EZB-Protokolle
Banken-Strafzins sorgte für Bedenken

Die Anhebung der Banken-Strafzinsen durch EZB ist unter den Notenbankern selbst umstritten. Das geht aus den am Donnerstag veröffentlichten Protokollen hervor. Sie sorgen sich um die Erträge der Kreditinstitute.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich bei der Verschärfung des Strafzinses für Banken im März gegen Bedenken im Führungskreis der Notenbank hinweggesetzt. Es sei die Sorge laut geworden, dass die Ertragskraft der Geldinstitute durch die Maßnahme leiden könne, heißt es im Protokoll der EZB-Zinssitzung vom 10. März, das die Notenbank am Donnerstag veröffentlichte. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Leitzins erstmals auf 0,0 Prozent gesenkt und den Strafzins für Geldhäuser verschärft. Der sogenannte Einlagensatz wurde auf minus 0,4 Prozent von zuvor minus 0,3 Prozent herabgesetzt. Damit wurde es für die Institute noch teurer, wenn sie überschüssige Gelder über Nacht bei der Notenbank parken.

Zudem wurde das monatliche Volumen der umstrittenen Anleihenkäufe um 20 auf 80 Milliarden Euro erhöht. EZB-Präsident Mario Draghi hatte bei der Entscheidung zum weiteren Öffnen der Geldschleusen nach eigenen Worten eine „überwältigende Mehrheit” im Führungsgremium der Zentralbank hinter sich. Bundesbank-Chef Jens Weidmann, der als Kritiker der ultra-lockeren Geldpolitik gilt, hatte wegen des Rotationsverfahrens im EZB-Rat kein Stimmrecht.

Unterdessen stand die EZB am Donnerstag noch aus einem weiteren Grund im Fokus der Märkte: Führende Mitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) stellen sich gegen die Idee einer Verteilung direkter Geldgeschenke an die Bürger zur Anheizung der Inflation. Über ein solches „Helikopter-Geld” werde noch nicht einmal diskutiert, sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet am Donnerstag in Frankfurt. Ins gleiche Horn blies EZB-Vize Vitor Constantio im Europa-Parlament: „Das ist nicht auf dem Tisch in irgendeiner Gestalt oder Form.”

Praet sagte, die EZB habe noch genügend Pfeile im Köcher. „Falls es zu weiteren negativen Schocks kommen sollte, könnten wir unsere Maßnahmen erneut anpassen, um der Stärke des Gegenwindes zu begegnen.” Dabei würden mögliche Nebeneffekte berücksichtigt. Dass die Inflation weiter niedrig sei, liege nicht an einer ineffektiven Geldpolitik, sondern daran, dass die Wirtschaft in der Zwischenzeit von neuen dämpfenden Einflüssen getroffen worden sei.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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