. Ein zu starkes Eingreifen der könne aber zu einer Blasenbildung beitragen.
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Aix-en-ProvenceDie Senkung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) soll nach Worten von Direktoriumsmitglied Benoit Coeure die Deflationsgefahren mindern. "Wir haben eine Strategie in der EZB, die weiterhin die Wahrung der Preisstabilität in beide Richtungen vorsieht. Derzeit bedeutet das, einen Rückgang des aktuellen Preisniveaus zu vermeiden", sagte Coeure am Freitag auf einer Konferenz im südfranzösischen Aix-en-Provence. Die EZB hatte am Donnerstag erstmals ihren Leitzins auf 0,75 Prozent gekappt und den Einlagezins, den sie Banken zahlt, die bei ihr Geld parken, sogar auf null Prozent gesenkt.

Die EZB werde nur Anleihen am Markt ankaufen, wenn es aus geldpolitischen Gründen notwendig sei, fügte Coeure hinzu. Zudem müsse die Reform zur Bankenaufsicht zügig umgesetzt werden - vorzugsweise noch vor Jahresende.

EZB-Ratsmitglied Christian Noyer sagte auf derselben Veranstaltung, dass die Notenbanken nicht die Fehler im Finanzsystem ausbügeln könnten. Die Möglichkeiten der Zentralbanken zur Intervention seien begrenzt. "Sie können vorübergehende Marktprobleme beheben, die durch Illiquidität im Zuge von Unsicherheiten verursacht wurden.

Sie können jedoch nicht dauerhaft Finanzmärkte und Banken bei finanziellen Engpässen ersetzen", ergänzte der französische Notenbankchef. Niedrige Leitzinsen könnten in Krisenzeiten die Wirtschaft stabilisieren. Langfristig stellten sie aber ein Risiko für Investoren dar und könnten zur Blasenbildung beitragen, warnte Noyer.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EZB-Direktoriumsmitglied: Leitzinssenkung soll Deflationsgefahr mindern"

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  • Weshalb sollte das speziell für Deutschland eine Stagflation für Deutschland bedeuten? Warum nennen Sie als Referenz Japan?? Dort gab es keine Stagflation sondern zeitweise Deflation. Bitte informieren Sie sich entsprechend bevor sie mit Begrifflichkeiten um sich schmeissen. Weshalb zahlt Deutschland? Momentan profitieren wir aktuell von den verzerrt niedrigen Refinanzierungszinsen und den hervorragenden Exportbedingungen. Zahlen tun wir erst, wenn es zu einem Ausfall der Rettungsforderungen kommt. Und dies ist umso wahrscheinlicher, je stärker wir herumzaudern und -zetern ohne die entscheidenden Schritte zur Überarbeitung des europäischen Projekts (zentrale Bankenaufsicht, -Restrukturierungsfonds etc.) kommt, sprich die Nachrüstung der Institutionen die bei der Einführung des Euro so sträflich unterbewertet wurden.

    Negatives populistisches Gejammere a la "wir sind die alleinigen Zahlen, die anderen haben alles falsch gemacht, wir haben alles richtig gemacht" wird der Wahrheit zum einen nicht gerecht, zum anderen ist es in keiner Weise produktiv.
    Und die Schuld dann nur auf die Volksvertreter abzuschieben ist genauso einseitig wie bequem. Engagieren Sie sich eben selbst politisch, bieten Sie Alternativen und machen Sie es besser!

  • Q say the truth: Völlige Fehleinschätzungen wie diese, erlauben die Stagflation nach japanischem Modell speziell für Deutschland. 30 Jahre Stillstand in Europa mit Zentrum in Deutschland sind fast sicher. Bei dieser Gemegenlage, wünscht man sich in der Tat die Inflation oder sogar Hyperinflation zurück. Aber Deutschland wird zahlen zahlen zahlen. Die Bürger verarmen und das mit Recht, da sie sich jeden politischen Mist haben andrehen lassen. Es ist Krieg--Wirtschaftskrieg und Deutschland hat noch alle Kriege verloren, so auch diesen.

  • Meinte die Leitzinssenkung auf 0,75 % wird die Inflation im Norden noch erhöhen.

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