EZB-Ratssitzung: Die fünf Erwartungen an Mario Draghi

EZB-Ratssitzung
Die fünf Erwartungen an Mario Draghi

Einlagezins senken, Anleihenkäufe aufstocken: Der EZB-Chef steht vor der Ratssitzung am heutigen Donnerstag unter Druck. Wird Mario Draghi diesmal wieder die Kapitalmärkte enttäuschen?
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FrankfurtVor der Ratssitzung am Donnerstag steht Mario Draghi unter Zugzwang. Im Februar fielen die Preise im Euro-Raum im Jahresvergleich um 0,2 Prozent. So stark abwärts ging es seit einem Jahr nicht mehr. Was viele Bürger freut, ist für die Notenbank ein Problem. Denn es droht eine Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und wirtschaftlichem Niedergang. Das EZB-Ziel einer Inflation von knapp zwei Prozent rückt in immer weitere Ferne.

„Die Erwartungen der Märkte an die Wundertüte des Chefs der Europäischen Zentralbank sind deshalb hoch“, meint Jens Kramer, leitender Volkswirt bei der NordLB. Investoren rechnen nicht nur mit einer Senkung des Einlagenzinses, sondern auch mit mehr Anleihekäufen. Im Dezember noch hatte Mario Draghi die Märkte enttäuscht, die auf eine deutlichere Lockerung der Geldpolitik gesetzt hatten. „Wir können uns keine weitere Enttäuschung leisten“, sagt Janet Henry, Chefvolkswirtin der britischen Großbank HSBC.

Vor allem fünf Maßnahmen stehen zur Diskussion:

1. Den Einlagezinssatz senken

Schon jetzt liegt der Einlagezins im Euro-Raum bei minus 0,3 Prozent. Das heißt: Banken, die über Nacht Geld bei der EZB parken, zahlen dafür eine Strafe. Damit will die Notenbank die Geldhäuser dazu animieren, mehr Kredite zu vergeben, statt überschüssige Liquidität bei ihr zu horten. Je höher die Strafe, desto stärker der Anreiz, so das Kalkül. Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg unter Ökonomen, rechnen die meisten mit einer Senkung um 0,1 Prozentpunkte auf minus 0,4 Prozent. Auch eine deutlichere Senkung auf minus 0,5 Prozent ist möglich. 

Damit rechnet zum Beispiel Commerzbank-Analyst Michael Schubert. „Eine Rücknahme um nur 10 Basispunkte dürfte für viele im Rat in der aktuellen Situation zu wenig sein, auch weil dann eine negative Marktreaktion wie im Dezember zu erwarten wäre.“  Auch Kramer von der NordLB geht fest von einer weiteren Senkung um 20 Basispunkte aus.

Dass sich die Notenbanker darauf einigen, den Einlagezins zu senken, gilt als wahrscheinlich. Die Lösung ist am wenigsten umstritten. Für die Bundesbank etwa, die eine weitere Lockerung der Geldpolitik skeptisch sieht, wäre diese Pille leichter zu schlucken als andere Maßnahmen.

Allerdings würde dies den labilen Bankensektor belasten. Denkbar wäre deshalb auch eine Staffelung des Einlagezinses, ähnlich wie in der Schweiz. Dort greift der Strafzins erst, wenn die bei der Notenbank geparkte Liquidität einer Bank eine Obergrenze überschreitet. Vorher gilt ein Freibetrag mit geringerem Zinssatz.

Dass die EZB Kramer  den Einlagensatz staffelt, glaubt auch Kramer. Um den „Schmerz bei den Banken nicht zu groß werden zu lassen, glaubt auch Jan Holthusen, Leiter des Anleiheresearchs bei der DZ Bank, an einen gestaffelten Einlagensatz,. Dabei kann auch er sich eine Senkung auf minus 0,5 Prozent vorstellen.

Die Staffelung des Einlagezinses würde die Banken schonen. Sie hätten dann aber auch weniger Anreiz zur Kreditvergabe. Dies würde sich auf den Euro auswirken: Dessen Kurs dürfte weiter nachgeben. Dazu reicht es, dass ein Teil der überschüssigen Liquidität der Banken mit einem Strafzins belastet wird.

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  • Das Ganze ja sogar so gewollt.

    Chaos, Islamisierung, Migratenüberflutung das sind die Rezepte von Frau Merkel um die Staaten in EUropa inm den Bankrott zu treiben.

    Dann soll wie das römische Grossreich der Zentrastaat "EU-Brüssel" ganz Europa beherrschen und unterjochen.

    Das muss ja dringend verhindert werden !!!

  • Sie können die Euro doch in andere Währungen oder Gold umtauschen.

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