EZB-Ratssitzung
„Der Aufschwung ist schwach, fragil und unstetig“

EZB-Chef Mario Draghi warnt vor einem Rückschlag für die Konjunktur im Euroraum. Die Russland-Sanktionen und Gegenmaßnahmen könnten negative Folgen haben. Das größte Risiko seien die Energiepreise.
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Die Europäische Zentralbank (EZB) blickt skeptischer auf die Konjunktur. Die Erholung gehe zwar weiter, aber nicht stetig, sagte EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag nach der Ratssitzung in Frankfurt. „Der Aufschwung ist schwach, fragil und unstetig.“

Draghi warnte auch vor den zuletzt gestiegenen geopolitischen Risiken. „Insbesondere die Lage in der Ukraine und Russland wird natürlich größere Auswirkungen auf die Eurozone haben als auf den Rest der Welt.“ Es sei aber derzeit schwer einzuschätzen, welche Auswirkungen die Sanktionen gegen Russland und die Gegenmaßnahmen der russischen Seite genau auf die Wirtschaft des Währungsraums haben werden.

Sie könnten das wirtschaftliche Umfeld negativ beeinflussen. „Das große Risiko sind die Energiepreise,“ sagte Draghi. Derzeit gehe die Notenbank davon aus, dass sich die Konjunktur im Euroraum allmählich, aber ungleichmäßig erholen werde. Die EZB werde die Auswirkungen auf die Inflation und auch die Entwicklungen bei den Wechselkursen genau im Auge behalten, betonte Draghi. Der EZB-Rat sei einstimmig zu unkonventionellen Maßnahmen bereit, wenn sich der mittel- und langfristige Inflationsausblick verändere. Derzeit haben sich laut Draghi nur die kurzfristigen Inflationserwartungen verändert. Mittel- und langfristig seien sie hingegen fest verankert.

Die Wirtschaft hat sich zuletzt auch wegen der Folgen der Ukraine-Krise eingetrübt - auch in Deutschland, das die Konjunktur in der Euro-Zone noch zu Jahresbeginn angeschoben hatte. Im Frühjahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt hierzulande aber leicht geschrumpft sein. Offizielle Daten zu Deutschland und dem Euro-Raum werden nächsten Donnerstag veröffentlicht. Zu den Konjunktursorgen der EZB trägt auch bei, dass Italien als drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone wieder in die Rezession gerutscht ist und das Schwergewicht Frankreich konjunkturell weiter vor sich hindümpelt.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " EZB-Ratssitzung: „Der Aufschwung ist schwach, fragil und unstetig“ "

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  • Alles was die Wundermethoden der EZB und der anderen Zentralbanken (FED und "Abenomics") bewirken, sind neue gigantische Blasen an den Aktien-,Anleihen und Immobilienmärkten, deren baldiges Platzen die nächste große Wirtschaftskrise auslösen wird. Draghi wird noch so viel billiges Geld drucken können - die Banken werden es (hoffentlich) trotzdem nicht weiterverleihen an wacklige Schuldner und schlechte Investments. Aber Draghi rüstet sich ja schon für die nächste Wunderwaffe: Den Aufkauf von Kreditverbriefungen durch die EZB: Ja genau, das sind die sogenannten ABS, die bereits 2008 die Finanzkrise ausgelöst haben: Man packe einfach zigtausende uneinbringliche Kredite zusammen als hübsches "Paket" und sucht dann einen Dummen, der sie kauft. Und da aktuell ein Dummer nur schwer zu finden ist, der den südeuropäischen Banken ihre faulen Kredite abkaufen möchte, macht's die EZB dann halt selbst.So kann man elegant die maroden Banken in Spanien, Italien & Co. auf Kosten der deutschen Steuerzahler (durch ihre Haftung für die EZB-Schulden)entschulden. Nachdem Deutschland sich ja symbolisch gegen "Eurobonds" gewehrt hat, ist das das gleiche in Grün: Eine elegante Vergemeinschaftung der Schulden zu Lasten der Steuerzahler-Idioten in einigen westeuropäischen Ländern...

  • Falsch! Das größte Risiko ist Herr Draghi.

  • Herr Draghi, es gibt keinen Aufschwung. Lesen Sie doch bitte einmal die Wirtschaftsdaten. Ihr Heimatland befindet sich sogar offiziell wieder in einer Rezession. In zwei aufeinander folgenden Quartalen ist die Wirtschaftsleistung gesunken.

    Aha, die EZB ist einstimming zu unkonventionellen Massnahmen bereit. Zu welchen denn? Die Zinsen sind auf Null und die Einlagefazilität sogar schon bei -0,1%. Geld drucken sie ja auch schon wie verrückt und kaufen damit gesetzeswidrig, ausgefallene Anleihen und Monetarisieren Staatsschulden mittels Notenpresse.

    Ihre Aussagen sind einfach nur dumm und zeugen von einer Hilflosigkeit, die mir persönlich Angst macht.

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