EZB-Notenbanker Nowotny
Bald Diskussion über Zukunft der Anleihenkäufe

Laut EZB-Ratsmitglied Nowotny will die EZB auf ihren nächsten beiden Zinstreffen vermutlich über die Zukunft der billionenschweren Anleihenkäufe sprechen. Das Programm ist vorerst bis Ende 2017 angelegt.
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WienDie EZB wird laut Ratsmitglied Ewald Nowotny voraussichtlich bald über die Zukunft ihrer billionenschweren Anleihenkäufe beraten. „Ich nehme an, dass wir sowohl im Juli wie dann im September bei den Policy Meetings über dieses Thema sprechen“, sagte Österreichs Notenbankgouverneur am Freitag in Wien. Die Märkte erwarteten, dass die Käufe nach 2017 zurückfahren werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte auf ihrem Ratstreffen am Donnerstag in Tallinn einen ersten vorsichtigen Schritt in Richtung Kurswende gewagt. Sie strich in ihrem Ausblick die Option auf noch tiefere Schlüsselzinsen.

Nowotny unterstrich: „Es ist wichtig, Märkte auch entsprechend vorzubereiten auf die Maßnahmen.“ Experten gehen davon aus, dass die EZB den Börsen mehrere Monate Zeit geben wird, sich auf abschmelzende Anleihenkäufe einzustellen. Nach Einschätzung der Volkswirte der Großbank UBS werden die Währungshüter wahrscheinlich die Märkte im Juli auf eine Entscheidung im September vorbereiten, die Käufe ab Januar 2018 über sechs bis neun Monate hinweg ausklingen zu lassen.

Derzeit erwerben die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Notenbanken der Euro-Länder Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro im Monat. Die im März 2015 gestarteten Käufe sollen noch bis mindestens Ende 2017 laufen und dann einen Gesamtumfang von 2,28 Billionen Euro erreichen. Mit den Transaktionen will die EZB die Inflation nachhaltig in Richtung ihres Ziels von knapp unter zwei Prozent hieven. In Deutschland sind die Käufe umstritten.

Sorgen macht Nowotny die zuletzt eher schwache Inflationsentwicklung im Währungsraum. „Das ist eine erhebliche Herausforderung für die Politik der EZB“, sagte er. Es bestehe das Risiko, dass die Inflationsraten noch geringer ausfallen. So könne ein steigender Euro inflationsdämpfend wirken. Die vor allem von der Ölpreisentwicklung angetriebene Teuerung hatte sich im Mai deutlich abgeschwächt. Aktuell rechnen EZB-Fachleute selbst für das Jahr 2019 nur mit einer Inflation von 1,6 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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