EZB-Ratsmitglied Noyer
„Wir haben enorme Summen auf den Tisch gelegt“

Der französische Zentralbank-Chef Christian Noyer hadert mit den Griechenland-Hilfen durch die Europäische Zentralbank. Das EZB-Ratsmitglied sieht ein mögliches Ende der Unterstützung – unter einer Bedingung.
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Die Europäische Zentralbank (EZB) kann nach den Worten ihres Ratsmitglieds Christian Noyer den Geldhahn für Griechenland nicht ewig geöffnet lassen. „In den vergangenen sechs Monaten haben wir die Lebensader für griechische Banken erhalten und enorme Summen auf den Tisch gelegt“, sagte der französische Notenbankchef dem Radiosender Europe 1.

„Unsere Regeln zwingen uns dazu, an dem Punkt sofort aufzuhören, wenn es keine Aussicht auf eine politische Einigung für ein Programm gibt oder wenn das griechische Bankensystem bröckelt - was passieren würde, wenn es zu einem allgemeinen Zahlungsausfall auf alle Schulden kommt.“

Die Zentralbank habe die Nothilfen bereits bis zum Maximum ausgelegt. Die EZB könne keine unbegrenzten Risiken eingehen. Die jüngste Verzögerung im Verhandlungsprozess müsse die letzte sein, verlangte Noyer. Noch heute wird die Zentralbank Insidern zufolge über weitere Nothilfen für griechische Banken beraten.

EU-Vizekommissionschef Valdis Dombrovskis forderte von Athen umfassende Reformvorschläge. Griechenland sei bereit, Reformvorschläge vorzubereiten, sagte Dombrovskis am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“. Es sei schade, dass die Vorschläge gestern noch nicht vorgelegen hätten. „Aber sie sind bereit, die hoffentlich morgen vorzulegen.“

Seit Monaten sind die Banken des hoch verschuldeten Landes vor allem auf Ela-Notkredite („Emergency Liquidity Assistance“/Ela) angewiesen. Diese sind eigentlich als vorübergehende Unterstützung im Grunde gesunder Banken gedacht. Bislang waren Beobachter davon ausgegangen, dass es für die Banken zum 20. Juli kritisch werden könnte. Sollte Athen an diesem Tag fällige Staatsanleihen im Umfang von 3,5 Milliarden Euro nicht tilgen, die von der EZB gehalten werden, wäre dies „tatsächlich der Fall eines Staatsbankrotts“, hatte Noyers österreichischer Kollege Ewald Nowotny am Montagabend erklärt.

Noyers Äußerungen zufolge könnte es nun für die Banken - und damit für die gesamte Ökonomie des Krisenlandes - deutlich früher eng werden. Die griechische Wirtschaft steht nach Einschätzung von Noyer bereits jetzt am Rande einer Katastrophe. Falls bis Sonntag keine Einigung im Schuldenstreit komme, könnte die Ökonomie des Landes kollabieren.

Die griechischen Banken sind seit Montag voriger Woche geschlossen. Der Kapitalverkehr im Land wird kontrolliert. Geldabhebungen sind drastisch beschränkt. Das führt zu erheblichen Einschränkungen in der Wirtschaft.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EZB-Ratsmitglied Noyer: „Wir haben enorme Summen auf den Tisch gelegt“"

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  • lustig...
    und in Deutschland verlangen tatsächlich "führende" "Ökonomen" eine Abschaffung des Bargelds...

    muss Deutschland um jeden Preis kaputt gemacht werden?

    ok, es würde in D länger als eine Woche dauern, aber auch hier geht ohne Bares dauerhaft nix!

  • Herr Kohl,
    neben der EZB gibt es ja auch noch das ESZB:

    http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/EZB_Publikationen/die_europaeische_zentralbank_das_eurosystem_das_eszb.pdf?__blob=publicationFile

    Zur Not werden entstehende Fehlbeträge auf die nationalen Notenbank des ESZB umgebucht. Herr Weidmann hat ja schon erklärt, dass der Finanzminister in den nächsten Jahren wohl eher nicht mit der gewohnten Ausschüttung des Bundesbank-Gewinns rechnen kann.....
    Damit ist die "schwarze Null" gefährdet und was das für Folgen hat, wissen wir ja alle....

    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/geld-fuer-das-finanzministerium-schaeuble-kassiert-die-bundesbank-milliarden/9499750.html

  • Herr Marc Hofmann

    realiter ist das Quatsch. Die EZB schöpft aus dem Nichts und ohne jemandem etwas wegzunehmen.
    Gibt man das milliardeschwere Nichts jemandem, der es verkonsumiert, dann verdienen die Leistungserbringer daran. Und zahlen dann höhere Steuern.
    Andererseits, platzt die Rückzahlung oder auch nur die Haftung, dann ist das Nichts wieder Nichts.
    Der reale Leistungsaustausch Leistung-Geld-Konsum bleibt davon unberührt.
    Wer Geld gegen Versprechen borgt, geht ein Risiko mit eigener Haftung ein. Kann schief gehen.
    Die EZB hat aber private Haftungen am Markt aufgekauft und haftet jetzt nicht selber, sondern reicht die Haftung an die Staaten weiter. Wenn die sich weigern würden, wäre die EZB pleite. Wären dann auch die Staaten pleite? Oder eben die Bürger dieser Staaten? Nur jene. deren Vermögen in Geld besteht, die anderen hätten ja noch was Reelles... Dass diese Realwerte immer teurer werden (auch als Beteiligung an den Börsen) zeigt das Mass der Wertlosigkeit des Wertes Geld. Da findet eben keine sozialistische Umverteilung statt, sondern eine von unten nach oben. Die Geldbesitzer können kein Anlagegut mehr kaufen, nur noch konsumieren (wenn das Geld reicht) und sind vom Vermögensaufbau ausgeschlossen. Sie werden zu Almosenempfängern, die dennoch Gegenleistungen erbringen müssen.
    So entstand früher die Leibeigenschaft.

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