EZB-Geldpolitik
„Die Deflationsgefahr ist vom Tisch”

Interner Widerstand verhinderte, dass EZB-Präsident Draghi die Geldschleusen weiter öffnet. Nun melden sich mit Benoit Coeure und Peter Praet zwei Währungshüter zu Wort, die die Geldpolitik verteidigen.

Helsinki/LondonAm 3. Dezember hatten die Kapitalmärkte das ganz große Ding von Mario Draghi erwartet. Doch der EZB-Präsident ging nicht so weit, wie viele gedacht hatten. Später hieß es, der Widerstand innerhalb der Zentralbank hätte verhindert, dass die Geldschleusen im Kampf gegen die niedrige Inflation in der Euro-Zone weiter geöffnet wurden. Aus Zentralbankkreisen in der Eurozone hieß es, dass der Präsident fünf Ratsmitglieder nicht für seine Konjunkturmaßnahmen gewinnen konnte.

Nun melden sich innerhalb kurzer Zeit zwei EZB-Offizielle zu Wort, die die geringfügig angepassten geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbank verteidigen. Zunächst erklärte EZB-Direktor Benoit Coeure auf einer Veranstaltung in Helsinki: „Das größte Risiko bei der Inflation ist nun vom Tisch: Das war die Gefahr einer Deflation.”. Falls sich die Teuerung zu weit von zwei Prozent entferne, führte er aus, könne die EZB ihr großes Wertpapier-Kaufprogramm anpassen. Coeure sitzt im sechsköpfigen Führungsgremium der EZB.

Einige Stunden später pflichtete der EZB-Chefvolkswirt Peter Praet dem Franzosen bei. Die großangelegten Anleihen-Käufe der EZB werden seiner Einschätzung nach die Inflation im Euro-Raum anheizen. Die geldpolitischen Schritte hätten bereits zu einer erheblichen Erleichterung bei der Kreditvergabe in der Wirtschaft geführt, sagte Praet auf einer Konferenz in London laut Redetext. Die Maßnahmen würden auf diesem Weg dazu beitragen, dass die Inflation im Währungsraum mittelfristig wieder in die Nähe von zwei Prozent zurückkehre. „Erste Belege bestätigen, dass die aktuellen Politik-Schritte spürbare Ergebnisse liefern“, sagte der Ökonom.

Die EZB hatte Anfang Dezember beschlossen, die monatlichen Anleihen-Käufe im Volumen von rund 60 Milliarden Euro um mindestens sechs Monate bis Ende März 2017 zu verlängern. Allein dadurch erhöht sich das Anleihen-Kaufprogramm um 360 Milliarden Euro auf rund 1,5 Billionen Euro.

Noch hat die Euro-Zone allerdings nach wie vor mit nur sehr mäßig steigenden Teuerungsraten zu kämpfen. Die Preise im Euro-Raum sind auch im November gegenüber dem Vorjahresmonat nur um 0,1 Prozent gestiegen, teilte die Europäische Statistikbehörde am Mittwoch mit. Am stärksten waren die Rückgänge für Energie mit einem Minus von 7,3 Prozent, während vor allem Nahrungsmittel und Tabak teurer geworden sind.

Von den günstigen Energiepreisen, die mit der geringen Teuerungsrate einhergeht, profitieren vor allem die Verbraucher sowie einige Unternehmen, die energieintensiv wirtschaften. Ein Abrutschen der Preise auf breiter Front – von Fachleuten Deflation genannt – kann eine Wirtschaft aber für längere Zeit lähmen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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