EZB-Ratssitzung
Draghi hält sich weitere Aktionen offen

Die EZB lässt zunächst vom Leitzins die Finger - erwägt aber andere Instrumente. Nach wie vor bereitet die schwache Kreditvergabe an Unternehmen in den Peripherieländern große Sorgen. Doch ein Eingriff birgt Risiken.
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DüsseldorfFür einen Zentralbank-Chef war Mario Draghi beim Thema Zypern ungewöhnlich direkt. Auf der Pressekonferenz nach der EZB-Ratssitzung wies er die Überlegungen von Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem, wonach Zyperns Rettung ein Modell für andere Länder sein könnte, brüsk zurück. „Ich habe nicht mit ihm persönlich gesprochen, aber ich bin mir absolut sicher, dass der Eurogruppen-Chef falsch verstanden wurde,“ sagte Draghi.

„Zypern ist keine Blaupause.“

Außerdem machte er klar, dass die EZB von vornherein nicht viel davon gehalten habe, die Kleinsparer auf Zypern an den Kosten des Rettungspakets zu beteiligen. „Das war nicht sehr klug, um es mal höflich zu sagen.“ Die EZB habe dies von vornherein abgelehnt.

Nach dem Wahl-Chaos in Italien und der holprigen Zypern-Rettung hat sich die Stimmung in der Eurozone zuletzt verschlechtert. Die meisten Euro-Länder stecken in einer tiefen Rezession. Analysten hatten deshalb darauf gewartet, dass Draghi Hinweise auf eine weitere geldpolitische Lockerung gibt. Das tat er auch - allerdings vorsichtig.

Der EZB-Rat „schaut sich die wirtschaftliche- und geldpolitische Entwicklung sehr genau an und prüft ihre Auswirkungen auf die Preisstabilität,“ sagte Draghi. Im März fiel die Inflation im Euroraum auf 1,7 Prozent. Die Spreizung der Zinssätze innerhalb des Euroraums sei nach wie vor groß, sagte Draghi. „Die Kreditbedingungen sind in einigen Peripherieländern noch sehr angespannt - vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen.“ Die Banken könnten bereits jetzt schon Unternehmenskredite als Sicherheiten bei der EZB hinterlegen. Davon machten sie jedoch nur sehr unterschiedlich Gebrauch. In einigen Ländern funktioniere das - in anderen hingegen nicht.

„Das müssen wir uns anschauen,“ sagte Draghi. Die EZB schaue sich an, was andere Länder gemacht hätten und wie deren Erfahrung seien. Nicht alle Maßnahmen seien erfolgreich und effizient. Daher müsse die EZB vor jedem Schritt gründlich nachdenken. Eine Ursache für Finanzschwierigkeiten kleiner und mittlerer Unternehmen sei außerdem die schlechte Zahlungsmoral einiger Euro-Staaten.

Zurückhaltender äußerte sich Draghi zum Thema Zinssenkung. „Die Diskussion war umfänglich. Alles in allem war es im Moment Konsens, dass wir nicht auf den Leitzins schauen sollten,“ sagte Draghi. Während der EZB-Pressekonferenz sank der Euro kurzzeitig auf ein Tagestief von 1,2797 Euro.

Mallien Jan
Jan Mallien
Handelsblatt / Geldpolitischer Korrespondent

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  • Unsere Frau Bundeskanzlerin hat völlig recht.Die Leute müssen wieder sparen lernen.Deshalb Agenda 2010 für den gesamten Euroraum,Mindestlohne runter,Rentenalter rauf und Leiharbeit für alle.Dann sparen die Leute wieder und wenn sie genug Geld gespart haben,kaufen sie auch wieder was und schon läuft es mit der Konjunktur.

  • 'Wir können nicht die Aufgaben der Regierungen der ein-
    zelnen Staaten übernehmen', so Draghi,
    und der Deutsche Steuerzahler ist nicht weiterhin be-
    reit die Risiken, eingegangen von einer EZB, weiter-
    hin zu übernehmen, so daß es ihm freisteht, nach der
    Wahl im Herbst, ohne die BRD sein Frankensteinlabor
    der Finanzen auf eigenes Risiko weiterzuführen, wenn
    hoffentlich die AfD das Sagen haben wird!

  • Korruptheit macht alt und unschön. Der Mann braucht dringend Botox und ein Lifting, sofern da überhaupt noch was zu machen ist.

    Eine Verschwörung von Konzernen und Regierung ist Faschismus

    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/mike-adams/mit-seiner-unterschrift-unter-den-monsanto-protection-act-begeht-obama-neuerlichen-verrat-an-amerik.html;jsessionid=4196E4731D08F9145F89AA9E7723483E

    Man wird vernünftig.


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