EZB-Politik
Weidmann verteidigt die deutschen Sparer

Bundesbank-Chef Jens Weidmann weist die oft scharfe Kritik am Anlageverhalten der Sparer und am deutschen Exportüberschuss deutlich zurück. Dies sei nicht der Grund für das aktuell sehr niedrige Zinsniveau.

Frankfurt 

Bundesbank-Chef Jens Weidmann hat Kritik am Anlageverhalten der deutschen Sparer zurückgewiesen. „Die Sparer dafür zu tadeln, dass sie sparen ist genauso falsch wie den Investoren vorzuwerfen, dass sie zu wenig investieren“, sagte Weidmann in einer Rede in Frankfurt. Immer wieder werde der Vorwurf erhoben, dass die Deutschen zu viel sparen und zu wenig investieren würden. Manchmal werde daraus sogar gefolgert, dass die Deutschen selbst Schuld  an den aktuell sehr niedrigen Zinsen seien.

„Es stimmt zwar, dass Leistungsbilanzüberschüsse von mehr als acht Prozent der Wirtschaftsleistung nicht nachhaltig sind, man darf aber nicht vergessen, dass der jüngste Anstieg großenteils mit der Abwertung des Euro und dem Ölpreis-Verfall zusammenhängt.“

In der vergangenen Woche hatte EZB-Chef Mario Draghi argumentiert, dass der hohe deutsche Leistungsbilanzüberschuss eine wesentliche Ursache für den Überhang an Ersparnissen sei. „In einer Welt wo die realen Renditen überall sehr niedrig sind, gibt es schlichtweg nicht genug Nachfrage nach Kapital um den riesigen Überhang an Ersparnissen aufzufangen“, sagte der EZB-Chef. Deutschland habe über ein ganzes Jahr Leistungsbilanzüberschüsse von über fünf Prozent der Wirtschaftsleistung gehabt.

Steigende Realzinsen werde es erst geben, wenn es wieder ein Gleichgewicht zwischen Ersparnissen und Investitionen gebe. Im Interview mit der Bild-Zeitung hatte der EZB-Chef gesagt, „die Lage der Sparer ist uns sehr wohl bewusst. Und nicht nur in Deutschland müssen Sparer mit niedrigen Zinsen leben.“ Er riet den Sparern jedoch auch zu mehr Risiko. Sie hätten es mit ihren Anlageentscheidungen  auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfielen. „Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten“, sagte Draghi.

 

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent
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