EZB-Ratsmitglieder
Draghi konnte nicht alle überzeugen

Draghis geldpolitisches Paket hat intern nicht nur Befürworter. Gleich fünf EZB-Ratsmitglieder sprachen sich gegen die Maßnahmen aus, berichten Insider. Auch zwei deutsche Vertreter waren darunter.

FrankfurtAuf den Märkten hatte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, am gestrigen Donnerstag mit der Senkung des Bankenstrafzinses und der Verlängerung des Anleihekaufprogramms mächtig für Furore gesorgt. Die verwöhnten Märkte fanden, dass die Maßnahmen der Notenbanker nicht genügen. Auch intern konnte Mario Draghi mit seinen Maßnahmen offenbar nicht auf ganzer Linie punkten. Fünf EZB-Ratsmitglieder konnte Draghi nicht für seine Konjunkturmaßnahmen gewinnen, hieß es aus Zentralbankkreisen in der Eurozone.

Der EZB-Präsident habe nicht auf Maßnahmen gedrängt, die über die von ihm angekündigten hinausgehen, berichten Zentralbank-Vertreter aus dem Euroraum, die ihren Namen nicht genannt haben wollten. Den Plan habe die EZB am Donnerstagmorgen an die 25 Mitglieder des Zentralbankrates gegeben, hieß es. Zustimmung kam demzufolge von allen Mitgliedern des Rates mit Ausnahme der beiden deutschen Mitglieder - Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger- sowie der Zentralbankgouverneure aus den Niederlanden, Estland und Lettland.

Die EZB senkte ihren Einlagensatz, verlängerte die quantitative Lockerung um mindestens sechs Monate bis März 2017 und weitete das Universum der für Ankäufe in Frage kommenden Papiere auf Regional- und Kommunalanleihen aus. Draghi erklärte, die Maßnahmen sollten gegen Abwärtsrisiken beim Preisausblick und eine schwächere Inflationsdynamik als zuvor prognostiziert wirken.

„Angesichts der dominanten Rolle des Energiepreisrückgangs für die Preisentwicklung im Euro-Raum und der bereits ergriffenen umfangreichen geldpolitischen Maßnahmen, die auch mit Risiken und Nebenwirkungen verbunden sein können, habe ich eine weitere Lockerung nicht für notwendig gehalten”, erklärte Weidmann am Donnerstagabend in einer Rede in Frankfurt.

Einige Ratsmitglieder hätten aggressivere Maßnahmen befürwortet, und einige derer, die sich nicht für das Maßnahmenpaket aussprachen, unterstützten Teile davon, berichten die informierten Personen.

Eine Sprecherin der EZB wollte sich zu den Beratungen nicht äußern. Sprecher der deutschen, niederländischen, estnischen und lettischen Zentralbanken lehnten eine Stellungnahme ebenfalls ab.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
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