EZB-Direktoriumsposten
EU-Parlament sträubt sich gegen Luxemburger Mersch

Der Währungsausschuss des Europaparlaments hat am Abend gegen die Nominierung des Luxemburgers Yves Mersch für das EZB-Direktorium gestimmt. Die Parlamentarier wollen den Posten mit einer Frau besetzen.
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StraßburgDer Streit um die Neubesetzung eines Top-Postens in der Europäischen Zentralbank (EZB) schwelt weiter. Der EU-Parlamentsausschuss für Wirtschaft und Währung stimmte am Montag mit 21 zu 12 Stimmen gegen den Einzug des Luxemburger Notenbankchefs Yves Mersch (63) in das EZB-Direktorium. Der Grund: die Volksvertreter wollen eine Frau in der Chefetage.

„Wir sind dagegen, dass die mächtigste Institution der EU für die nächsten sechs Jahre ausschließlich von Männern geleitet wird“, sagte die liberale britische Ausschuss-Vorsitzende Sharon Bowles. Das letzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen, und ein Kompromiss scheint möglich.

Das EU-Parlament hat in dieser Frage zwar nur ein Anhörungsrecht, doch zählt der politische Druck. Ohne Zustimmung der Volksvertretung wäre die Legitimation des EZB-Kandidaten geschwächt. Unklar ist, ob sich die Regierungen über ein negatives Votum des Parlaments hinwegsetzen würden. Am Donnerstag wird das gesamte Parlament über die Berufung Merschs abstimmen.

Die Kritik des Ausschusses richtet sich nicht gegen die fachliche Qualifikation des Luxemburgers, der langjährige Erfahrung als Notenbanker und Finanzaufseher mitbringt und gewichtige Fürsprecher in der EZB hat. Er gilt als Verbündeter Deutschlands und geldpolitischer Hardliner. Die britische Ausschussvorsitzende Sharon Bowles stellte nach der Abstimmung klar, dass sich die Kritik dagegen richtet, dass "die mächtigste Einrichtung der EU für die nächsten sechs Jahre ausschließlich von Männern geführt wird". So könne der Kulturwandel im Finanzwesen nicht gelingen.

Bowles stellte klar, dass sie vom EU-Präsidenten Herman Van Rompuy, der am heutigen Dienstag im Parlament reden soll, ein Versprechen erwartet, künftig mehr Frauen in europäische Spitzenpositionen zu hieven. Das sei für ihn die letzte Gelegenheit, warnte sie.

Der Sitz im Direktorium der EZB ist schon seit dem 31. Mai vakant. Damals schied der Spanier Jose Manuel Gonzalez-Paramo nach dem Ende seiner achtjährigen Amtszeit aus. Der nächste Posten wird erst wieder 2018 frei, wenn Vizepräsident Vitor Constancio ausscheidet. EZB-Präsident Mario Draghi hat an das Parlament appelliert, die Hängepartie um Merschs Berufung zu beenden, weil die Arbeitslast des Direktoriums ständig zunehme.

Agentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Bloomberg / Nachrichtenagentur
Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

Kommentare zu " EZB-Direktoriumsposten: EU-Parlament sträubt sich gegen Luxemburger Mersch"

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  • "Schröder räumte ein, dass eine Frauenquote Männer benachteiligen könne. „Jeder, der über die Frauenquote redet, muss ehrlich zugeben, dass sie im Einzelfall gegenüber Männern ungerecht sein kann. Der Mann, der wegen der Quote nicht zum Zug kommt, kann ja nichts dafür, dass er ein Y-Chromosom hat und dass jahrhunderte lang Männer dominiert haben.“ "

    So ist das überall :)
    Partnerschaft und Gleichberechtigung (oder wie man das immer nennen will) hat seinen "Preis".
    Alles andere ist unsinniger Geschlechterkampf, denn der finanziell schwächere immer verlieren wird, und aufgrund der Gegebenheit immer verlieren muß.
    Aber finanziell benachteiligt sind Männer noch lange nicht, und die Minirenten die Frauen immer noch deutlich mehr bekommen als Männer sprechen auch für sich.
    Also noch ein langer Weg, auch mental.

  • Frauenquote:
    ===========
    Die einzige Qualifikation, die für diesen Posten erforderlich ist, ist also eine Frau zu sein? Traurig!
    Aber das paßt zu den Eurokraten und der EZB.

    Ein witerer Grund, warum Mersch abgelehnt wurde/wird ist:
    "Südländer wie Spanien hatten bis zuletzt auf eine Vertretung in den Spitzengremien gehofft. Mersch gilt als Gegner von Anleihenkäufen wie sie EZB-Chef Mario Draghi im Sommer durchgesetzt hatte. Diese seien langfristig nicht durchsetzbar, sagte er zu Jahresbeginn."

  • Auch Bereiche im öffentlichen Dienst, die mit Frauen überschwemmt sind, heißt es immer noch dass Frauen und Behinderte bevorzugt eingestellt werden. Sehr schlimm für geeignete Kandidaten, zumal der Gleichstellungsbeauftragte immer weiblich sein muss. Männer also von öffentlichen Ämtern ferngehalten werden.

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