EZB-Liveblog
1.140.000.000.000 Euro

Die EZB kauft bis September 2016 monatlich 60 Milliarden Euro an Anleihen. Die Börsen jubeln. Der Euro bricht ein. Staatsanleihen aus Krisenländern erreichen historische Tiefwerte. Draghis Pressekonferenz zum Nachlesen.
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FrankfurtLange hat EZB-Chef Mario Draghi über den möglichen Kauf von Staatsanleihen spekuliert. Heute hat er den Worten Taten folgen lassen: Draghis Pressekonferenz offenbart einen Milliardenankauf von Staatsanleihen. Monatlich soll die EZB ab März bis Ende September 2016 rund 60 Milliarden monatlich investieren – ein Rekord. Draghis Pressekonferenz und Reaktionen im Liveblog zum Nachlesen.

+++ Samaras: Griechenland droht Ausschluss +++
Griechenland droht nach den Worten von Ministerpräsident Antonis Samaras ein Ausschluss aus dem gerade beschlossenen massiven Anleihenkaufprogramm (QE) der Europäischen Zentralbank (EZB). Ohne einen Abschluss der Prüfmission der Troika aus EZB, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF), bei der diese die Reformfortschritte auf Basis der getroffenen Zusagen unter die Lupe nimmt, werde Griechenland nicht von dem EZB-Programm erfasst, sagte Samaras am Donnerstag in Athen. „Die heutige Entscheidung der EZB macht deutlich, dass wir ohne einen Abschluss der Prüfaktion .... ausgeschlossen werden.“

+++ Bundesanleihen drehen ins Plus +++
Zehnjährige deutsche Bundesanleihen haben am Donnerstag nach der Ankündigung der EZB, ein Anleihekaufprogramm im Umfang von 60 Mrd. Euro pro Monat aufzulegen, ihre vorherigen Verluste ausgeglichen und Kursgewinne verzeichnet. Zuletzt lag die Rendite der deutschen Papiere mit 0,46 Prozent sieben Basispunkte unter Vortag. Der Bund-Future notierte mit 157,59 Prozent 78 Basispunkte höher. Die Rendite zehnjähriger US- Treasuries, die zunächst ebenfalls gefallen war, lag zuletzt mit 1,88 Prozent wieder einen Basispunkt über Vortag.

+++ Staatsanleihen einiger Krisenländer auf Rekordtief +++
Die Renditen für Staatsanleihen der Euroländer Frankreich, Spanien und Italien sind nach der Verkündung des milliardenschweren Ankaufprogramms der EZB auf ihren bislang niedrigsten Stand gefallen. Staatsanleihen dieser Länder mit zehnjähriger Laufzeit wurden von Investoren stark nachgefragt, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstagnachmittag das Ankaufprogramm verkündet hatte.

+++ EZB-Anleihenkauf beflügelt New Yorker Börse +++
Nach der Verkündung des milliardenschweren Ankaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) sind die Börsen an der New Yorker Wall Street nach oben gedreht. Der Leitindex Dow Jones, in dem 30 der wichtigsten US-Unternehmen aufgeführt werden, legte in den Minuten nach der Ankündigung am Donnerstag um 62,42 Punkte auf 17.616 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P 500 stieg um 6,07 Punkte auf 2038 Punkte, der Technologieindex Nasdaq gewann 10,72 Punkte dazu und lag bei 4668.

+++ Draghi teilt die Haftung auf +++
Die EZB wird bei ihren Anleihenkäufen nur einen kleinen Teil der Risiken innerhalb der Währungszone verteilen. Eine gemeinsame Risikohaftung werde es nur bei Wertpapieren europäischer Institutionen geben, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Solche Anleihen, zu denen etwa Papiere der Europäischen Investitionsbank zählen könnten, sollen zwölf Prozent der gesamten Käufe ausmachen. Staatsanleihenkäufe sollen sich nach dem Anteil der Euroländer am EZB-Kapital auf die einzelnen Länder verteilen. Damit wird die EZB vor allem Staatsanleihen von Deutschland, gefolgt von Frankreich und Italien kaufen.

EUR/USD SPOT

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+++ Euro bricht nach EZB-Entscheid ein +++
Der Euro hat am Donnerstag während der Pressekonferenz von Mario Draghi nachgegeben. Der EZB-Präsident hatte ein Anleihekaufprogramm im Umfang von 60 Mrd. Euro bis September 2016 angekündigt. Die Gemeinschaftswährung notierte um 15:15 Uhr MEZ 1,1 Prozent unter Vortag bei 1,1481 Dollar. „Das ist umfangreicher als erwartet in Bezug auf Größe und Dauer“, sage Neil Jones von Mizuho Bank Ltd. in London. „Die Maßnahmen von heute werden den Abwärtsdruck auf den Wert des Euro aufrechterhalten.“

+++ Bereits 219 Milliarden Euro EZB-Staatsanleihen +++
Laut eigenen Angaben hat die EZB in der Spitze bereits Staatsanleihen für 219 Milliarden gehalten. Im Dezember waren es noch 143,9 Milliarden.


+++ ARD sendet Brennpunkt +++
„Die ARD sendet heute um 20.15 Uhr einen Brennpunkt zum Thema. Der Titel „Milliardenflut der EZB: Rettung oder Ruin?“

+++ Banken kritisieren EZB-Entscheid +++
Die großen deutschen Bankenverbände halten das EZB-Vorgehen für übertrieben. „Ich kann auf breiter Front keine wirklichen Deflationsgefahren erkennen, die es zu bekämpfen gilt“, sagte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon. Durch den Aufkauf von Staatsanleihen setze sich die Notenbank zudem immer mehr der Gefahr aus, neben der Geldpolitik auch Fiskalpoltik zu betreiben. „Damit setzt sie ihre Unabhängigkeit aufs Spiel.“ Fahrenschon fürchtet wie andere Politiker und Banker in Deutschland, dass durch das Vorgehen der EZB der Druck auf schwächelnde südeuropäische Länder sinkt, ihre Wettbewerbsfähigkeit durch Reformen zu stärken.

+++ Deutsche Versicherer kritisieren Draghi +++
„Der Schritt der EZB ist eine Zumutung“, sagte Alexander Erdland, Präsident des Versicherungsverbands GDV. Es sei ungewiss, ob das Programm wie von der Europäischen Zentralbank (EZB) erhofft zu mehr Investitionen und steigenden Preisen führe. „Sicher ist hingegen, dass weiterer Schaden für die Sparkultur in Deutschland angerichtet wird", erklärte Erdland. "Denn das Ankaufprogramm verstärkt den Druck auf festverzinsliche Wertpapiere, die eine Säule der privaten Altersvorsorge sind.“

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+++Einstimmigkeit über Rechtmäßigkeit +++
Der EZB-Rat sei einstimmig der Auffassung gewesen, dass Anleihekäufe als geldpolitisches Instrument durch das Mandat der EZB gedeckt seien, sagte Draghi. „Der Rat ist einstimmig der Meinung, dass es sich bei den Wertpapierkäufen um ein gewöhnliches Instrument der Geldpolitik handelt.“ Für das beschlossene Anleihekauf-Programm habe es zwar keine einstimmige Zustimmung gegeben. Die Mehrheit sei aber so groß gewesen, dass man nicht habe abstimmen müssen. Auch über die gefundene Lösung zur Haftung für Verluste habe es Konsens gegeben.

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  • Der Euro ist jetzt mit 1,13 so hoch bewertet,wie Anfang Mai 2003.Damals,der ungerechte Irakkrieg 2003 war gerade beendet,verkauften viele Anleger den Dollar und kauften dafür den Euro.Der Grund war simpel:Die Anleger wollten die Amerikaner für den ungerechten Krieg im Irak bestrafen.Vor allem Anleger aus Europa,dem Nahen Osten und Russland handeln nach dieser Devise.Nun- das ist längst vergessen.Jetzt zählen wieder Fakten.Der Euro wird weiter verlieren.

  • Alles gegen das BVerfG gerichtete Maßnahmen, die aktuell von Gauweiler bereits dort erneut beklagt werden.

    Zwar wirkt das BverfG nicht über Deutschland hinaus, jedoch ist die Regierung gebunden, seiner Auslegung der Verfassung Folge zu leisten.
    So bleibt angesichts der Ignoranz des Draghi allein der Austritt aus dem Euro-Währungssystem.
    Nun endlich weiß Merkel, was zu tun wäre - wurde auch Zeit.

    Nebenbei ist die Risikoteilung ein billiger Theatertrick, der nicht funktioniert. Aber mit den dummen Europäern kann man es machen.
    Natürlich haftet nach dem Schlüssel der Gewährträgerschaft jeder mit seinem Anteil - da kann intern von Draghi und seinem Rat der Komiker vereinbart werden, was will.

  • Warum regen wir uns auf? Das versteckte Motiv der Einführung des Euro war doch sowas wie der Länderfinanzausgleich in der BRD! Da spielte sich vor Jahren ab, was jetzt auf euopäischer Ebener kommen wird.
    Das Land Bremen (nicht nur) ist das Griechenland der BRD. Das BVerG (der EuGH gibt Draghi einen Freibrief) verpflichtet Mitte der Neunziger Jahre den Rest der Republik zu Sonderzahlungen an Bremen. Ergebnis: Bremen hat die Chance nicht genutzt zu Schuldenabbau, sondern sich noch zusätzlich verschuldet (Die Griechen wollen wieder Geld geschenkt haben). Und wie in Europa gibt es auch bei uns solche Kandidaten in der Warteschlange. Was hier wohl nicht passieren wird, wird in Europa passieren: Die europäische Idee wird durch den Euro scheitern. - Aber der deutsche Wähler, bar jeglicher wirtschaftlicher Kompetenz, hat es so gewollt. Vielleicht dämmert dem Michel, dass alle Koalitonen von schwarz-gelb über rot-grün bis schwarz-rot den Nutzen des deutschen Volkes nicht gemehrt haben. - Aber was ist schon ein Eid...

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