EZB-Ratsitzung
„Wir können alle verfügbaren Instrumente nutzen“

EZB-Chef Draghi hält sich die Option weiterer Notkredite an die Banken offen. Leichte Sorgen bereitet der Euro-Wechselkurs und die sehr niedrige Inflation. Viele Fragen an den EZB-Chef drehten sich um Italien.
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Die Europäische Zentralbank (EZB) ist grundsätzlich bereit zu neuen Notkrediten an Europas Banken. Die EZB werde die Entwicklung der Marktzinsen genau beobachten und gegebenenfalls eingreifen, bekräftigte Europas oberster Währungshüter Mario Draghi am Mittwoch nach der auswärtigen Sitzung des Notenbankrates in Paris. „Wir sind bereit, alle verfügbaren Instrumente zu nutzen - ein LTRO eingeschlossen. „Wir sind bereit, alle verfügbaren Instrumente zu nutzen.“ Die EZB werde dem Bankensektor so viel Geld wie nötig bereitstellen.

Ende 2011 und Anfang 2012 hatten sich Geschäftsbanken bei der EZB insgesamt mehr als eine Billion Euro für die ungewöhnlich lange Frist von bis zu drei Jahren geborgt (LTRO). Inzwischen ist der Großteil davon wieder zurückgezahlt, doch die Lage vieler Geldhäuser ist nach wie vor kritisch. Zudem treibt die Rückzahlung der Zentralbankgelder die Kreditraten am Markt für kurzfristig Geldleihen. Dies könnte die einsetzende wirtschaftliche Erholung abwürgen. Draghi betonte, seit Sommer 2012 hätten sich die Finanzierungsbedingungen für Banken verbessert. Nach wie vor sei aber die Kreditvergabe sehr schwach.

„Draghi hält sich alle Optionen offen, wenngleich es keine klaren Signale für eine Zinssenkung und/oder einen neuen LTRO gab“, sagt Ralf Umlauf von der HELABA. „Über Zinssenkungen ist diskutiert worden, und auch neue LTROs gehören zum Maßnahmenspektrum der EZB.“

Sein Kollege Christian Schulz von der Berenberg Bank sagte: „Es gab eine leichte Verschiebung bei den Geldmarktproblemen. Die EZB sagt ausdrücklich, dass sie alle Werkzeuge, auch einen LTRO, in Betracht zieht, um den Geldmarkt zu entspannen.“ Aus Sicht von Schulz „geht die EZB mit Trippelschritten auf weitere LTROs zu.“

Im Verlauf der Sitzung wurde Draghi immer wieder auf die politische Situation in seinem Heimatland Italien angesprochen. Er betonte, dass politische Unsicherheiten heute nicht mehr so starke Wirkung hätten wie in den Vorjahren. Grund dafür seien die strukturellen Reformen, die viele Länder angestoßen hätten. Außerdem habe es Fortschritte bei der politischen Zusammenarbeit in der Eurozone gegeben und die EZB habe im vergangenen Jahr ihre Entschlossenheit zum Handeln gezeigt. Die Frage, ob der Reformdruck auf die Krisenländer nun nachlasse, verneinte Draghi. Die Botschaft der Märkte sei eindeutig: Sie wollten Stabilität und Reformen. Es seien aber nicht nur die Märkte, die auf Reformen drängten. Es lägen im eigenen Interesse der Länder.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
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Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

Kommentare zu " EZB-Ratsitzung: „Wir können alle verfügbaren Instrumente nutzen“"

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  • Nichts Neues von Draghi - anderes war nicht zu erwarten. Markenzeichen dieses Herrn aus Italien war stets wilde Entschlossenheit ohne durchdachte Lösungsstrategie und folgerichtig äußerst bescheidene Ergebnisse. Draghi kopiert die in Verruf geratene Schuldengrenzen-Missachtung-Politik.
    Einst hat der antistalinistische Widerstand in Russland die Schriftzeichen CCCP (für UdSSR) als Synonym für "Stalins Tod rettet Russland" benutzt. Heute bedarf es dagegen an Mut angesichts der Verwahrlosung der Geldpolitik. So bleibt abzuwarten, welche Position die dt. Regierung und Opposition zu Draghis konzeptionslosen Amoklauf und seinem offenkundig massiv gestörten Verhältnis zur Realwirtschaft beziehen werden.
    Draghi ist kraft seines Amtes persönlich verantwortlich für Fehlentwicklungen an Arbeitsmärkten, für neues Schuldenschnittverlangen Griechenlands, neuem Hilfspaketbedarf einiger Südländer, dem spanischen Schuldenrekord, weil seine schwachsinnige Geldpolitik die Preise treibt, anstatt Nachfrage und Produktion hinreichend zu befördern.


  • "Alle verfügbaren Instrument nützen", klingt nach einer Drohung. Enteignung zur Rettung Monte Pashi und Freunde ?

  • "Leichte Sorgen bereitet ... die sehr niedrige Inflation"

    Handelsblatt- Redakteure: dieser Artikel wurde von
    dpa/rtr/jam vorgeschrieben. Klasse, die Nachrichtenagenturen. Langsam verstehe ich die psychiatrische Heilanstalt Deutschland: durch gesteuerte Nachrichteninfiltration sollen alle Menschen auch im größten Misthaufen glücklich werden.

    Vor wenigen Tagen berichtet BILD von gewaltigen Kostenschüben für Heizung der Wohnungen. Seit Monaten berichten Medien von einer Lebensmittel- Kostenexplosion. Alle Unternehmen, von A ... wie Arzt bis Z ... wie Zeitungen betreiben Preiserhöhungen. Die Post bekannte vor wenigen Tagen, dass die berechnete Inflationsrate falsch sei. Politiker wissen es ebenso.

    Ich erwarte von einer seriösen Zeitung, dass sie nicht irgendwelchen gesteuerten Nachrichten hinterher läuft, sondern eigenen Geist aufbringt, zum Beispiel die Unsinnigkeit des Warenkorbes des Statistischen Bundesamtes, Unterabteilung des Innenministeriums, aufzeigt.

    Wer einmal selber die Kostensteigerungen ausrechnen will, der sollte nach dem Big Mac Index gehen. Dieser zeigt besser als die behördliche Zahlenverordnung die wirkliche Preissteigerung: ~ 7%/a !!!

    Meine Forderung: die Inflationsrate muss von einem unabhängigen Institut berechnet werden. Die Inflationsrate muss sich an drei Musterhaltstypen orientieren, weil zum Beispiel Alte ein anderes Kaufverhalten haben als Junge. Durch die statistische Gleichmacherei haben wird letztlich Zahlen erzeugt, die niemandem wirklich helfen.

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