EZB hebt Sonderregelung für Staatsanleihen auf: Warnschuss für Griechenland

EZB hebt Sonderregelung für Staatsanleihen auf
Warnschuss für Griechenland

Die EZB erschwert griechischen Banken den Zugang zu frischem Geld. Staatsanleihen des Krisenlandes gelten nicht mehr als Sicherheit für EZB-Kredite. Die Entscheidung könnte verheerende Folgen nach sich ziehen.
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FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) hat überraschend den weiteren Zugang der griechischen Banken zu frischem Zentralbankgeld erschwert. Die europäischen Währungshüter hoben am Mittwoch die Sonderregelungen für den Einsatz griechischer Staatsanleihen als Sicherheiten auf.

Ab dem 11. Februar können griechische Staatsanleihen demnach nicht mehr als Sicherheit für EZB-Kredite genutzt werden. Die Notenbank begründete ihren Schritt damit, dass ein erfolgreicher Abschluss der Überprüfung Griechenlands derzeit nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden könne. Nach der Mitteilung der europäischen Geldwächter gab der Euro nach. US-Staatsanleihen waren dagegen verstärkt gefragt.

Als Folge des Beschlusses wird die griechische Zentralbank ihre heimischen Geldhäuser möglicherweise bald verstärkt mit Milliarden an Notfall-Liquiditätshilfen - genannt „ELA“ - unter die Arme greifen müssen – und zwar auf eigenes Risiko. Denn käme die griechische Zentralbank dadurch in Schwierigkeiten, dann müsste der griechische Staat einspringen.

Nach Angaben Griechenlands hat die EZB die Obergrenze für solche Notkredite um zehn Milliarden Euro angehoben. Damit sei das Bankensystem geschützt, erklärte ein Regierungsvertreter in Athen am Donnerstag.

Die Börse in Tokio reagierte prompt mit deutlichen Verlusten. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gab um 174,12 Punkte oder 0,98 Prozent auf 17 504,62 Zähler nach. Der breit gefasste Topix büßte um 6,89 Punkte oder 0,49 Prozent auf 1410,11 Punkte ein. Auch der Dax notiert vorbörslich im Minus.

Die härtere Gangart der EZB gegenüber Griechenland könnte nach Einschätzung des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. „Wie zu erwarten war, so wird versucht die EZB politisch zu instrumentalisieren“, sagte Fratzscher dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Kurzfristig könnten die Notfall-Liquiditätshilfen (ELA) die griechischen Banken zwar sicherlich stützen. „Aber dies ist ein gefährliches Spiel, denn Bürger und Investoren könnten das Vertrauen in die griechischen Banken verlieren und ihre Einlagen abziehen“, warnte der DIW-Chef. „Ein solcher Bank-Run würde Griechenland in eine noch tiefere Krise stürzen.“

Kommentare zu " EZB hebt Sonderregelung für Staatsanleihen auf: Warnschuss für Griechenland"

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  • Nur zur Erinnerung an alle Interessierten:

    Grundfreibetrag der Einkommenssteuer

    a) Griechenland 10.500,-€
    b) Deutschland 8.354,-€ (seit 01.01.2014)

    ach...und wer noch schmunzeln will

    c) Zypern 19.500,-€

    alles gerne nachzulesen auf Wikipedia....mehr muss man ja nicht sagen...man schweigt und genießt das Treiben der Nebelkerzenwerfer...:-)

  • Siehe China oder Singapur. Aber das werden die stolzen Griechen empört ablehnen.
    So wie sie die Steuern auch ablehnen.
    Übrigens, was für eine Wirtschaft hat den Griechenland? Mir ist keine nennenswerte, nachhaltige bekannt..

  • Warnschuss für Griechenland? Ich bezweifle das die den Knall überhaupt gehört haben. Die sind der Meinung, das ist deren Applaus.

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