EZB, Federal Reserve und Bank of Japan
Keiner glaubt mehr den Notenbanken

Mit drastischen Mitteln haben sich die Notenbanken weltweit gegen sinkende Preise und eine Rezession gestemmt. Doch klare Erfolge sind nicht absehbar. Damit gerät die Glaubwürdigkeit der Notenbanken in Gefahr.

FrankfurtDer Architekt der ultra-lockeren Geldpolitik glaubte fest an die Mittel der Notenbanken. „Die US-Regierung verfügt über eine Technologie, genannt Druckerpresse, die ihr die Produktion so vieler US-Dollars erlaubt, wie sie wünscht“, sagte der frühere Chef der US-Notenbank Ben Bernanke. Damit könne sie sinkende Preise stets verhindern. In Bernankes Amtszeit begann die Federal Reserve mit dem massiven Ankauf von Anleihen und Wertpapieren.

Ähnlich agierten auch die anderen großen Notenbanken weltweit – die japanische Notenbank, die Bank von England und neuerdings auch die Europäische Zentralbank (EZB). Ihr Ziel war ähnlich: Sie wollten eine wirtschaftliche Rezession und sinkende Preise verhindern. Doch auch sieben Jahre nach dem Start dieses beispiellosen Geldexperiments ist dieses Ziel noch nicht erreicht. Selbst nachdem Billionen von Dollar in quantitative Lockerung geflossen sind, nähern sich die Inflationserwartungen der Anleihemärkte weltweit Tiefständen, wie sie zuletzt während der Finanzkrise vorkamen. In den USA, in Europa und in Japan liegen diese Erwartungen mittlerweile tiefer als zu der Zeit vor der jüngsten Runde der Anleihekaufprogramme der jeweiligen Zentralbanken.

Investoren rechnen infolgedessen kaum noch damit, dass die Federal Reserve vor dem Jahresende die Zinswende einleitet. Die Wetten darauf, dass der nächste Straffungszyklus in den Vereinigten Staaten nicht so stark ausgeprägt sein wird wie von Notenbankern für die kommenden Jahre prognostiziert, nehmen zu. Und obwohl Vertreter der Europäischen Zentralbank und der Bank von Japan das Gegenteil versichern, wird immer stärker darauf spekuliert, dass beide Institutionen ihre quantitative Lockerung angesichts deflationären Drucks ausweiten müssen.

„Das Vertrauen in die Geldpolitik ist geschwunden; man hat alles mobilisiert, die Zinsen auf null gesenkt, man druckt Geld - und die Inflation ist immer noch niedrig“, sagte Lee Ferridge, Leiter Makrostrategie für Nordamerika bei State Street Corp. „Damit entsteht ein risikoscheues Umfeld.“

Jüngste Konjunkturdaten haben Forderungen nach verstärkter Aktivität der wichtigsten Notenbanken Auftrieb verliehen. Im Euroraum sind die Verbraucherpreise unerwartet gesunken, Japan ist in die Deflation zurückgefallen und in den USA stagnieren die Löhne immer noch. Christine Lagarde, die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, hat durchblicken lassen, dass die Organisation kurz davor steht, ihren Ausblick für die Weltwirtschaft zu senken.

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