EZB-Ratsitzung: „Es gibt keine Japanisierung des Euro-Raums“

EZB-Ratsitzung
„Es gibt keine Japanisierung des Euro-Raums“

Mario Draghi hebt deutlicher als bisher hervor, dass die EZB sehr lange an ihrer Niedrigzinspolitik festhält. Er warnt vor den Risiken sinkender Preise – aber weist Parallelen zwischen der Euro-Zone und Japan zurück.
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FrankfurtEZB-Chef Mario Draghi ist im Kampf gegen die Wirtschaftskrise und für stabile Preise in der Euro-Zone zum erneuten Eingreifen bereit. Auf der heutigen Sitzung beließ die EZB aber den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,25 Prozent. "Wir haben verschiedene Instrumente", sagte Draghi auf der Pressekonferenz nach der Ratssitzung in Frankfurt. Welche zum Einsatz kommen könnten, ließ er allerdings offen.

DZ-Bank-Analyst Jan Holthusen wertet Draghis Worte als „etwas deutlicher als bisher.“

Ähnlich äußerte sich Thomas Amend von HSBC Trinkaus. Die EZB habe signalisiert, dass im Moment keine Notwendigkeit bestehe, die Geldpolitik noch expansiver zu gestalten. Gleichzeitig lässt sie sich jedoch wie immer alle Türen offen. Sollte die Inflationsrate weiter zurückgehen oder es zu Verzerrungen am Geldmarkt kommen, könnte die EZB im Laufe des Jahres wohl noch einmal aktiv werden," sagte Amend.

Auf der Pressekonferenz machte Draghi mehrfach klar, dass die EZB bei zu niedrige Preissteigerungen etwas tun müsse. "Ich möchte deutlich machen, dass wir ein Mandat haben, um Preisstabilität zu sichern - und zwar in beide Richtungen", sagte Draghi. Im Dezember ist die jährliche Inflationsrate im Euroraum auf 0,8 Prozent gesunken – und damit deutlich unter den Zielwert der EZB von unter aber nahe zwei Prozent. Einige Ökonomen befürchten, dass die Preise ähnlich wie in Japan in den 1990er-Jahren fallen könnten. Die japanische Wirtschaft litt über 15 Jahre unter einer sich selbst verstärkenden Spirale aus sinkenden Preisen und wirtschaftlichem Niedergang.

Die Situation in der Eurozone ist aus Sicht von Draghi jedoch nicht mit der in Japan in den 1990er Jahren vergleichbar. Erstens habe die EZB bereits sehr einschneidende Entscheidungen getroffen. Zweitens seien die Banken in Europa heute stärker als sie damals in Japan gewesen seien. Der dritte große Unterschied liege darin, dass die Inflationserwartungen in der Eurozone fest verankert seien, wohingegen sie dies in Japan nicht gewesen seien.



Agentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

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  • "Geld entsteht nur über Kredit" - die Aussage ist für 90% der Geldmenge im Euroraum korrekt, da ca. 90% der Geldmenge in Giralgeldform vorliegt, die nunmal nur in Schuldform und gegen Zins erschaffen wird, und zwar nur von den Geschäftsbanken, die diesen Zins erhalten (Geldschöpfungsgewinn). Würden all diese Schulden auf einmal zurückbezahlt, gäbe es kein Geld mehr (bzw. nur noch 10%); das ist überraschen aber es ist tatsächlich so. Dass Geld über zinspflichtige Schuld generiert wird, ist tatsächlich ein (nicht das einzige) zentrales Problem unseres Geldsystems. Dass Geld gegen Zins weiterverliehen wird ist dagegen keins, sondern essentiell notwendig, das muss man sauber trennen.

    Und was die Steuerungsmöglichkeiten einer Zentralbank angeht, so sehen wir ja, dass diese entweder beinhae wirkungslos sind oder absurd ungerecht (und beinahe wirkungslos); die Nebenwirkungen jedoch in Form von Risiken immens

  • Was regen wir uns auf, das Kind ist in den Brunnen gefallen und kommt da auch leider nicht mehr heraus, da EU-Verträge willentlich gebrochen werden. Wie entschulden sich also hoch verschuldete Staaten, durch Inflation (ist ein alter Hut), denn zurückzahlen kann man die Billionen eh nicht. Wie können die maroden "Südstaaten" noch etwas am Leben gehalten werden, durch niedrigste Zinsen. Beide Szenarien sind derzeit aktuell. Warum ist der Immobilienmarkt leergefegt, weil jeder versucht sein Geld in Sachwerte einzutauschen (deshalb entsteht nebenbei noch die Immobilenblase und Mietwohnungen werden für die unteren Einkommensschichten unbezahlbar), verbunden mit der vagen Hoffnung, nach dem großen Knall (und der wird kommen) wenigstens einen gewissen Teil seines Vermögens zu retten. Es ist zum Heulen, diesen Ignoranten in der EZB zusehen zu müssen und sehenden Auges das Unheil nicht verhindern zu können.

  • Tja was waren das noch Zeiten, als sich Frau Thekla Carola Wied im Werbespot darüber beklagte, dass es bei der Bank nur 3,5 Prozent Zinsen geben würde.

    Und HEUTE: es gibt fast NICHTS mehr an Zinsen auf Sparguthaben. Wer sein Geild bei der Bank deponiert, der bekommt dafür fast NICHTS. Auch Lebensversicherungen lohnen sich im Vergleich zu früher fast überhaupt nicht mehr.

    Nur wer Schulden hat oder ein Haus/ein Auto/eine Wohnung abbezahlt, der freut sich über niedrige Zinsen.

    Auf diese Weise wird der deutscher Sparer und die Deutschen mit ihren Vermögen von der EZB enteignet.

    Und warum macht Draghi dies ? NICHT weil er den deutschen Sparer so gern hat - ganz im Gegenteil er hasst ihn.

    Herr Draghi macht die Niedrigzinspolitik, weil Südeuropäer und südeuropäische Regierungen total über ihre Verhältnisse gelebt haben und dort die Regierungen zwei Jahrzehnte lang zu viele Staatsschulden angehäuft haben.

    UND Frau Merkel und die CDU ? Und Herr Gabriel und die SPD ?

    Die machen da auch noch mit und finden es gut, dass das Geld nach Südeuropa verschleudert wird und die deutschen Sparer enteignet werden.

    Daher wer als deutscher Sparer CDU oder SPD, der muss bescheuert sein.

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