EZB-Konferenz Krugman fordert mehr Inflation in der Eurozone

US-Nobelpreisträger Paul Krugman warnt vor den Risiken einer niedrigen Preissteigerung. Sie könne schnell in eine „politische und ökonomische Falle führen“. EZB-Chef Draghi zeigt sich ebenfalls entschlossen.
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US-Nobelpreisträger Paul Krugman plädiert für mehr Inflation in der Eurozone. Quelle: Reuters

US-Nobelpreisträger Paul Krugman plädiert für mehr Inflation in der Eurozone.

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SintraUS-Ökonom Paul Krugman rät den Europäern zu mehr Inflation. „Es gibt zunehmend Indizien dafür, dass Volkswirtschaften, die in einen starken Abschwung mit niedriger Inflation geraten, allzu leicht in eine ökonomische und politische Falle geraten“, sagte der Wirtschaftsnobelpreisträger am Dienstag bei einer Konferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) im portugiesischen Sintra. In einem solchen Fall hielten sich wirtschaftliche Schwäche und niedrige Inflation gegenseitig in Gang.

„Deshalb kann ein relativ hohes Inflationsziel in normalen Zeiten als Versicherung angesehen werden - als ein Weg, mögliche sehr schlechte Folgen zu verhindern“, sagte Krugman. Für den Euroraum strebt die EZB mittelfristig Teuerungsraten von knapp unter 2,0 Prozent an. Auf diesem Niveau sehen die Währungshüter stabile Preise gewahrt.

Seit Monaten liegt die Inflation im Euroraum allerdings deutlich unter dieser Marke, im April bei 0,7 Prozent. Einige Ökonomen warnen daher vor einer Deflation - also einem Preisverfall auf breiter Front, der die Konjunktur abwürgen könnte. EZB-Präsident Mario Draghi hatte bekräftigt, die Notenbank werde nicht zulassen, dass die Inflation zu lange zu niedrig bleibe. „Wir sind uns bewusst, dass eine zu lange Periode niedriger Inflationsraten Risiken birgt“, sagte Draghi in Sintra. Draghi bekräftigte, die EZB werde im Rahmen ihres Mandates ihren Beitrag zu einem stabilen Umfeld in Europa leisten: „Die EZB wird alles tun, was möglich ist.“




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10 Kommentare zu "EZB-Konferenz: Krugman fordert mehr Inflation in der Eurozone"

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  • Sie haben absolut Recht.
    Da unser Schuldgeldsystem eine stetige Aufschuldung benötigt und ohne eine stetig steigende Kredit- (=Schulden)Expansion deflationär abrauchen würde, muss der Credit Crunch unter allen Umständen verhindert werden.
    Der momentan kritischste Punkt hier ist die "schwerste" Asset-Klasse (die Alles umreißen kann, wenn sie untergeht) - nämlich der Immobilienmarkt. Das System ist so krank, dass man unbedingt die Immobilienblase wieder aufblasen musste und ein erneutes Platzen unbedingt verhindert werden muss. (Erinnern Sie sich noch einmal an den Mechanismus der Subprime-Krise!) Steigt durch die Asset-Inflation der Buchwert der Immobilien an, kommen etliche verschuldete Häuslebesitzer, deren Hypothek unter Wasser stand, wieder aufs Trockene und auf das im Wert gestiegene Haus kann man dann ja wieder schön ein weiteres Darlehen aufnehmen (z.B. für einen Traumurlaub - selbstverständlich auf Kredit).
    Das ist also in der Tat noch fast die einzige Möglichkeit (vor allem in den USA), trotzdem mehr Kredite (für den Konsum und den "Aufschwung" auf Pump) bei der verschuldeten Masse zu generieren...

  • Wer unternimmt es, dem Herrn sein Schulgeld wieder auszuzahlen?

    1- Bisher wurden 2% Inflation als Zielmarke gehandelt, die möglichst nicht überschritten werden sollte. Die BuBa hielt es so und die EZB in ihrer vor-Draghi-Zeit ebenfalls. Nun soll dieser Wert plötzlich als Norm gelten, welch' ein Schmarrn.

    2- Deflation entsteht, wenn der Geldkreislauf das Warenangebot nicht deckt. Wir haben aber das Gegenteil, nämlich zuviel Geld im Umlauf. Das ist wie eine Lawine, die oben am Berg hängt und auf das richtige Wetter wartet, um zu Tal zu fahren.

    3- Daß dies noch nicht passiert ist, liegt einerseits daran, daß die Geldumlaufgeschwindigkeit so gering ist wie schon sehr lange nicht mehr (Geld wird gebunkert, von den Banken, von der Wirtschaft, von den Haushalten), weil jeder Angst vor der (wirtschaftlichen) Zukunft hat. Anderseits läßt der Preisdruck aus Asien und den Schwellenländern die Preise noch nicht steigen. Wenn diese Konditionen sich ändern, und das werden sie, dann ist die Inflation da, ganz gewaltig sogar.

  • "Es gibt zunehmend Indizien dafür, dass Volkswirtschaften, die in einen starken Abschwung mit niedriger Inflation geraten, allzu leicht in eine ökonomische und politische Falle geraten"

    Das ist nicht ganz richtig. Man gerät nicht in eine Falle, man befindet sich bereits in ihr,

    Wie lassen sich denn in einer Volkswirtschaft mit 10% Arbeitslosen deutlich höhere Preise durchsetzen ohne dass die Bürger aufmüpfig werden? Mit Geldpolitik und über die Inflationsschraube kommt man aus der Falle nicht heraus. Geldpolitik der Notenbank hilft in so einem Fall auch aufgrund von Gewöhnungseffekten nicht mehr so wirklich weiter, sondern muss zwingend durch entschlossenes Handeln der Politik begleitet werden: Das bedeutet allerdings auch kurzfristig eine höhere Staatsverschuldung (etwa für Beschäftungsprogramme/Förderung) in Kauf zu nehmen und gleichzeitig Strukturreformen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit durchzuführen.

  • Ich erhöhe, er ist blind auf beiden Augen. Die Keynesianische Wirtschaftspolitik (Geldpolitik) wurde ad absurdum geführt. Inflation entsteht durch Erhöhung der Geldmenge UND Transfer dieser Erhöhung in Nachfrage nach Konsumgüter. Momentan fließt Geld nur in Vermögenswerte wie Immobillien, Aktien etc, aber nicht in den Konsum. Die Masse der Konsumenten hat kein Geld mehr (die Löhne stagnieren oder sinken) und bekommt auch keins mehr als Kredit. Letzteres kann die EZB NICHT beeinflussen. Wenn Inflation generiert werden soll (ich sage nicht, dass sie gut ist), muss der Staat agieren. Sich weiter verschulden und/oder Steuern senken. Dann aber würden zunächst die Lebensmittel-, Energie- und die Wohnkosten steigen, weil die unabdingbar sind. Geld für Elektro- und Blechschrott & Dienstleistungen (Wachstums- und Jobbgeneratoren) bliebt trotzdem nicht genug übrig.

    Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Oder, einem nackten Mann kann man nicht in die Taschen fassen. Vielleicht kommt doch noch der Hubschrauber von Helicopter Ben vorbei.




  • "Krugmann ist Jude" : Na und? Es ist vollkommen egal, was er glaubt.

    "u. wittert Geschäfte!": Nein - aber er ist ein Gefangener seiner Theorie.

  • Das kann es also nicht sein, was Deflation schlecht macht.

    Was ist es aber dann?

    Ganz einfach: Es ist das, was hinter den fallenden Preisen steht.

    Die Ursachen liegen in der schrumpfenden Geldmenge!

    Denn die Menge an Geld muss ständig wachsen, damit das Schuldgeldystem reibungslos funktioniert.

    Schrumpft sie dagegen, was passieren kann, wenn weniger Kredite ( Geld entsteht nur über Kredit ) neu aufgenommen als gleichzeitig getilgt werden, gibt es ein Problem:

    Dann steht zum Beispiel nicht mehr genug Geld zur Verfügung, damit alle Schuldner ihre Kredite ordentlich bedienen können.

    Zum Bezahlen von Zinsen und Tilgungen braucht man schließlich Geld.
    Und davon ist nur bei wachsenden Geldmengen immer genügend vorhanden. Bei schrumpfenden Geldmengen werden Schuldner also benachteiligt, da es für sie schwieriger wird, die festgesetzten Raten zu begleichen

    Klappt es nicht mit dem Geldmengenwachstum, geht es bergab mit der Wirtschaft!
    Und kommt es ganz schlimm wie in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, wird daraus sogar eine anhaltende und tiefe Krise!

    Die große Depression, wie sie damals genannt wurde, ist das einzige Beispiel in der jüngeren Geschichte, in dem die Geldmenge in den USA über längere Zeit hinweg geschrumpft ist.
    Kein Wunder also, dass die Notenbanken Ähnliches mit allen Mitteln verhindern wollen.

    Fallende Preise sind in einer solchen Krise nur ein Symptom des Übels.

    Ich sehe daher ganz klar die Gefahr gegeben, dass in einigen Euroländern schon bald eine deflationäre Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen, sinkender Wirtschaftstätigkeit und sinkenden Löhnen in Gang kommen könnte.

  • Wer hat Angst vor Deflation?

    In jüngster Zeit wird häufig vor einer Deflation gewarnt.

    Und was ist eine Deflation überhaupt?

    Die Menge an Geld und Schulden muss ständig wachsen, damit das verzinste Schuldgeldsystem reibungslos funktioniert.

    Schrumpfen sie dagegen, gibt es ein Problem: ein Geldsystem-Problem!

    Wenn wir Deutschen uns vor etwas fürchten, dann eher vor dem Gegenteil, also vor Inflation.
    Denn damit mussten unsere Vorfahren schlechte Erfahrungen machen. Zudem hat man uns in den Lügenmedien in den vergangenen Jahren doch immer genau vor diesem Gegenteil gewarnt - warum also sollte jetzt plötzlich das Gegenteil drohen?

    Da kann der normale Bürger nur verständnislos den Kopf schütteln.

    Im Prinzip fängt die Verwirrung schon damit an, dass die meisten Leute "Inflation" mit steigenden Preisen gleichsetzen - und "Deflation" entsprechend mit fallenden.

    Wenn aber steigende Preise schlecht sind, warum sollten dann fallende ebenfalls schlecht sein?

    Ökonomen erklären dann gerne, wenn die Preise fielen, würden die Leute nichts mehr kaufen, sondern ihr Geld bunkern - in der Hoffnung, sich in Zukunft mehr dafür kaufen zu können.
    Genau dies sei das Schlechte an einer Deflation. Wenn nichts mehr gekauft würde, ginge es auch der Wirtschaft schlecht.

    Mit Verlaub - solche Erklärungen erinnern mich an den verzweifelten Versuch, Deflation für "Dummies" zu erklären und dabei selbst ins Dümmliche abzugleiten.
    Zumal hier Symptome und ihre Ursachen verwechselt werden.

    Grundsätzlich sind fallende Preise nämlich gut, weil man sich dann fürs gleiche Geld mehr leisten kann. Dass dann weniger gekauft würde, stimmt nicht. Im Gegenteil: Wenn sich ein bestimmtes Produkt mehr Leute leisten können, wird es vermutlich auch von mehr Leuten gekauft, sofern es ein sinnvolles Produkt ist, das man auch haben will. Wurden etwa weniger Handys gekauft, als sie billiger wurden?

    Nein, sondern die Nachfrage stieg, je weiter die Preise fielen.

    Das Übel liegt woanders

    Siehe Teil 2

  • Krugmann ist Jude u. wittert Geschäfte!

  • Herr Krugman ist leider blind auf dem einen Auge, denn höhere Inflationen bedingen auch höhere Zinsen und dann ist es fraglich ob die Zinsen für marode Staatsanleihen auf dem niedrigen Niveau gehalten werden können! Dann käme es zur Nagelprobe für die EZB, die dann jede Menge Staatsanleihen kaufen müßte, analog FED. Denn sonst ist die Staatskrise, bisher müßsam durch Draghis Verbalkünsten weggeredet - er mußte bisher nicht wirklich Geld in die Hande nehmen-, wieder voll da! Das ist der Unterschied ,den der "Ami" Krugman ausblendet!

  • "...Risiken einer niedrigen Preissteigerung. Sie könne schnell in eine „politische und ökonomische Falle führen“."

    Genau! Nur eine noch wesentliche schnellere und entschlossene Enteignung von Sparern und zukünftigen Rentnern wird die EU und den Euro retten.

    Die angebliche Gefahr von Lowflation ist ja, das man Anschaffungen zurückstellt, weil sie in einem Jahr nur 1% teurer sein könnten. Wer solch einen geistigen Dünnpfiff verbreitet, sollte seines akademischen Titels entzogen werden.

    Das die Staaten in diese fatale Schuldenfalle erst durch die voodoo-ökonomischen Ratschläge eines Paul Krugmann gekommen sind, verschweigen wir dabei aber lieber. Was kann nun helfen? Noch geringere Zinsen, noch mehr Schulden, die finale Euthanasie der Sparer und ein Rosenkranz zum Schuldenguru Keynes gebetet muss erstmal als kicking-the-can-down-the-road für eine Woche ausreichen.

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