EZB-Ratsmitglieder Draghi konnte nicht alle überzeugen

Draghis geldpolitisches Paket hat intern nicht nur Befürworter. Gleich fünf EZB-Ratsmitglieder sprachen sich gegen die Maßnahmen aus, berichten Insider. Auch zwei deutsche Vertreter waren darunter.
Fünf der 25 EZB-Ratsmitglieder befürworteten das aktuelle Geldpolitische Paket nicht. Quelle: dpa
Keine absolute Zustimmung

Fünf der 25 EZB-Ratsmitglieder befürworteten das aktuelle Geldpolitische Paket nicht.

(Foto: dpa)

FrankfurtAuf den Märkten hatte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, am gestrigen Donnerstag mit der Senkung des Bankenstrafzinses und der Verlängerung des Anleihekaufprogramms mächtig für Furore gesorgt. Die verwöhnten Märkte fanden, dass die Maßnahmen der Notenbanker nicht genügen. Auch intern konnte Mario Draghi mit seinen Maßnahmen offenbar nicht auf ganzer Linie punkten. Fünf EZB-Ratsmitglieder konnte Draghi nicht für seine Konjunkturmaßnahmen gewinnen, hieß es aus Zentralbankkreisen in der Eurozone.

Der EZB-Präsident habe nicht auf Maßnahmen gedrängt, die über die von ihm angekündigten hinausgehen, berichten Zentralbank-Vertreter aus dem Euroraum, die ihren Namen nicht genannt haben wollten. Den Plan habe die EZB am Donnerstagmorgen an die 25 Mitglieder des Zentralbankrates gegeben, hieß es. Zustimmung kam demzufolge von allen Mitgliedern des Rates mit Ausnahme der beiden deutschen Mitglieder - Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger- sowie der Zentralbankgouverneure aus den Niederlanden, Estland und Lettland.

Die EZB senkte ihren Einlagensatz, verlängerte die quantitative Lockerung um mindestens sechs Monate bis März 2017 und weitete das Universum der für Ankäufe in Frage kommenden Papiere auf Regional- und Kommunalanleihen aus. Draghi erklärte, die Maßnahmen sollten gegen Abwärtsrisiken beim Preisausblick und eine schwächere Inflationsdynamik als zuvor prognostiziert wirken.

„Angesichts der dominanten Rolle des Energiepreisrückgangs für die Preisentwicklung im Euro-Raum und der bereits ergriffenen umfangreichen geldpolitischen Maßnahmen, die auch mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden sein können, habe ich eine weitere Lockerung nicht für notwendig gehalten”, erklärte Weidmann am Donnerstagabend in einer Rede in Frankfurt.

So hilft die EZB den Schuldenmachern
Italien profitiert
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Die EZB hat Anfang März ihr neues Anti-Krisen-Programm gestartet. Sie „druckt“ frisches Geld und kauft damit Wertpapiere. Fachleute nennen dies quantitative Lockerung oder schlicht „QE“ („Quantitative Easing“). EZB-Präsident Mario Draghi hatte die Märkte seit Monaten darauf vorbereitet. Im Januar gab der EZB-Rat mit breiter Mehrheit grünes Licht – gegen den Widerstand etwa von Bundesbankpräsident Jens Weidmann und dem deutschen EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger. Seitdem preisen die Märkte das „QE“. Die Rendite für italienische zweijährige Staatsanleihen ist seit Jahresbeginn deutlich gefallen.

Rendite (Jahresbeginn): 0,53 Prozent
Rendite (18.03.2015): 0,29 Prozent
Quelle: Bloomberg

Langfristig günstiger
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Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen ist ebenfalls zurückgegangen. Italien kann sich damit deutlich günstiger Geld am Markt leihen. Das Land fiel während der Krise 2012 nicht nur wegen seiner Schulden, sondern auch wegen politischer Querelen auf. Die Zinsen lagen dementsprechend 2011/2012 bei fast sieben Prozent. Rund drei Jahre später sind die heutigen Zinsen für das Land deutlich niedriger.

Rendite (Jahresbeginn): 1,89 Prozent
Rendite (18.03.2015): 1,37 Prozent
Quelle: Bloomberg

Starkes Portugal
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Am stärksten profitierten in der ersten Woche der EZB-Geldflut portugiesische Staatsanleihen. Die Rendite der 30-jährigen Anleihen aus Portugal fiel die sechste Woche in Folge und erreichte Mitte März ein Rekordtief. Auch für zweijährige Staatsanleihen ging es bei der Rendite deutlich abwärts. Zu Krisenzeiten lag die Rendite hier noch über 20 Prozent. Heute liegt sie nahe Null.

Rendite (Jahresbeginn): 0,42 Prozent
Rendite (18.03.2015): 0,11 Prozent
Quelle: Bloomberg

Rendite auf Vorkrisenniveau
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Auch bei der Rendite zehnjähriger portugiesischer Staatsanleihen ging es nach unten. Die Differenz zur Rendite der  Bundesanleihen sank auf 130 Basispunkte – die kleinste Differenz seit April 2010. Die Renditen zeigen auch sehr deutlich, warum am Aktienmarkt Kauflaune herrscht: Mit Staatsanleihen kann man kaum noch Rendite erwirtschaften. Zum Vergleich: Im Sommer 2012 zahlte Portugal für seine zehnjährigen Anleihen mehr als 17 Prozent Zinsen.

Rendite (Jahresbeginn): 2,69 Prozent
Rendite (18.03.2015): 1,75 Prozent
Quelle: Bloomberg

Spanien kommt günstiger an Geld
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Auch Spaniens Staatsanleihen sind seit Jahresbeginn beliebter. Die steigende Nachfrage ließ die Rendite konstant fallen. Zum Vergleich: Im Sommer 2012 forderten Anleger am Markt noch fast sieben Prozent Rendite für zweijährige spanische Staatspapiere.

Rendite (Jahresbeginn): 0,4 Prozent
Rendite (18.03.2015): 0,16 Prozent
Quelle: Bloomberg

Renditen weit unter Krisenniveau
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Im Sommer 2012 zahlte Spanien mehr als sieben Prozent Zinsen für seine zehnjährigen Staatsanleihen. Im Sommer 2012 kam dann Draghis Versprechen „alles zu tun, was nötig sei“, um den Euro zu retten. Seitdem ging es bei den Renditen der Staatsanleihen konstant abwärts. Anfang 2015 betrugen die Zinsen nur noch 1,6 Prozent und fielen als Folge des „QE“ der EZB noch weiter.

Rendite (Jahresbeginn): 1,6 Prozent
Rendite (18.03.2015): 1,34 Prozent
Quelle: Bloomberg

Deutschland: Geld leihen und dafür zahlen
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Eine besondere Situation zeigt sich bei den Bundesanleihen. Bei zweijährigen Staatspapieren der Bundesrepublik bekamen Anleger zu Jahresbeginn eine negative Rendite. Sprich: Investoren zahlen Geld, um Deutschland ihr Geld zu leihen. Durch die Staatsanleihekäufe der EZB ist die Rendite sogar noch weiter ins Minus gerutscht.

Rendite (Jahresbeginn): - 0,1 Prozent
Rendite (18.03.2015): - 0,23 Prozent
Quelle: Bloomberg

Einige Ratsmitglieder hätten aggressivere Maßnahmen befürwortet, und einige derer, die sich nicht für das Maßnahmenpaket aussprachen, unterstützten Teile davon, berichten die informierten Personen.

Eine Sprecherin der EZB wollte sich zu den Beratungen nicht äußern. Sprecher der deutschen, niederländischen, estnischen und lettischen Zentralbanken lehnten eine Stellungnahme ebenfalls ab.

  • Bloomberg
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