EZB-Entscheidung
Fehlzündung im Währungskrieg

Die Ohnmacht der Europäischen Zentralbank erleichtert der US-Notenbank das Leben. Zumindest auf kurze Sicht steht die Fed dadurch weniger unter dem Druck des Devisenmarkts.
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New YorkZum zweiten Mal innerhalb weniger Monaten hat sich gezeigt, dass Mario Draghi nicht mehr Super-Mario ist. Wenige Minuten nachdem der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) seine geldpolitische Bazooka gezündet hatte, sagte der bekannte US-Ökonom Mohamed El-Erian in New York: „Die Märkte scheinen wie gewünscht zu reagieren. Die Frage ist nur, wie lange das anhält.“

Es hielt nicht lange. Schon während Draghis Pressekonferenz gerieten Kurse und Preise wieder auf Abwege. Er äußerte sich zurückhaltend zu der Frage, ob weitere geldpolitische Schritte zu erwarten seien, um die europäische Konjunktur anzutreiben und die Gefahr sinkender Preise zu bannen. Diese Zurückhaltung führte dazu, dass die Märkte im Laufe des Donnerstags den Glauben an Draghi verloren.

Die Aktien und Anleihen waren schwächer, der Euro stärker. Damit wurde klar: Während Draghi ein paar Jahre lang die Märkte bewegen konnte, indem er redete ohne zu handeln, folgen Sie ihm jetzt nicht einmal mehr, wenn er handelt.

Wachstum über Wechselkurse

Sie tun eher das Gegenteil von dem, was er ihnen vorgeben möchte. Draghi hatte die Leitzinsen noch weiter gesenkt und eine Erweiterung seines Ankaufs von Anleihen angekündigt – beides im historischen Vergleich, vor allem in Kombination, sehr weitgehende Schritte.

Für die US-Notenbank (Fed) wird das Leben dadurch aber zumindest kurzfristig leichter. Denn auch wenn keiner das Wort ausspricht: Die Welt befindet sich längst in einem Währungskrieg. Die Lesart von El-Erian lautet: „Weil das Wachstum weltweit schwächelt, versuchen die Staaten, sich über die Wechselkurse gegenseitig Wachstum wegzunehmen.“

Genau so interpretiert er Draghis Politik, betont aber gegenüber seinen amerikanischen Zuhörern: „Wir haben das vorher genau so gemacht mit dem massiven Ankauf von Anleihen.“ Wenn Draghi aber den Euro nicht weiter drücken kann, muss sich die Fed weniger wegen eines zu starken Dollars sorgen.

Während Japan und Europa mit Minuszinsen experimentieren, versucht die Fed, die Zinsen zu erhöhen. Nach einem ersten Schritt im Dezember tagt sie erneut in der kommenden Woche. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sie dann nichts unternehmen.

Noch sind die Inflationszahlen nach überwiegender Meinung zu schwach, um eine weitere Zinserhöhung zu rechtfertigen, außerdem sitzen den Amerikanern die Turbulenzen an der Börse noch in den Knochen. Aber für den Rest des Jahres, etwa im Juni oder September, ist wieder alles offen.

Eine Weile kochten in den USA unter dem Eindruck des Einbruchs an der Börse Sorgen hoch, eine Rezession könnte aufziehen, oder eine Wiederholung der Finanzkrise zeichne sich ab. Mit der Erholung der Märkte sind diese Ängste nicht völlig gebannt, aber deutlich in den Hintergrund getreten.

Außerdem zeigt sich, dass die US-Wirtschaft ungerührt von den Ängsten der Börsianer neue Jobs schafft. Dass die Löhne trotzdem kaum anziehen liegt auch daran, dass Leute in den Arbeitsmarkt zurückkehren, die sich schon resigniert daraus verabschiedet hatten.

Damit ist die Lage wieder ähnlich wie im Dezember: Das Wachstum ist mäßig, aber stetig, der Arbeitsmarkt stark und die Inflation niedriger als gewünscht. Damit sind aber weitere Zinserhöhungen denkbar, sobald sich auch nur ein Hauch von etwas mehr Inflation zeigt.

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  • Der Überbringer von schlechten Nachrichten. Die Entscheidung wurde vom EZB Rat entschieden, von den Notenbank Chef aus 18 Mitglied Staaten.

  • Man kann von den Amerikaner halten was man will,aber eines Verstehen sie wirklich, wie man Geld macht. Lassen sie mich Raten, Notenbank-Chefin Janet Yellen. wird am 16. März den Leitzins erhöhen. Und so Investoren und Kapital ins Land holen.
    Und wenn einer aus der Wirtschaft nächster Präsident wird, wird er die Rahmen Bedingung für die Wirtschaft noch verbessern. ob es für Arbeitnehmer gut ist, steht auf einem andern Blatt.
    Und die Europäer Gucken wieder ein mal in die Röhre.

  • Umgangssprachlich haften dem Wort „Narzissmus“ meist negative Bedeutungen an. Im Alltagsverständnis ist ein Narzisst ein Troll, der sich sehr auf sich selbst bezieht und dabei andere vernachlässigt. Auf der spirituellen Ebene ist ein Narzisst ein Mensch, der den Kontakt zum Sein verloren hat. Dieser Mensch ist in seiner narzisstischen Persönlichkeitsstruktur wie in einem Gefängnis eingesperrt. Das Gefängnis wird jedoch oft erst dann offensichtlich, wenn die Sehnsucht nach dem „Sinn des Lebens“, nach dem „eigentlichen“ und nach dem „Glück“ nicht verstummen will.

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