EZB: Lockerung im März wahrscheinlich

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Lockerung im März wahrscheinlich

Die EZB peilt für das Gesamtjahr 2016 eine Inflationsrate von 1,0 Prozent an. Diese Vorhersage wackelt aber. Die Forderungen nach einer erneuten Lockerung der Gelpolitik werden lauter.

FrankfurtIm EZB-Rat finden Forderungen nach einer erneuten Lockerung der Geldpolitik Notenbankern zufolge immer mehr Gehör. Doch die Bereitschaft zu radikalen Schritten sei angesichts der Konjunkturerholung im Währungsraum eher begrenzt, sagten Top-EZB-Notenbanker rund einen Monat vor der nächsten Zinssitzung zu Reuters. Eine weitere leichte Verschärfung der Strafzinsen sei ein wahrscheinlicher Schritt. Er solle dann als Teil eines Bündels von Maßnahmen zugeschnitten werden.

„Nichts zu machen im März ist sehr unwahrscheinlich“, sagte ein Notenbank-Gouverneur der 19-Länder-Gemeinschaft. Unter anderem würden die langfristigen Inflationserwartungen sinken. Es gehe auch um die Glaubwürdigkeit der Zentralbank. „Ich glaube, eine Senkung des Einlagensatzes ist ziemlich unstrittig.“

An den Märkten wird mittlerweile mit zwei Zinsschritten gerechnet auf minus 0,55 Prozent zum Jahresende. Erst im Dezember setzte die Notenbank den Satz auf minus 0,3 von zuvor 0,2 Prozent herab. Ein negativer Satz bedeutet, dass Geschäftsbanken Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie Geld bei der EZB parken.

Während die Euro-Zentralbank als Idealwert für die Wirtschaft mittelfristig knapp zwei Prozent Inflation anstrebt, waren die Preise im Januar wegen des Ölpreis-Verfalls nur um 0,4 Prozent gestiegen. Für das Gesamtjahr 2016 peilten die Währungshüter noch im Dezember eine Inflationsrate von 1,0 Prozent an. Diese Vorhersage wackelt aber. Wird sie zur Zinssitzung im März kassiert, würde dies Befürwortern einer weiteren Öffnung der Geldschleusen neue Argumente liefern. Zentralbank-Präsident Mario Draghi hatte erst kürzlich gesagt, eine abwartende Haltung berge die Gefahr, dass die Teuerungsrate auf Dauer zu niedrig bleibe.

Einige Notenbanker halten allerdings nur eine Senkung des Einlagensatzes für nicht ausreichend. „Das würde nicht genug sein. Und es wäre ein Fehler zu signalisieren, dass wir uns auf normale Schritte verlassen“, sagte ein weiterer Notenbank-Gouverneur. Denn noch auf Jahre werde die EZB-Politik unkonventionell bleiben. Das milliardenschwere Anleihen-Kaufprogramm sei das Aushängeschild der EZB-Instrumente. Jedes Maßnahmenbündel müsse dies als Komponente enthalten.

Andere Notenbanker raten indes zur Vorsicht: „Den Einlagensatz um mehr als zehn Basispunkte zu senken, würde die Ertragskraft der Banken schmälern“, so ein hochrangiger Notenbanker. Das sei keine populäre Idee angesichts dessen, was im Bankensektor aktuell geschehe. Die Aktien vieler europäischer Institute sind in den vergangenen Wochen an der Börse eingebrochen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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