EZB-Kredite für Banken: Draghis Buchstabensuppe

EZB-Kredite für Banken
Draghis Buchstabensuppe

Die Europäische Zentralbank mag es kryptisch – TLTRO II heißt ihr neues Kreditprogramm. Hinter dem Akronym verbirgt sich etwa eine Prämie für Banken, die mehr Kredite vergeben. Doch Ökonomen sind skeptisch.
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Frankfurt am MainMario Draghi hat es wieder geschafft: Obwohl viele Marktbeobachter schon mit einer Lockerung der Geldpolitik gerechnet hatten, konnte der EZB-Präsident sie am Donnerstag verblüffen. Denn Die angekündigten Maßnahmen der Europäischen Zentralbank gehen weiter, als viele erwartet hatten. Zu den Überraschungen gehören zum Beispiel langfristige Kredite für die Banken im Euroraum. Oder kurz gesagt: TLTRO II.

Hinter dem unaussprechlichen Akronym verbirgt sich der englische Begriff „Targeted Longer-Term Refinancing Operations“. Das Instrument gleicht einer Revolution: Denn die EZB zahlt Banken eine Prämie, wenn sich ihre Kreditvergabe besser entwickelt. Das sei eine „verbotene Subventionspolitik zur Stützung von Zombie-Banken und konkursgefährdeten Staaten,“ wettert der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, in der „Bild“-Zeitung.

Konkret legt die EZB ab Juni vier Kreditlinien auf. Banken können sich dann bis zu einer Laufzeit von vier Jahren Geld leihen. Dafür zahlen sie den jeweiligen Leitzins zum Zeitpunkt der Zuteilung von aktuell null Prozent. Die Prämie wird fällig, wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen. Dafür muss sich ihre Kreditvergabe zwischen Februar 2016 bis Februar 2018 besser entwickeln, als im vergangenen Jahr. Es reicht bereits, wenn sich der Rückgang der Kreditvergabe einer Bank verringert.

Ein Beispiel: Eine Bank hat im vergangenen Jahr ihre Kreditvergabe von 100 auf 90 Milliarden Euro um zehn Prozent heruntergefahren. Wenn sie diese nun bis 2018 von 90 auf 85 Milliarden senkt, liegt der jährliche Rückgang im Schnitt unter dem vorherigen Trend von zehn Prozent – sie bekommt die Prämie. Diese wiederum entspricht maximal der Höhe des Einlagenzinses. Der liegt fortan bei minus 0,4 Prozent. Das heißt: Wenn eine Bank entsprechend viele Kredite vergibt, bekommt sie für das von der EZB geliehene Geld pro Jahr 0,4 Prozent Zuschuss. Wenn eine Bank die Bedingungen erfüllt und sich 100 Milliarden Euro bei der EZB leiht, wären das immerhin 400 Millionen Euro.

Für die EZB selbst hat das keine großen finanziellen Auswirkungen. „Durch die Langfristkredite steigt die Überschussliquidität der Banken“, sagt Commerzbank-Analyst Schubert. Auf die Überschussliquidität, die die Banken bei der EZB parken, müssen sie ebenfalls einen Strafzins von minus 0,4 Prozent zahlen. Bislang mussten Banken für Übernachteinlagen bei der EZB einen Strafzins von 0,3 Prozent zahlen.

Kommentare zu " EZB-Kredite für Banken: Draghis Buchstabensuppe "

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  • Wenn das Medikament nicht anschlaegt kann es nur an der Dosierung liegen.

  • Spätestens in einer Stunde ist hier Schluß mit Lustig! Da werden alle Kommentare rausgenommen. Dann ist hier nur noch die übliche Regierungspropaganda zu lesen.

  • Ein Unternehmer nimmt dann einen Kredit auf, wenn die Absatzbedingungen stimmen und die Gewinnmarge und nicht, nur weil die Kreditzinsen unten sind.

    Irgendwo hab ich die Tage gelesen, dass in den letzten paar Jahren die europäischen Unternehmen 400 MRD Euro an Zinsen eingespart haben. Alles Zinsen, die den privaten Sparern entgehen. Weiter so!

    Wieso wundert sich niemand, dass die Konjunktur mangels Kaufkraft der geschröpften Bürger nicht anspringt? Komische Welt.

    http://creditreform-magazin.de/2016/02/27/handelsblatt-news/handelsblatt/unternehmen-sparen-dank-minizinsen-milliarden/

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