EZB
Draghis missglückter PR-Coup

Gerade hat die EZB angekündigt, dass sie die Terminkalender ihrer Direktoriumsmitglieder veröffentlichen will. Doch jetzt wird klar: Das geschah wohl nicht ganz freiwillig. Die Notenbank war in Bedrängnis geraten.

FrankfurtFür die Europäische Zentralbank (EZB) war es ein Beispiel für ihr Bemühen um Transparenz. Als sie am vergangenen Freitag ankündigte, ab Februar 2016 die Terminkalender ihrer Direktoriumsmitglieder veröffentlichen zu wollen, begründete sie dies damit, ihre Transparenz- und Rechenschaftsverpflichtung unterstreichen zu wollen.

Doch jetzt wird klar: Der Schritt kam offenbar nicht ganz freiwillig. Die britische Finanzzeitung „Financial Times“ (FT) hatte eine Anfrage an die EZB zur Veröffentlichung der Terminkalender gestellt und sich dabei auf das Gesetz zur Informationsfreiheit berufen. Die EZB war daher unter Zugzwang geraten. Die EZB wollte sich nicht dazu äußern, seit wann ihr die Anfrage der Zeitung vorliegt. Auffällig ist jedoch das zeitliche Zusammentreffen zwischen der EZB-Entscheidung und der Veröffentlichung der Terminkalender durch die FT.

Aus den Terminkalendern der Direktoriumsmitglieder geht hervor, dass die obersten Führungsmitglieder der EZB kurz vor wichtigen geldpolitischen Entscheidungen mit Bankern und Managern aus der Finanzwirtschaft getroffen haben. Die Treffen fanden zum Teil zu Zeitpunkten statt, an der ihr öffentliche Diskussionen über geldpolitische Themen untersagt sind, wie von der EZB am Dienstag zugänglich gemachte Dokumente zeigten. Darunter waren Gespräche mit Vertretern der Bankhäuser BNP Paribas, UBS, BlackRock, Goldman Sachs und Instituten wie dem Bruegel-Institut.

Solche Treffen verstoßen gegen keine Regeln. Die Direktoriumsmitglieder dürfen sich jederzeit mit einzelnen Marktteilnehmern treffen. Allerdings dürfen die Gespräche keinen Aufschluss über die Geldpolitik geben.

Seite 1:

Draghis missglückter PR-Coup

Seite 2:

Coeuré traf Banker kurz vor Zinsentscheid

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%