EZB-Ratsmitglied Nowotny
„Kein Mensch will das Bargeld abschaffen”

Österreichs oberster Notenbanker kritisiert das Ende des 500-Euro-Schein als „unnötige Irritation“. Der Zeitpunkt seiner Abschaffung sei psychologisch ungünstig. Die EZB ziele nicht auf die Abschaffung des Bargeldes ab.

WienUm ein offenes Wort ist Ewald Nowotny selten verlegen. Der Chef der Österreichischen Nationalbank versucht derzeit, Befürchtungen um ein drohendes Ende des Bargeldes zu bekämpfen. „Kein Mensch will das Bargeld abschaffen“, sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) vor der Auslandspresse in Wien. Als Beleg führte der 71-jährige Finanzwissenschaftler an: „Die EZB ist gerade dabei, eine Serie von neuen Banknoten mit höheren Sicherheitsmerkmalen herauszugeben. Die EZB will sicherlich nicht das Bargeld abschaffen.“

Ausgelöst wurde die Diskussion durch den jüngsten EZB-Beschluss, künftig keine 500-Euro-Scheine mehr zu drucken. Neben Deutschland stimmten auch Österreich und Estland gegen die Entscheidung im EZB-Rat. Nowotny sprach von einer „unnötigen Irritation“ durch die Entscheidung. EZB-Kritiker begreifen die Abschaffung des 500-Euro-Scheins als den Einstieg in eine bargeldlose Zeit.

„Psychologie ist auch ein Faktor. Deshalb habe ich den Zeitpunkt für die Abschaffung des 500-Euro-Scheins nicht für gut geheißen“, sagte der Währungshüter. Die Österreichische Notenbank stellt unterdessen eine erhöhte Nervosität bei den Bürgern fest. Ohne konkrete Zahlen zu nennen, bestätigte Nowotny einen erhöhten Umtausch von 500-Euro-Scheinen. „Es gibt derzeit die Entwicklung, dass Leute 500-Euro-Scheine eintauschen. Das sehen wir in unseren Zahlen“, sagte der Notenbanker in Wien.

Einen Grund diese Scheine bereits schon heute umzutauschen, gebe es nicht. „Der 500-Euro-Schein ist unbegrenzt gültig“, sagte Nowotny vor der Auslandspresse. „Es besteht keine Notwendigkeit, die vergrabenen 500-Euro-Scheine irgendwo gegen etwas anderes umzutauschen.“ Der 500-Euro-Schein werde nicht mit einem Schlag abgeschafft, sondern er laufe aus. Er werde einfach nicht mehr neu gedruckt.

Die Entscheidung der EZB auf den 500 Euro-Schein zu verzichten setzt die Notenbanken im Euroraum unter Druck. Sie müssen jetzt sehr viel mehr andere Geldscheine drucken. „Die Notenbanken haben dadurch erhebliche Mehrkosten“, kritisierte Nowotny. „Der Nutzen durch die Abschaffung des 500-Euro-Scheins in der Bekämpfung der Kriminalität ist geringer als die Kosten“, sagte der seit 2008 amtierende Chef der österreichischen Notenbank in Wien.

Ähnlich wie zuvor sein deutscher Amtskollege, Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, verteidigte er EZB-Präsident zugleich Mario Draghi gegen die deutsche Kritik an der Niedrigzinspolitik. Mario Draghi sei in seiner sachlichen Art und aufgrund seines psychologischen Einfühlungsvermögens ein hervorragender EZB-Präsident. „Die europäische und die deutsche Wirtschaft haben ihm sehr viel zu verdanken, auch wenn das nicht allen deutschen Professoren voll bewusst ist“, sagte Nowotny. In Anspielung auf die Kritik von Finanzminister Wolfgang Schäuble, dass die Niedrigzinspolitik auch für das Erstarken euroskeptischer Kräfte mitverantwortlich sei, sagte Nowotny. „Wir waren alle erstaunt und schockiert, dass eine Notenbankpolitik mit Erfolgen von rechtsextremen Parteien in Verbindung gebracht wird.“ Das Ziel der EZB sei Stabilisierung, um Radikalisierung zu verhindern. Auch er frühere EZB-Chef Jean-Claude Trichet hatte zuvor den Draghis Kurs verteidigt und wies Angriffe deutscher Politiker auf die EZB scharf zurück. „Ich hätte alles genauso gemacht wie Mario“, sagte Trichet der „Börsenzeitung“.

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Nowotny glaubt, dass die Inflation in diesem Jahr steigen könnte

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