EZB
Draghi will den Geldhahn weiter aufdrehen

De EZB stellt sich auf einen längeren Kampf gegen die drohende Deflation in der Euro-Zone ein. Vor dem Europaparlament bekräftigte Mario Draghi nun, die Geldschleusen notfalls noch weiter zu öffnen.

BrüsselEZB-Präsident Mario Draghi hat vor dem Europaparlament seine Bereitschaft bekräftigt, notfalls die Geldpolitik zur Ankurbelung von Konjunktur und Inflation noch weiter zu lockern. Aus heutiger Perspektive könnte es länger dauern als im März gedacht, bis sich die Preisentwicklung wieder anhaltend normalisiere, sagte Draghi am Donnerstag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss in Brüssel.

„Auf unserer Sitzung im Dezember werden wir den Grad der geldpolitischen Unterstützung erneut prüfen”, sagte der Italiener. Sollte die Europäische Zentralbank (EZB) zum Schluss kommen, dass das mittelfristige Inflationsziel in Gefahr sei, werde sie mit allen zur Verfügung stehenden Instrumenten handeln.

Die Währungshüter pumpen seit acht Monaten mit dem Kauf von Staatsanleihen Woche für Woche Milliarden in das Bankensystem. Damit sollen Investments in Anleihen unattraktiv werden und Banken mehr Kredite vergeben. Das Ziel: Mehr Wachstum und Inflation. Doch im Oktober verharrten die Preise im Währungsraum auf dem Vorjahresniveau, nachdem sie im September sogar gesunken waren. Die EZB strebt aber mittelfristig eine Inflation von knapp unter zwei Prozent an, die sie als ideal für die Wirtschaft betrachtet.

Dieses Ziel scheint aktuell aber nicht greifbar. "Die Anzeichen einer nachhaltigen Wende bei der Kerninflation haben sich etwas abgeschwächt", sagte der EZB- Präsident am Donnerstag bei einer Anhörung im Europa-Parlament in Brüssel. "Die langwierige Konjunkturschwäche der vergangenen Jahre lastet weiterhin auf dem nominalen Lohnwachstum, und das könnte in Zukunft den Preisdruck dämpfen."

Nicht zuletzt der Einbruch der Energiepreise und die allgemeine wirtschaftliche Eintrübung wirken sich auf die Kerninflation aus. Das könnte dazu führen, dass Verbraucher künftig niedrigere Preise erwarten. Das wiederum wären schlechte Nachrichten für das Inflationsziel der EZB.

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