EZB-Mitglieder
Zinsanhebung angeblich vor QE-Ende erwogen

Unter einigen Ratsmitgliedern der EZB soll es Insidern zufolge eine Diskussion über eine Zinsanhebung vor dem Ende des Anleihekaufprogramms gegeben haben. Die Spekulationen trieben den Euro an.
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FrankfurtEinige Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) haben Insidern zufolge die Möglichkeit einer Zinsanhebung vor dem Auslaufen der großangelegten Anleihenkäufe vorgebracht. Die Diskussion darüber sei aber kurz gewesen, und es habe keine breite Zustimmung dazu gegeben, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Die Agentur "Bloomberg" hatte zuvor berichtet, auf der Ratssitzung am Donnerstag habe es darüber einen Austausch gegeben, ohne dass ein spezifisches Szenario oder ein Zeitrahmen diskutiert worden sei. Der Euro legte nach dem Bericht zu.

Die Europäische Zentralbank (EZB) lehnte eine Stellungnahme zu den Informationen ab.

Die EZB erwirbt seit rund zwei Jahren in großem Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere. Das Programm soll noch bis mindestens Ende dieses Jahres laufen. Auf der Pressekonferenz nach dem Zinsbeschluss am Donnerstag war EZB-Chef Mario Draghi danach gefragt worden, ob Schlüsselzinsen bereits vor dem Programmende angehoben werden könnten. Er wolle nicht spekulieren, antwortete Draghi. Der geldpolitische Ausblick sieht weiterhin vor, dass die Leitsätze weit über die Zeit des Anleihen-Kaufprogramms hinaus auf dem aktuellen Niveau oder sogar noch niedriger liegen werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Hoffnung auf Kursänderung der EZB? Leider auf absehbare Zeit nicht! Deshalb könnte das Thema der Politik auf die Füße fallen. Die realen Verluste, die viele Sparer derzeit erleiden müssen, könnten doch noch ein Thema im deutschen Wahlkampf werden. Man darf getrost hinzufügen, dass das ein echter Fortschritt wäre. Denn Draghi bleibt unnachgiebig und die Reaktion der Politik darauf beschränkt sich auf Totschweigen, Schönreden und „folgenlose Empörung“. Doch das ist zu wenig, auch wenn die Lage verzwickt ist.
    Heute müssen Sparer allein die Zeche für die Schuldenkrise in anderen Euroländern zahlen. Das ist auch einer Politik geschuldet, die es leider versäumt hat, die finanz- und wirtschaftspolitischen Voraussetzungen für einen funktionierenden Euro zu schaffen. Eine Korrektur dieses Versäumnisses wird noch lange dauern. Bis dahin sollte der Staat die Lasten nicht einseitig dem Sparer aufbürden, sondern gerecht verteilen.
    Eine Möglichkeit bestünde etwa darin, reale Verluste der Sparer mithilfe des Steuer-Transfer-Systems wenigstens teilweise auszugleichen. Das erscheint auch deshalb geboten, weil die derzeitigen Haushaltsüberschüsse ja auch ein Ergebnis der schleichenden Enteignung der Sparer sind. Dazu Bundesbank-Präsident Jens Weidmann: „Wären die Zinsen auf dem Niveau des Jahres 2007 geblieben, hätte der deutsche Staat über die Zeit um rund 250 Milliarden Euro höhere Zinsausgaben stemmen müssen.“ Das spricht doch Bände!

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